Herrsching bringt Goliath kurz ins Wanken

Herrsching - Am Ende haben die Volleyballer des VfB Friedrichshafen am Donnerstag ihr Auswärtsspiel beim Aufsteiger TSV Herrsching noch recht deutlich mit 3:1 gewonnen. Ein Spaziergang war das Match am Ammersee für den Deutschen Rekordmeister allerdings nicht.

Herrsching - Das lag in erster Linie daran, dass bei Gastgeber TSV Herrsching Festtagsstimmung herrschte. Klar, dass die Ammersee-Volleyballer bis in die Haarspitzen motiviert waren. Die nennen sich Geilster Club der Welt, sind aber im Vergleich zum Deutschen Rekordmeister arm wie die Kirchenmäuse, und die Spieler sind in Herrsching, weil sie gleichzeitig in München studieren oder arbeiten können. Von etwaiger Niedergeschlagenheit ist beim David im Volleyball aber überhaupt nichts zu spüren. Im Gegenteil: Das Team um Trainer Max Hauser ist heiß und hat den Kampf gegen den Volleyball-Goliath vom Bodensee gerne angenommen.

Ganz anders war die Einstellung beim VfB Friedrichshafen. Dort herrschte große Zuversicht, was diese Begegnung anging. Am vergangenen Mittwoch erklärte Stelian Moculescu die Aufgabe in Herrsching zum Pflichtspiel - nicht mehr und nicht weniger. Aber die deutsche Trainerlegende wusste auch, was man in Herrsching zu erwarten hat. „Für uns ist es eines von vielen Spielen, für die Herrschinger vielleicht das Spiel der Spiele“, sagte Moculescu, „und deshalb werden die sich komplett ins Zeug legen.“ Und Herrsching legte los wie die Feuerwehr und brachte in der Enge der eigenen Halle den Favoriten ins Wanken.

„Wir haben ein bisschen gebraucht, ehe wir uns auf die ungewohnten Bedingungen einstellen konnten“, so Moculescu. Genau diese Eingewöhnungsphase nutzten die Herrschinger. Sie punkteten mit gutem Spiel, zeigten in Annahme und Block wesentlich bessere Leistungen als zuletzt und brachten auch ihre Angriffe öfter durch. Bei der 20:18-Führung der Herrschinger durften die rund 1000 Zuschauer schon von einem Satzerfolg gegen den großen Favoriten träumen. Am Ende wurde es sehr eng, aber es reichte zu einem 27:25. Max Hauser war außer sich vor Freude. Ein paar Meter hinter ihm reckte Herrschings Volleyball-Chef Fritz Frömming die Faust gen Hallenhimmel - die Zuschauer tobten. Die Herrschinger hatten sich den Teilerfolg in diesem ersten Abschnitt verdient, sie hatten in dieser Phase schlichtweg den größeren Siegeswillen gezeigt.

Auch zu Beginn des zweiten Satzes war Herrsching noch gleichwertig und bis zum Stand von 18:18 war nur ganz selten ein großer Unterschied zu sehen. Doch dann kippte die Partie. Von einem Punkt zum anderen forcierten die Friedrichshafener ihre Bemühungen, machten jetzt mehr Druck mit ihren Aufschlägen und griffen im Block richtig zu. Satz zwei ging mit 25:20 an den VfB Friedrichshafen.

Moculescu und seine Mannen wirkten sehr entspannt. In der zehnminütigen Pause, die immer nach dem zweiten Satz folgt, blieb man in der Halle und schaute sich die Show an, dann wurde wieder das Pflichtprogramm erfüllt. Beim 25:19 und 25:17 hatten die Herrschinger nicht mehr viel zu melden. Jetzt saß beim Titelaspiranten und aktuellen Deutschen Pokalsieger alles. Die Herrschinger unterlagen in diesem Match mit 1:3.

Grund zum Lachen hatten sie aber dennoch. Denn mit dieser Partie haben sie Werbung für ihren Sport und ihre Sache gemacht. Die Zuschauer waren aus dem Häuschen, und viele werden wohl wiederkommen. Und spinnt man die Sache jetzt im Sinne von Max Hauser und seinen Volleyballern weiter, dann sollte doch bald im Raum Herrsching eine ordentliche Halle für 2000 Leute erstellt werden. Herrsching wäre sicherlich ein Magnet, um eine mittelgroße Ammersee-Sport-Arena regelmäßig zu füllen. Man darf auch nicht die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes unterschätzen. Zum einen würden wohl viele Jugendliche den Weg zum Sport finden, zum anderen wäre eine Veranstaltungshalle in dieser Größenordnung vorhanden, und auf die könnte eine Tourismusregion wie das Fünfseenland sicherlich stolz sein.

Stolz wollen die Herrschinger Fans auch am Samstagabend auf ihre Volleyballer sein. Nach den guten Leistungen gegen Friedrichshafen soll beim Tabellenneunten CV Mitteldeutschland (19.30 Uhr, Jahrhunderthalle, Spergau) der zweite Saisonsieg eingefahren werden. „Da war das Match gegen Friedrichshafen die ideale Vorbereitung“, sagt Hauser. Friedrichshafen hat am vergangenen Donnerstag ein Spiel von vielen gewonnen, der Geilste Club der Welt war glücklich, dass er dem Favoriten zumindest teilweise ganz schön einheizen durfte. (anho)

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