Planungsansicht Gymnasium Herrsching
+
So soll sich das Gymnasium Herrsching eines Tages in die Landschaft einfügen: Nach den neuesten Plänen werden Außenbereiche zum Schutz eines Biotops verändert, und auch sonst gab es einige Umplanungen. Die Kosten sind auf mindestens 87 Millionen Euro gestiegen – für einige Kreisräte zu viel.

Gymnasium Herrsching

87 Millionen? Kreistag vor Grundsatzdebatte

Das Gymnasium Herrsching wird nach neuesten Berechnungen mindestens 87 Millionen Euro kosten. Das wurde gestern bei der Vorstellung der Entwurfsplanung bekannt. Ende des Monats muss der Kreistag entscheiden, wie es weitergeht – und womöglich, ob vorerst überhaupt.

Herrsching – Die voraussichtlichen Kosten für das in Herrsching geplante Gymnasium sind nach einer aktuellen Berechnung auf 87 Millionen Euro gestiegen, und sie könnten noch weiter steigen. Im Kreis- und im Kreis-Bauausschuss ging es gestern vor allem um die Entwurfsplanung, allerdings ist absehbar: Am 26. Oktober wird es eine Grundsatzdebatte über die Zukunft des Projektes im Kreistag geben. Vor allem den Bürgermeistern werden die Kosten viel zu hoch.

Dass es nun mindestens 87 Millionen in der Summe sind, ist auch der Tatsache geschuldet, dass es bisher nur recht grobe Schätzungen gab, nun aber eine recht konkrete Berechnung vorliegt, weil die Planungen inzwischen genauer sind. Zudem fehlten in den bisherigen Zahlen – vor einem Jahr waren es noch mehr als zehn Millionen Euro weniger – einige Punkte. Zu Kostensteigerungen führten unter anderem eine aufwendigere Wasserableitung auch vom Hang hinter dem Grundstück am Mühlfeld am Südrand Herrschings, die Verlegungen von Zufahrten, Änderungen in den beiden Gebäuden und einigem mehr. Zudem sind nun erste Ausgaben für die Ausstattung der Schule enthalten, die bisher immer unberücksichtigt geblieben waren. Änderungen ergaben sich auch durch genauere Baugrunduntersuchungen sowie zum Schutz des Biotops auf dem Grundstück. Deswegen wurde das Gebäude leicht verschoben, der Pausenhof umgeplant.

Die Planer von Schürmann Dettinger Architekten stellten die Änderungen vor, die sich vielfach auf Details beschränken bzw. gewünschte Umplanungen wie eine Hausmeisterwohnung umfassen. Die Grundstruktur mit Lernhäusern, Holzbau, Tiefgarage, halb im Boden versteckter Sporthalle vor dem Schulhaus und dergleichen bleibt erhalten. „Wir versuchen, ein leichtes und filigranes Gebäude zu schaffen“, betonte Architekt Tobias Pretscher.

Kreis-Kämmerer Stefan Pilgram

Angesichts der Kosten blieb einigen Kreisräten der Mund offen stehen, auch wenn am Ende nach Berechnungen des Kreiskämmerers „nur“ bis zu 70 Millionen Euro vom Kreis zu finanzieren sind (der Rest sind Fördermittel und ein Anteil der Gemeinde Herrsching). Bernhard Sontheim (Freie Wähler), Bürgermeister von Feldafing und bekannter Gegner der Schule, warnte erneut davor, das Gymnasium zu bauen, weil es sich der Landkreis nicht leisten könne. Schon heute seien die Gemeinden an der Grenze der finanziellen Leistungskraft – auch ohne Corona-Folgen. Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU) forderte eine Aufstellung aller Projekte (was Kämmerer Stefan Pilgram zusagte) und eine Priorisierung, bevor sie zustimmt. Sie sieht die Gefahr, dass die Ausgaben des Kreises, die die Gemeinden über die Kreisumlage mittragen müssen, diese „strangulierten“. Selbst Tim Weidner (SPD) beschleichen Zweifel, ob sich der Kreis das alles werde leisten können. Das müsse man bis zum Kreistag in den Fraktionen genau besprechen, sagte er. Das wollten auch die anderen Fraktionen, so wird es sein.

Bisher gab es stets eine klare Mehrheit für die Neubaupläne. Britta Hundesrügge (FDP) warnte eindringlich davor, das Projekt für einige Jahre einzufrieren oder gar aufzugeben. Baue man nicht bald, gebe es für zehn bis 20 Jahre kein Gymnasium in Herrsching. Martina Neubauer (Grüne) verwies auf den Bedarf, der in der Schulentwicklungsplanung belegt sei. Die wird gerade überarbeitet, Ergebnisse soll es im Frühjahr 2021 geben. Landrat Stefan Frey ließ durchblicken, in der angespannten Finanzlage sei die komplette Aufgabe des Projektes vielleicht nicht der richtige Weg. Er findet das Gymnasium „modern, aber nicht überplant“ und erkennt keinen Schnickschnack.

Das bisherige Ziel einer Einweihung im Herbst 2023 ist nur schwer zu halten. Zum einen ist das Bebauungsplanverfahren bei der Gemeinde Herrsching nicht abgeschlossen, mithin fehlt Planungssicherheit. Zudem könnte eine Baugenehmigung, die nach Vorstellung des Kreises Ende 2021 vorliegen könnte, beklagt werden.

Auch interessant

Kommentare