Aus dem Gerichtssaal

Notruf missbraucht

Ein 21-jähriger Münchner hat zweimal den Notruf missbraucht - es waren nicht seine einzigen Vergehen.

Herrsching – Immer wieder fuhr er schwarz, und auch beim Arbeitsamt spielte er nicht mit offenen Karten. Jetzt musste sich ein 21-jähriger Münchner, der vor kurzem noch bei seiner Mutter in Herrsching wohnte, wegen Leistungserschleichung und Arbeitsamtsbetrug vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten. Im Juni 2016 missbrauchte der junge Mann zudem zweimal den Notruf.

Zwei seiner Schilderungen erwiesen sich als gegenstandslos

Ende Juni 2016 erschien der junge Mann auf einer Münchner Wache, weil seine Freunde gegen ihren Willen in einer Wohnung festgehalten würden. Eine Woche später alarmierte er vom Festnetz der Mutter die Herrschinger Polizei, weil eine Freundin auf einer Party angeblich gewaltsam festgehalten wurde. In beiden Fällen erwies sich die Sache als gegenstandslos. 

Im Laufe des Prozesses rückte vor allem die gesundheitliche Situation des Angeklagten in den Fokus. Laut Auskunft des Sachverständigen liegt bei dem 21-Jährigen eine paranoide Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis vor. Deshalb war der bereits fünffach vorbestrafte Mann auch über mehrere Monate stationär untergebracht. Seither sorgen Medikamente für eine deutliche Besserung seines Gesamtzustandes.

Beschuldigter prellte MVV und Arbeitsamt um Geld

Für Richter Ralf Jehle und den Staatsanwalt Grund genug, für die missbräuchlichen Polizeinotrufe einen Freispruch zu verhängen. Die Schwarzfahrerei sowie den Arbeitsamtsbetrug wollten die Juristen dem 21-Jährigen nicht durchgehen lassen. Der Angeklagte hatte zwischen Winter 2015 und Sommer 2016 einen Gesamtschaden beim MVV von 103 Euro verursacht. „Bei dieser Menge kann man davon ausgehen, dass er so gut wie immer schwarzgefahren ist“, so der Staatsanwalt. 

Auch 157 Euro, um die der Angeklagte das Arbeitsamt im Frühling 2016 geprellt hatte, weil er trotz Arbeitslosengeldbezugs einen neuen Job hatte, galten vor Gericht als erwiesen. Zur Strafe bekommt der 21-Jährige nun ein Wochenende lang Freizeitarrest. Zudem muss er für die Dauer eines Jahres seine regelmäßigen Psychiaterbesuche fortsetzen. Für den Münchner bedeutete das Urteil die letzte Chance nach Jugendrecht. „Ab jetzt ist auf Sie Erwachsenenrecht anzuwenden“, so Richter Jehle.

Von Nilda Höhlein

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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