Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

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Nach dem Tumult am Boden konnte der Rettungshubschrauber mit dem Zweijährigen an Bord endlich abheben. Dem Bub geht es glücklicherweise besser, schon diese Woche soll er das Krankenhaus verlassen dürfen.

Bub aus Fenster gestürzt

Nach Einsatz in Breitbrunn: Bespuckter Retter erstattet Anzeige

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Das Wichtigste vorweg: Dem am Samstag in Breitbrunn verunglückten Buben geht es besser, er muss keine Folgeschäden fürchten. Wie das Kind aus dem Fenster fallen konnte und warum die Asylbewerber auf die Rettungskräfte losgegangen sind, darüber ist aber noch zu reden. Helferkreis und Feuerwehr versuchen, die Wogen zu glätten.

Breitbrunn Das zweijährige Kind war am Samstagabend aus einem Fenster der Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Schwesternwohnheim in Breitbrunn gefallen: laut Polizei aus einer Höhe von etwa 2,80 Meter auf einen Betonboden. Helferkreis-Sprecherin Julia Rothbauer hält diese Angabe für übertrieben. Es seien höchstens zwei Meter gewesen, sagt sie. Der Bub habe dennoch großes Glück gehabt. Er habe lediglich eine Gehirnerschütterung erlitten und sich einen Arm gebrochen, berichtet sie. Ihren Angaben nach ist der Bub zwei Jahre alt und heißt Mike. Seine Mutter sei hochschwanger, der Vater habe zwei Jobs. Beide stammen aus Nigeria. Als der Unfall passierte, sei der Mann beim Arbeiten gewesen, die Mutter habe für die Familie gekocht.

Eventuelle Verletzung der Aufsichtspflicht wird geprüft

Die Polizei stellt es in ihrem Bericht etwas anders dar: So habe die Mutter das Zimmer kurz verlassen, um in die Gemeinschaftsküche zu gehen, „der Vater hielt sich zum Baden am See auf“, schreibt die Polizei. Der Zweijährige spielte demnach mit seiner Schwester (4) im Ehebett, kletterte auf den Fenstersims und stürzte durch das geöffnete Fenster. Eine eventuelle Verletzung der Aufsichtspflicht werde geprüft und der Staatsanwaltschaft vorgelegt, kündigten die Ermittler an.

Die Szenen, die sich bei Mikes Rettung abgespielt hatten, machen immer noch sprachlos: So berichtet die Polizei davon, dass bereits während ihrer Anfahrt die Mitteilung gekommen sei, dass der Rettungsdienst angegriffen werde. „Der ersten eintreffenden Streife stellten sich zirka 40 wütende Asylbewerber gegenüber, die versuchten, die Behandlung des schwer verletzten Jungen zu verhindern“, erklärt der stellvertretende Dienststellenleiter der Herrschinger Polizei, Albert Huber.

Helferkreissprecherin: Anzeige ist gerechtfertigt

Ihm zufolge versuchten die wütenden Bewohner des Heims sogar, in den Rettungstransportwagen (RTW) einzudringen beziehungsweise Rettungskräfte anzugreifen. Zu „konkreten Straftaten“ sei es aber nicht gekommen. Ein Angehöriger der Feuerwehr Breitbrunn erstattete aber Anzeige, weil er von einer Bewohnerin des Asylbewerberheimes angespuckt worden war.

Kommandant Florian Kleber wird auch in Zukunft ohne Vorbehalte zu den Flüchtlingen fahren.

Die Polizei forderte Verstärkung an, am Ende waren sechs Streifen, der First Responder aus Breitbrunn, ein Notarzt, ein Rettungswagen sowie ein Rettungshubschrauber vor Ort. Er flog den kleinen Mike in die Unfallklinik nach Murnau, von wo aus das Kind mittlerweile in die Klinik nach Garmisch verlegt wurde. Wohl noch im Laufe dieser Woche wird der Bub das Krankenhaus verlassen können, weiß Helferkreissprecherin Rothbauer.

Die Asylhelferin versucht, die Wogen zu glätten. Sie hält die Anzeige gegen die Frau, die eine Freundin der Mutter des Buben sei, natürlich für gerechtfertigt. Den Tumult erklärt sie aber auch mit dem großen Temperament der Asylbewerber. Sie würden sich zehn mal so stark freuen wie andere, aber eben auch zehn mal so laut schimpfen, bedauert sie.

Feuerwehrkommandant: „Das geht zu weit“

Die Bewohner hätten Angst gehabt, dass der Rettungsdienst überhaupt nicht zu den Asylbewerbern kommt. Als die Retter dann doch eintrafen, empfanden die Flüchtlinge das als zu spät. Überdies hätten sie Angst gehabt, dass den Eltern das Kind weggenommen hätte werden können.

Die ehrenamtlichen Retter packte bei den Angriffen derweil die nackte Angst: „Unsere Leute wurden beschimpft, angefasst und gestoßen. Das geht zu weit“, sagte der Breitbrunner Feuerwehrkommandant Florian Kleber schon am Sonntag dem Starnberger Merkur – die Feuerwehr war mit dem First Responder als erstes vor Ort.

In der Vergangenheit hatte es nie Probleme gegeben

Wie berichtet, wollte Kleber mit dem Helferkreis das Gespräch suchen, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Dieses Gespräch hat bereits stattgefunden: Laut Sprecherin Rothbauer soll es demnächst einen gemeinsamen Termin mit den Asylbewerbern geben, bei dem geübt wird, wie man einen Notruf richtig absetzt und sich anschließend verhält. Am Samstag sei der Notruf sehr schwierig gewesen, weil die Asylbewerber ihn direkt neben dem schreienden Buben absetzten. Erst beim zehnten Anruf habe der Rettungsdienst überhaupt gewusst, wo er hin müsse, weiß die Sprecherin.

An der Übung mit den Asylbewerben will der Breitbrunner Kommandant unbedingt festhalten. Er macht darüber hinaus klar, dass der First Responder auch in Zukunft ohne Vorbehalte zum Asylbewerberheim fahren werde und bei Notrufen nicht etwa erst auf das Eintreffen der Polizei wartet. „Das ist völlig klar“, so Kleber. In der Vergangenheit habe es auch nie Probleme gegeben; etwa bei Sportverletzungen oder Schwangerschaftsproblemen der Flüchtlinge, um die sich die Helfer der Feuerwehr kümmerten. Kleber: „Da sind wir immer sorgenfrei und motiviert hingefahren.“

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