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Gänse am alten Sportplatz in Herrsching.

Nachwuchs sollte durch Trick getötet werden

Ammersee: Behörden kämpfen verzweifelt gegen Gänseplage - und scheitern an Detail

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Eine Gelege-Behandlung sollte die Gänseplage am Ammersee eindämmen. Der Versuch ist grandios gescheitert. Die Infos aus einer zehn Jahre alten Diplomarbeit stellten sich als veraltet heraus.

  • Schon länger kämpfen die Behörden gegen die Gänseplage, die die Orte rund um den Ammersee heimsucht.
  • Diesen Sommer gab es eine einzigartige Aktion.
  • Sie lief jedoch ins Leere, weil eine wichtige Info nicht mehr aktuell war.

Herrsching/Inning – Das Forschungsprojekt zur Eindämmung der Gänsepopulation am Ammersee, das die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Frühjahr angekündigt hatte, klang vielversprechend. Die Behandlung von Gänsegelegen führte schon 2018 zu Erfolgen am Main und am Altmühlsee. 

Gänseplage am Ammersee: Mit Spritze in Eier sollte der Nachwuchs getötet werden

Mit einer Spritze wurden Bakterien in Eier gespritzt, sodass diese schlecht wurden, obwohl sie weiter unversehrt aussehen. Die Hoffnung war groß, das Ähnliches auch am Ammersee geschehe und der Ärger mit dem Kot auf Badegeländen oder Sportplätzen ein Ende hat.

Gänseplage am Ammersee: Zehn Jahre alte Arbeit stellt sich als veraltet heraus

Eine zehn Jahre alte Diplomarbeit war für die Experten Grundlage des Projektes. Darin wurden auf den sogenannten Liebesinseln, die im nördlichen Ammersee Eching und Inning vorgelagert sind, zahlreiche Gänsenester gezählt, die eine Gelegebehandlung vielversprechend machen würden. 

„Es waren aber nicht so viele wie erhofft“, sagt Dr. Christian Wagner. Wagner ist Arbeitsgruppenleiter für Wildtiere in der Agrarlandschaft bei der Landesanstalt. Der Landespfleger gibt offen zu, dass das Ergebnis am Ammersee „leider nicht relevant“ ist. Gefunden wurden elf Gelege – davon waren zehn verlassen. „Die Gänse waren offensichtlich gestört worden“, so Wagner. In dem einen Gelege, das noch bebrütet wurde, befanden sich acht Eier. 60 bis 80 Eier hatten Wagner und sein Team gehofft, behandeln zu können.

Gänseplage am Ammersee: Experte hofft, dass sich Problem von selbst löst

Der Landespfleger schließt eigentlich aus, eine Gelegebehandlung im nächsten Jahr zu wiederholen. Bei einer so geringen Zahl von Nestern rechtfertige dies den Aufwand nicht. Und nachdem es heuer zu weniger Beschwerden kam, sei es vielleicht auch gar nicht mehr notwendig, sagt Wagner. „Die Zäune, die die Gemeinde Herrsching zum Beispiel aufstellen ließ, haben wohl etwas bewirkt“, vermutet er. Sollte es wider Erwarten Hinweise auf einen Platz geben, an dem die Gänse aktuell in großer Zahl brüten, sei eine Wiederholung jedoch nicht ausgeschlossen. Dieser Ort dürfe sich allerdings nicht im Süden des Ammersees befinden, „dort gibt es zu viele seltene Brutvögel“.

Der Tierschutzaspekt sei groß bei diesem Forschungsprojekt. In diesem Rahmen sei die Behandlung auch überhaupt nur möglich. „Sonst ist es nicht erlaubt“, betont der Landespfleger. Finden sich Gelege, würden alle Eier darin angestochen bis auf zwei, damit für die Elterntiere ein normales Brut- und Aufzuchtverhalten weiter möglich sei. Und bevor die Eier behandelt würden, würden sie zunächst auch durchleuchtet. Denn wenn ein Ei bereits angebrütet sei, also älter als 14 Tage, werde es nicht angerührt beziehungsweise behandelt.

Dies alles wurde beachtet, als die Mitarbeiter der Landesanstalt für Landwirtschaft im Frühjahr nach Eiern suchten, in der Zeit, wenn Gänse brüten – zwischen März und Juni. Nur leider habe die große Anzahl Gelege, von der die Rede gewesen war, nicht vorgefunden werden können.

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