Pfarrer Simon Rapp und Christoph Welsch in der Martinskirche
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Die Martinskirche muss aufwändig saniert werden. Pfarrer Simon Rapp (l.) und Architekt Christoph Welsch erläutern die Maßnahmen und bitten um Spenden.

Martinskirche

Ab 500 Euro gibt’s eine Collage

  • vonAndrea Gräpel
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Die alte Martinskirche in Herrsching muss saniert werden. Das Bistum wird die Maßnahme unterstützen. Der Kirchenstiftung bleibt jedoch ein Eigenanteil von 120 000 Euro. Pfarrer Simon Rapp bat bei einem Termin am Freitagabend um Spenden.

Herrsching – Es sind die Erinnerungen der Älteren, die die Geschichte lebendig machen. Erinnerungen von Nikolaus Sindermann etwa. Der Herrschinger ist gleich neben der St. Martinskirche aufgewachsen und wohnt noch heute dort. Als Kind hat er auf dem alten Friedhof gespielt, zwischen der Sammlung handgeschmiedeter Grabkreuze, die noch heute an alte Herrschinger Familien erinnern. In einem Kriechgang, der vermutlich zur Entlüftung des Gebäudes diente und unterirdisch rund um das in den Hügel gebaute Gotteshaus führt, habe er als Kind sogar Totenschädel gefunden. „Damit haben wir die Madln erschreckt“, erzählt er lachend.

Die Zugänge wurden irgendwann zubetoniert, bis auf einen. Möglicherweise sollte mit der Schließung der Zugänge der Zutritt verhindert werden. Unter Umständen hat aber genau das dazu geführt, dass die Kirche fortan unter extremer Feuchtigkeit leidet, weil damit die Entlüftung gestört wurde. Wie feucht es in der Kirche ist, das wurde Rapp bereits bei seiner ersten Andacht dort vor Augen geführt. „Mein Liedblatt hat sich nach nur zwei Minuten gewellt“, erzählt er.

Die Feuchtigkeit ist nicht das einzige Problem der alten Kirche. Der Glockenstuhl ist nicht mehr standsicher, sodass seit drei Jahren mit Ausnahme des Stundengeläuts keine Glocken mehr erklingen. Zudem ist die Elektrik veraltet und der Dachstuhl marode.

Mit Christoph Welsch hat die Kirchenstiftung einen Architekten gefunden, der sich der Martinskirche angenommen hat. Rapp und Welsch sind Kirchensanierungen betreffend ein eingespieltes Team. Der Breitbrunner ist in seiner Pfarrgemeinde Kirchenpfleger und hat gemeinsam mit dem Pfarrer die Sanierung der Heilig-Geist-Kirche auf den Weg gebracht. Innerhalb weniger Wochen kamen genug Spenden zusammen, sodass mit der Ausschreibung der Arbeiten gestartet werden konnte. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft Rapp nun auch in Herrsching.

Die Martinskirche thront regelrecht über der Gemeinde. Der Hügel, auf dem sie steht, ist idyllisch vom Kienbach umschlossen. Erstmals erwähnt wurde das Gotteshaus im 12. Jahrhundert, dem Kirchenregister nach im Jahr 1131. Unstrittig ist die spätgotische Einordnung. Der Kirchturm wurde angebaut. Zuletzt erweitert wurde sie in den 1960er Jahren um ein Joch mit Orgelempore. 1984 erfolgte die jüngste Renovierung, bei der der Eingang auf die Südseite verlegt wurde.

Die St. Martinskirche ist ein Wahrzeichen. Viele Herrschinger haben dort geheiratet. Auch Vizebürgermeisterin Christina Reich, die den Ausführungen von Rapp, Welsch und Kirchenverwalter Martin Köbler am Freitag genauso aufmerksam zuhörte wie einige andere Einheimische. 120 000 Euro Eigenbeteiligung durch die Kirchenstiftung seien „eine stolze Hausnummer“, sagte Rapp. „Aber St. Martin ist ein Gebäude, das auch den Herrschingern gehört.“

Es ist die dritte Spendenaktion, zu der Rapp in seiner Amtszeit in der Pfarreiengemeinschaft aufrufen muss. Sowohl in Inning (neue Glocken) als auch in Breitbrunn sei die Hilfsbereitschaft groß gewesen. „Spendenquittungen zu unterschreiben, gehört mittlerweile zu meiner Leidenschaft“, scherzt er.

Um für großzügige Spenden einen Anreiz zu geben, soll eine Fotocollage mit exklusiven Bildern vom Glockenstuhl und auch dem alten Kriechgang derjenige erhalten, der mindestens 500 Euro spendet. Einen ähnlichen Anreiz – einen 3D-Druck – gab es auch in Breitbrunn. Wenn die Spendensammlung auch in Herrsching gelinge, „hoffen wir, dass die Hochzeitsglocken im nächsten Jahr wieder läuten können“.

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