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Die Massen sind hingerissen: Anton Leitner überzeugte in der gerockten Rolle als Jesus in „Jesus Christ Superstar“.

Musicalprojekt

Ansteckende Begeisterung bei „Jesus Christ Superstar“

Herrsching – Das Musicalprojekt von Cantilena und Crashband begeisterte am Samstagabend die Besucher in Herrsching. Mehrere hundert Zuschauer in der Nikolauskirche waren von den Darbietungen der Sänger, Musiker und Schauspieler tief berührt.

„Wann ist die Herrschinger Nikolauskirche schon mal so rappelvoll?“ Pfarrer Simon Rapp freute sich am Samstag sehr beim Anblick des gefüllten Gotteshauses – und über ein durchaus gewagtes Projekt. Jesus Christus zwischen Glauben und Vertrauen, Hadern und Zweifeln? Jesus Christus ein Superstar? Gedanken, die Tim Rice textete und Andrew Lloyd Webber in „Jesus Christ Superstar“ vertonte. In den 70er Jahren ein Skandal. Aber auch eine Form, Gottes Botschaft direkt zu den Menschen zu bringen, fand der Musical-begeisterte Herrschinger Pfarrer – deshalb hatte er dem Chor Cantilena und der Crashband die katholische Pfarrkirche ohne Zögern zur Verfügung gestellt als Bühne für die Rockoper mit einem überragenden Anton Leitner in der Rolle als Jesus.

Um dieses Ereignis erleben zu können, mussten die Besucher dicht zusammenrücken. Dirigentin Elisabeth Schmidt bat darum, von jedem Zwischenapplaus abzusehen – und forderte das Publikum damit heraus, denn die nächste Stunde war packend und bewegend, begeisterte und schrie geradezu nach Szenenapplaus. Etwa als der Chor in überwältigendem Vielklang Jesus anhimmelte und ihn nur wenig später in den Tod schickte.

Den Boden für diese außerordentliche Leistung der Laien hatte ein Studienkollege der Dirigentin bereitet, der das Musical für einen Chor arrangiert hatte. Christoph Zöller schnitt dies auf das Herrschinger Ensemble zu. Mit ihm sprangen der Chorleiterin weitere Profis zur Seite, etwa die Bühnenbildnerin Claudia Weinhart, die die Choreografie perfektioniert hatte. Oder Birgit Henke am Klavier und Rainer Müller an der Orgel.

Elisabeth Schmidt selbst steckte von der Idee bis zur Durchführung ihr Herzblut in das Projekt. Mit sicherem Auge und Ohr bestimmte sie die Solisten aus den Schülerreihen der Musiklehrervereinigung (MLV). Dennis Pfaff als Judas, der Verräter, der seine Enttäuschung als Tenor bis in die hintersten Sitzreihen rockte. Alexander Hildebrandt, dem die schwierige Aufgabe zuteil wurde, die Rolle des Countertenors unter den Hohepriestern zu übernehmen. Dirigententochter Apollonia Schmidt (17) berührte in klarem Mezzo-Sopran als Maria Magdalena den ganzen Saal. Oder Lino Zurmühl (18), der als Petrus überzeugte. Pilatus alias Wolfgang Schmidt, der von der Empore erschütternd glaubwürdig gegen Jesus skandierte, oder Reporterin Simone Saalmann, die Gottes Sohn mit sicherer Stimme verhöhnte. Alles überragend und ebenso stimmsicher wie glaubwürdig war schließlich Anton Leitner in der Rolle des Jesus.

Alle zusammen, Chor und Musiker, im Alter von 14 bis 76 Jahren, fesselten die Zuhörer in der rappelvollen Kirche und führten ergreifend durch die Achterbahn menschlicher Gefühle. Den fulminanten Schlusspunkt setzte der Ortspfarrer selbst, der das Rockmusical ins Heute übertrug, Judas und Jesus in den Mittelpunkt der vom Klavier getragenen Rede stellte: „Nicht die Macht der Worte und der Taten, nicht die Macht der Waffen und der Gesetze werden siegen, sondern allein die Macht der Liebe. Darin ist Jesus Christ zum Superstar geworden und zum Vorbild für so viele!“ „Jesus Christ Superstar“ ein Skandal? Nein, ein Riesenerfolg mit einer göttlichen Botschaft, die die Herzen berührt.     mk

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