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Der Senior Otto Darchinger ist auch heute noch der erste morgens in der Werkstatt und der letzte, der sie abends verlässt.

Seit dem 19. Jahrhundert in Herrsching 

90 Jahre Schreinerei: Die Darchingers und ihre Brotzeitbrettl

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Der Name Darchinger gehört zu Herrsching wie der Ammersee. Die Unternehmerfamilie ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in Herrsching beheimatet. Die Schreinerei an der Madeleine-Ruoff-Straße feiert in diesem Jahr ihr 90. Jubiläum.

Herrsching – Otto Darchinger (75) holt das Brotzeitbrettl von der Werkbank. „Das ist etwas Besonderes“, versichert er und zeigt auf die farblich verschiedenen Schichten, aus denen es gemacht ist: Eibe, Apfel, Zwetschge und Nuss. Bäume aus eigenem Wald und Garten. „Das ist von mir, hab’ ich mir ausgedacht“, sagt der Senior stolz. Bis heute ist er morgens der erste in der Werkstatt und abends der letzte, der geht. Chef ist mittlerweile Sohn Wolfgang (45). Er führt die Schreinerei in dritter Generation mit ebensolcher Leidenschaft, wie der Vater und auch der Großvater Otto, der die Werkstatt am Seewinkel vor 90 Jahren in der ehemaligen „Koebke Porzellanfabrik“ gründete.

Damals bekannt für ihre Landhaus- und Stilmöbel, haben Schreinermeister Wolfgang Darchinger und sein Bruder Michael (40) sich heute auf exklusives Wohndesign spezialisiert – mit Wolfgang als Künstler und dem Gespür für Formen und Michael als Kaufmann und Innenarchitekt. „Diese Kombi, das ist unsere Stärke“, sagt Michael Darchinger. „Mit Billigware würden wir den Konkurrenzkampf verlieren.“ So aber bekommen sie Aufträge in ganz Deutschland und der Welt – heuer erstmals in Shanghai. „Wir möblieren dort eine Villa“, erzählt Michael Darchinger. Ein Objekt, dass sich ein Kunde aus dem Landkreis dort gekauft hat.

Der Schreinermeister Wolfgang Darchinger.

Michael Darchinger, der Kaufmann mit Studium der Innenarchitektur, streckt seine Fühler nach besonderen Aufträgen aus. Bruder Wolfgang setzt sie um. Die Referenzobjekte können sich sehen lassen. Unter anderem hat die Firma Darchinger eine Etage im Palais an der Oper, Maximilianstraße 2, in München ausgestattet, das neue Verwaltungsgebäude der Andechser Molkerei Scheitz, ein Verwaltungsgebäude am Flughafen in Oberpfaffenhofen oder exklusive Wohnungen in Hamburg. „Logistisch ist das heute alles kein Problem mehr“, sagt der Geschäftsmann. „Es verschlägt uns überall hin, wir richten auch sehr viele Häuser ein.“

Der Standort Herrsching an der Madeleine-Ruoff-Straße ist ein Glücksgriff. Großvater Otto hatte in den 1960er Jahren vorausschauend das Möbelhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite eröffnet und in den 1970er Jahren bereits erweitert. „Wir hatten mal geplant, unsere Werkstatt ins Gewerbegebiet zu verlegen“, erzählt Wolfgang Darchinger. Heute ist er froh, dass dies nie realisiert wurde. Der Standort am See sei ideal. „Wer hat das schon?“, fragt Otto Darchinger und schaut aus dem Werkstattfenster auf das Wasser, wo die Sonne in den schönsten Farben untergeht. An diesem Standort wird nicht mehr gerüttelt, die Wege sind kurz, die Werkstatt auf dem neuesten Stand der Umwelttechnik, und die ganze Familie beisammen. Denn die Darchingers haben noch zwei Töchter, Bernadette (35), die wie Mutter Agnes im Möbelhaus mitarbeitet, und Franziska (30), die sich gern um den familieneigenen Wald in Hannawies kümmern möchte.

Der Kaufmann Michael Otto Darchinger.

„Den Wald hat mein Vater vor 25 Jahren angelegt“, erinnert sich Michael Darchinger. 6000 Eichen habe der Vater damals gepflanzt. Heute stehen sie stattlich da, „in Reih und Glied“, sagt Michael Darchinger. Er und sein Bruder hatten dem Vater damals geholfen. „Bäume sind schließlich das, was die Familie ausmacht. Mein Vater wollte etwas zurückgeben.“ Dafür hat er auch mehr Arbeit, denn der Borkenkäfer hat vor dem kleinen Mischwald nicht halt gemacht, ebenso wenig der Baumbruch durch den Schnee in diesem Winter. Otto Darchinger war gerade erst dort. „Viel Arbeit“, sagt er. Und doch erfreut ihn auch dieser Teil des Unternehmens. Und er ist stolz drauf, dass die ganze Familie mit anpackt.

Selbst die Jüngsten tummeln sich schon im Möbelhaus, die Enkel von Otto und Agnes – momentan sind es sechs. „Für die ist das doch der beste Spielplatz“, freut sich auch Michael Darchinger. Je früher sie eingebunden seien, desto besser würden sie sich auskennen und umso größer werde die Leidenschaft für das, was sie tun – vielleicht auch in den nächsten 90 Jahren. Genauso wie es das Verkaufsgeschäft für Michael ist, der Mann mit Sinn für Ästhetik und Äußeres, und der Werkstoff Holz es für dessen bodenständigeren Bruder Wolfgang ist, der übrigens wie sein Vater auch ein Brotzeitbrettl entworfen hat. Seines hat die Form des Ammersees.

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