+
Bei der Moorwirtin (Claudia Czasny) trinken sich die beiden Totengräber Schaufe und Schippe (Franz Czasny und Rainer Bartsch) das trostlose Leben schön.

Ammerseer Bauerntheater

Oa Leich langt ned

  • schließen

In Herrsching ist die Welt in Ordnung. Erst recht, wenn das Ammerseer Bauerntheater den roten Teppich ausrollt, über den nicht nur die Ehrengäste in den Theaterkeller schreiten.

Herrsching Alt-Bürgermeister Adolf Wexlberger mit Gattin, die Grande-Dame der CSU, Ingrid Frömming, natürlich auch die Geistlichkeit beider Konfessionen saßen am Prominententisch, der Saal war fast bis zum letzten Platz besetzt.

Das Dorf ist dabei. Auch, weil „Schreiberling“ Ralph Wallner, Jahrgang 1968, schon oft die Herrschinger in Hochstimmung versetzt hat. Sein neues Stück „Gspenstermacher“, mit dem die Truppe jetzt Premiere feierte, ist ein sehr, sehr derber, auch ein sehr komischer Dreiakter und er wird gerade viel gespielt. In Herrsching gab es Theaterfieber, Feuer und Begeisterung in hohen Dosen.

Wobei „be-Geist-ern“ durchaus wörtlich zu verstehen ist. Denn es stehen jede Menge Geister auf der Bühne, also Gespenster. Knecht Leo (Tom Thaler spielt sich mit seiner jungen Partnerin Angela Schneiderbauer als liebes Dirndl schon mal für die Zukunft warm) überbringt den beiden Totengräbern Schippe und Schaufe (Rainer Bartsch und Franz Czasny mal wieder in Höchstform) die schlechte Nachricht, dass künftig nur noch pro Beerdigung eine Pauschale bezahlt wird. Zu wenig. Eine Lösung muss her, getreu dem Motto „Nur mit a Leich wird ma reich“. Ein Flascherl Gift zwischen die Schnapspullen und schon läuft das Geschäft.

„Dein Gesicht erinnert mich an eine Buttersemmel“

Schauplatz des skurrilen Geschehens ist das spinnwebenversiffte Wohnzimmer der Moorwirtin (Claudia Czasny), das Karin und Werner Liebel detailverliebt aufgebaut haben. Claudia Czasny hat die Rolle als forsche Matrone angelegt, der die derben Sprüche resolut über die Lippen kommen. Sie hat alles im Griff mit ihrer unverschämten Goschn. „Irgendwie erinnert dein Gesicht an eine Buttersemmel. I kannt dir pausenlos eine schmiern“, schmeißt sie der Wahrsagerin Philomena an den Kopf. Die ist laut Besetzungszettel die „Dorfverrückte“, mit ihrer Kartenlegerei einer der Stars des Abends. Simone Saalmann holt alles aus der Rolle raus mit ihrer wichtigtuerischen Mimik beim Orakeln.

Überhaupt ist die schauspielerische Leistung des Ensembles professionell. Abwechslungsreich die Auftritte, schöne Überraschungsmomente, dabei auch Mut zur Blödelei, grandiose Körpersprache, großes Tempo, auch etwas Slapstick und das alles ohne Peinlichkeiten, das muss man erst mal hinkriegen.

Die noch junge Regisseurin Monika Jäger, die regelmäßig Kurse besucht, hat nun zum dritten Mal mit der Truppe gearbeitet. Das verspricht einiges für die Zukunft.

Weitere Vorstellungen

am Freitag und Samstag 20./21.10.; 27./28.10, 17./18.11. und am Samstag den 11.11. jeweils 20 Uhr im Kultursaal des Andechser Hofs in Herrsching.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Das ist etwas für Jahrzehnte“
Der Sieger des Architektenwettbewerbs für die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes in Herrsching steht fest. Ein Büro aus Ulm überzeugt die Jury mit „Einfachheit und …
„Das ist etwas für Jahrzehnte“
Greinwald: Parkgebühren am Bahnhof
Die bisher umsonst nutzbaren Parkplätze am Tutzinger Bahnhof dürften kostenpflichtig werden. Einheimische erhoffen sich dadurch auch eine abschreckende Wirkung auf …
Greinwald: Parkgebühren am Bahnhof
saddsadsa
saddsadsa
Das ist Erlings erste Demo
Minustemperaturen halten Grundschüler nicht von ihrer Demonstration durch Erling ab. Sie ärgern sich schon lange über Hundekot, Scherben und Zigaretten auf ihrem Gelände.
Das ist Erlings erste Demo

Kommentare