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Hatten keine andere Wahl: Ulrich Stenzel (v.l.), Fachverkäuferin Rosemarie Peters und Martin Stenzel vor der ehemaligen Bäckerei. Vor we nigen Wochen musste sie geschlossen werden. 

Geschäftsaufgabe

Abschied von der Herrschinger Bäckerei Stenzel

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Und wieder muss ein Traditionsunternehmen aufgeben: Die Bäckerei Stenzel in Herrsching hat geschlossen.

Herrsching – Kleine Handwerksbetriebe kämpfen im Zeitalter von Digitalisierung und der Bildung von Unternehmensketten ums Überleben. Bäckermeister Martin Stenzel hat in diesem Kampf die Waffen gestreckt. Seine Bäckerei in der Andechsstraße 2 ist geschlossen. Das wird sie auch in Zukunft bleiben. Damit stirbt ein Betrieb, der in Herrsching Tradition hatte. Nur die Bäckerei Sigl, die schon in der siebten Generation und noch immer erfolgreich geführt wird, ist älter.

Die Bäckerei an der Andechsstraße in Herrsching gab es aber auch schon, bevor die Ammerseegemeinde an die Eisenbahn angeschlossen wurde, also bevor sich Herrsching vom kleinen Fischerdorf zum stattlichen Fremdenverkehrsort mit mittlerweile 11 000 Einwohnern entwickelte. Albert Göppel hatte die Bäckerei Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet und trug mit seinem Handwerksbetrieb zum Aufschwung Herrschings bei.

Ganz anders stellt sich das Geschäftsleben heute dar. Kleine Bäckereien stehen im Wettbewerb mit großen Ketten. „Unter der Woche ist es ein mühsames Geschäft“, sagt Martin Stenzel. Der 43-Jährige führte die Bäckerei zuletzt. Aber die Backstube ist altersschwach und dringend renovierungsbedürftig. Eine notwendige Renovierung der Backstube, die alle Auflagen erfüllen und damit den Fortbestand sichern würde, kann sich der Vater von zwei Töchtern im Alter von 16 und 18 Jahren unter diesen Gegebenheiten aber nicht leisten. Eine Rolle spielt dabei sicher auch die Lage, versteckt im Altort. „Und das Kaufverhalten hat sich gravierend verändert“, sagt Stenzel. Die Konsequenz war die Schließung der Traditionsbäckerei.

Bis 1982 haben die Göppels in der Andechsstraße 2 produziert und verkauft. Einen zweiten Verkaufsladen gab es an der Seestraße. 1982 pachtete Bäckermeister Ulrich Stenzel (75) die Bäckerei, seit 1991 ist sie in seinem Eigentum. Sohn Martin war seit 2001 Chef in der Backstube.

Martin Stenzel will nicht jammern, „es findet sich schon wieder etwas“. Nach dem Motto, jedem Ende wohnt auch ein neuer Anfang inne, blickt er eher mit Zuversicht nach vorn. Bis dahin bleibt er weiter in dem Haus wohnen. Was mit dem Traditionshaus geschieht, kann er noch nicht sagen. Dazu sei die Schließung zu kurzfristig erfolgt. „Ich war auch nur Pächter, das Haus gehört meinem Vater.“

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