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So wie auf der Darstellung oben hatte Thomas Allner-Kiehling das Bio-Sonnen-Doppelhaus in Herrsching geplant.

Ortsentwicklung

Auch Sonnenhaus unterliegt dem Baurecht

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Der Plan für ein Bio-Sonnen-Doppelhaus in Herrsching ist zunächst gescheitert. Der Bauwerber will sich damit aber noch nicht zufrieden geben.

Herrsching – Zwei- statt eingeschossig und eine Dachneigung von bis zu 70 statt 23 Grad: Wer im Sinne des Klimaschutzes baut, sollte im Baurecht bevorzugt behandelt werden. Das findet zumindest Thomas Allner-Kiehling und reichte einen entsprechenden Bauantrag für die Rauscher Straße 27 in Herrsching ein. Dieser würde die vorgesehenen Möglichkeiten des etwa 50 Jahre alten Bebauungsplans „Östlich des Rauscher Fußweges“ jedoch sprengen – und fiel am Montagabend im Bauausschuss einstimmig durch. Der Bauherr erwägt jetzt zu klagen.

Dabei war die Gemeinde nicht abgeneigt, in der von Bungalows dominierten Wohngegend ein Bio-Sonnen-Doppelhaus als Ausnahme zuzulassen – sozusagen als Belohnung für energieeffizientes Bauen. Sogar einen Ortstermin im Inninger Pendant gab es, wo Allner-Kiehling sein Vorzeigeprojekt vorstellte. Mit dem Anliegen sprach Bürgermeister Christian Schiller im Landratsamt und beim Bayerischen Gemeindetag vor. In beiden Behörden erntete er jedoch Kopfschütteln.

Kleinere Abweichungen wie ein etwas ausgeweitetes Baufenster aufgrund der dickeren Isolation oder ein minimal steileres Dach für die Kollektoren seien zwar möglich, sagte er. Die Bauform an energetische Auflagen zu koppeln, ginge jedoch nicht. „Der Bebauungsplan gibt das Baurecht vor.“

Wandhöhen von knapp sieben statt der erlaubten drei Meter und eine „undefinierbare Dachform“ statt dem Satteldach – Bauamtsleiter Oliver Gerweck sprach im Ausschuss von einem Präzedenzfall, den man bei einer Zustimmung schaffen würde. „Der nächste würde sich an den Überschreitungen orientieren, auch wenn er nicht energieeffizient baut“, begründete Christiane Gruber (BG) ihr Nein: „Dann muss er eben auf kleinerem Raum energieeffizient bauen.“

Der Antragsteller sieht das freilich anders. „Ich biete der Gemeinde an, gleichzeitig den Wohnungsbedarf aufzustocken und etwas für die Energiewende zu tun“, sagte Allner-Kiehling im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Das steile Dach sei unabdingbar, um auch im Winter möglichst viel Energie zu generieren, sodass seiner Erfahrung nach „100 Prozent Strom und 90 Prozent Heizung“ aus Sonnenkraft kommen. Hinsichtlich der Größe erhöhe er die Nutzung nach innen: zwei Wohnungen à 120 Quadratmeter gegenüber zwei Wohnungen à 97 Quadratmeter in dem bestehenden Doppelhaus, das abgerissen werden soll. Und er denkt noch weiter: „Eigentlich brauchen wir mehr kleinere Wohnungen.“ Auch die würde er in der Kubatur unterbringen.

Von den 28 Hauseigentümern der anderen Grundstücke innerhalb des Bebauungsplangebietes wolle ein Drittel gerne größer bauen, sagte er. Für ihn sei die gegenüberliegende viergeschossige Hochschule ein Bezugspunkt, die jedoch nicht im Geltungsbereich des Bebauungsplans liegt. Für mehr Baurecht müsste der Bauausschuss den Plan ändern, was er allerdings bereits in einer vorausgegangenen Sitzung abgelehnt hat. Allner-Kiehling aber will weiterkämpfen: Erst werde er im Landratsamt vorsprechen. Und wenn alle Stricke reißen, könne er sich durchaus vorstellen, dass man sich vor Gericht wiedersieht.

Michèle Kirner

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