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Gruppenbild fürs All: die Herrschinger beim Fototermin.

Foto-Aktion

300 Herrschinger auf dem Weg ins All

Mit einem Massenbild will Herrsching einen Platz im All. Rund 300 Einwohner und Gäste stellten sich zum Gruppenbild für die ISS auf.

Herrsching – Einmal ins Weltall und zurück? Ein Traum, den Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und ESA-Missionsdirektor Roland Lüttgens am Samstag für rund 300 Menschen wahr werden ließen. Na gut: Nicht physisch, aber immerhin virtuell.

Die Fotomodelle winkten auf dem Alten Sportplatz am Ammersee in die Kamera, die Fotografen Willy Generotzky eigens zu diesem Anlass aus dem Korb der Drehleiter von Herrschings Freiwilliger Feuerwehr auf sie gerichtet hatte. Als Poster und im Querformat fliegen die Konterfeis jetzt (voraussichtlich) ins All – nachdem die Aufnahme quer durch Europa gereist ist, denn ein paar Formalitäten stehen vor dem Abflug freilich noch an, erklärte Lüttgens, der persönlich „lieber am Boden“ bleibt. In Turin wird das Bild geprüft, dokumentiert und schließlich – wenn alles gut geht – verpackt, um 2018 in einer Versorgungsrakete an die ISS-Raumstation anzudocken (wir berichteten). In diesem Jahr übernimmt Alexander Gerst, der 2014 bereits eine Videobotschaft an die Herrschinger Realschule schickte, 400 Kilometer über der Erde sechs Monate lang das Kommando. Klingt ganz schön aufwändig. Klappt das auch?

Lüttgens ist zuversichtlich. Immerhin arbeitet der Physiker im ESA-Kontrollzentrum auf dem Gelände des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), ist dort auch für die eng getaktete Arbeitseinteilung der Astronauten zuständig und würde die Episode in den Arbeitsprozess mit einbauen. Läuft alles nach Plan, weist der Missionsdirektor einem Mann in der Raumkapsel die Aufgabe zu, den Abzug aus der Kiste zu holen, an die Scheibe zu kleben und einmal auf den Auslöser zu drücken. Wenn alles gut geht, schillert im Hintergrund des Fotos der winkenden Erdenbürger unser blauer Planet. Den Schnappschuss beamt ein Verantwortlicher ins Kontrollzentrum, hoffte Schiller in seiner Rede. Auf der Gemeindehomepage ist er dann als Download verfügbar, wo auch die Reiseroute des Plakats von Herrsching über alle Stationen nachvollzogen werden soll. Die Abbildung mit den Weltallbummlern kreist daraufhin noch eine Weile um die Erdkugel, bevor sie – von den Astronauten signiert – mit der Versorgungsrakete wieder festen Boden unter den Füßen bekommt. Am Ende steht diese ebenfalls zum Runterladen bereit und kann zum Selbstkostenpreis im Copy-Shop ausgedruckt werden, so der Rathauschef. Ein bisschen verrückt ist die Idee schon, oder Herr Schiller? Die Antwort des Mannes mit der Faszination fürs Weltall: „Das Projekt macht die Raumfahrt für Jung bis Alt greifbar“ – und da die Öffentlichkeit sich längst nicht mehr für einen Raketenstart die Nacht vor dem Fernseher um die Ohren schlägt, tue das auch etwas fürs Image.

Die Sterne hat das Projekt auf jeden Fall ganz auf seiner Seite: Am Samstag um 22.30 Uhr zeigte sich die ISS direkt über Herrsching als Stern in den unendlichen Weiten des Weltalls.(mk)

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