+
Deutlich mehr als die gewünschten fünf Zentimeter: der Spalt zwischen Bahnsteig und S-Bahn. 

Barrierefreiheit

Wenn der Spalt am Bahnsteig zu breit ist

  • schließen

102 Millionen Euro hat der Freistaat in den barrierefreien Ausbau der Haltestellen der Münchener S-Bahn gesteckt. Dabei ist nicht alles rund gelaufen, kritisiert der Oberste Bayerische Rechnungshof. Ein Negativbeispiel ist für ihn der Herrschinger Bahnhof.

Herrsching – Das Ziel war klar definiert. Fahrgästen der S-Bahn soll das Ein- und Aussteigen in die Züge ohne Stolperkante ermöglicht werden – niveaugleich. Die Staatsregierung hatte 102 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Bahnsteige auf das Niveau der S-Bahn-Einstiege anzuheben. Diese Maßnahme allein löst aber nicht das Problem, dass in Einzelfällen die Spalte zwischen Bahnsteigkante und S-Bahn zu breit sind.

Gewünscht sind maximal fünf Zentimeter. Diese Spaltenbreite ist auch für Rollstuhlfahrer und andere in ihrer Mobilität eingeschränkte Fahrgäste überwindbar. In seinem jüngsten Bericht rügt der Oberste Bayerische Rechnungshof (ORH), dass diese Maßgabe nicht überall umgesetzt worden sei. Spalten von 20 Zentimeter und mehr hat der Rechnungshof feststellen müssen. Als unrühmliches Beispiel führt er neben Ebersberg auch die S-Bahn-Station in Herrsching an.

20 Zentimeter sind einfach zu viel

Petra Veronika Seidl, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Starnberg, kennt die Problematik. Sie hat vor dem barrierefreien Ausbau des Herrschinger Bahnhofs in ihrer Stellungnahme das Eisenbahnbundesamt auf die Einhaltung der maximalen Spaltenbreite zwischen Bahnsteig und S-Bahn hingewiesen. 20 Zentimeter und mehr seien nicht nur für auf Gehhilfen angewiesene Fahrgäste ein Problem. Es könne auch bei anderen Menschen zu einem Problem im Kopf werden, einen so großen Schritt zu machen.

Als nachteilig bezeichnet Seidl auch Einsteighilfen wie ausfahrbare Schiebetritte oder vom Triebfahrzeugführer einzusetzende Klapprampen. Diese Maßnahmen könnten die Weiterfahrt verzögern und würden gerade in Stoßzeiten Behinderte als dafür Verantwortliche stigmatisieren.

Überrascht zeigte sich Waltraud Ploetz, die Vorsitzende des Herrschinger Behindertenbeirats. Das Problem war ihr noch nicht bekannt. Sie bezeichnete eine Spaltenbreite wie vom ORH beschrieben „als Skandal“. Es sei nicht nur für Behinderte ein großes Hindernis, sondern auch für andere Fahrgäste eine Gefahr. „Wenn man da stolpert und in den Spalt rutscht, nicht auszudenken, wenn das einem Kind passiert“, entrüstet sie sich. Sie werde das Thema im Beirat zur Sprache bringen.

Die beanstandete Spaltenbreite im Herrschinger Bahnhof sei mit dem ORH diskutiert worden, sagte ein Bahnsprecher gegenüber dem Starnberger Merkur. Grundlage für einen barrierefreien Ausbau seien die gültigen DB-Regelwerke und DIN-Normen. Diese verbindlichen Vorgaben würden eingehalten, weswegen eine Nachbesserung nicht notwendig sei.

„Es handelt sich nur um eine Empfehlung“

Der laut ORH anzustrebende Abstand von fünf Zentimeter beziehe sich auf den Katalog „Empfehlung für den S-Bahn Standard für die Bahnhöfe im MVV“. „Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei nur um eine Empfehlung“, betont der Sprecher.

Die spezielle Eigenart des Herrschinger Bahnhofs erklärt er mit dessen leichter Kurvenlage. Die habe Konsequenzen: „Ein Zug ist immer absolut gerade und kann sich somit der Bahnsteigkrümmung nicht anpassen. Türen über den Achsen haben damit zwangsläufig einen anderen Abstand zur Bahnsteigkante als Türen, die zwischen den Achsen liegen.“ Und: „Gleise in einer Kurve haben immer eine Überhöhung, das heißt: die kurvenäußere Schiene liegt etwas höher als die kurveninnere Schiene. In Herrsching neigt sich dadurch das Fahrzeug ein wenig von der Bahnsteigkante weg.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Einschränkung durch Gasleitungsbau
Wegen  der Verlegung von Gasleitung ist in Breitbrunn ab Montag, 21. August, mit Behinderungen zu rechnen.
Einschränkung durch Gasleitungsbau
Baum trifft Vater und Kind: Polizei sucht Zeugen
Schwere Unwetter haben am Freitagabend im Landkreis Starnberg mehrere Verletzte gefordert. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
Baum trifft Vater und Kind: Polizei sucht Zeugen
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Die Wachstation der Starnberger Wasserwacht in Kempfenhausen ist unter der Woche meistens verwaist. Das lockt zunehmend mehr ungebetene Gäste an, die sich nicht selten …
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Eine Glatze wie ein Pulverfass
Die Nähe zum Flughafen Oberpfaffenhofen bringt nicht nur Lärm, sie birgt auch Gefahren - möglicherweise explosiv. Darum werden neue Baugebiete gut untersucht.
Eine Glatze wie ein Pulverfass

Kommentare