Schon vor zwei Jahren wurden die Pläne bekannt, seit fast vier Jahren wird hinter den Kulissen gebrütet: Das Gelände des Bund Naturschutz soll zu einem parkähnlichen Erlebnisort werden.

Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil

Verkehrte Welt im Umweltschutz

Waratweil - Dem Bauausschuss Herrsching ist der Eingriff zu sensibel: Erst wollen die Gemeinderäte Details vor Ort erfahren, bevor sie über Umgestaltung der Naturschutz- und Jugendzentrums in Wartaweil entscheiden.

ie Seiten schienen sich kurzfristig zu verkehren in der jüngsten Bauausschusssitzung in Herrsching. Entschieden werden sollte über das Gelände in Wartaweil. Der Bund Naturschutz (BN) will aus seiner rund 40 000 Quadratmeter großen Fläche rund um die Villa Habersack einen Erlebnisort machen, einen öffentlichen Park. Weil aber weitere Nebengebäude errichtet und bestehende Gebäude saniert werden sollen, ist eine Änderung des bestehenden Bebauungsplanes erforderlich. Und wenn es normalerweise der Bund Naturschutz ist, der vor einem Eingriff in sensible Bereiche warnt, kamen am Montag CSU-Gemeinderat Willi Welte eben diese Worte aus dem Munde in Zusammenhang mit dem Vorhaben des BN. Das Vorhaben wurde zurückgestellt, weil sich die Ausschussmitglieder die Pläne erst einmal vor Ort genauer erläutern lassen wollen.

„Da tut sich einiges da draußen“, leitete Bürgermeister Christian Schiller die Diskussion über das Naturschutz- und Jugendzentrum ein. Fast vier Jahre laufen die Verantwortlichen des Landesverbandes Bayern im Bund Naturschutz bereits mit den Gedanken schwanger, einen Erlebnisort aus ihrem Grundstück am Ammersee-Ostufer zu machen. „Eigentlich gibt es schon öffentliche Zugänge“, hatte der Leiter der Einrichtung, Axel Schreiner, vor zwei Jahren erklärt, als die Pläne erstmals bekannt geworden waren. Es seien noch nie Leute des Geländes verwiesen worden, sagte er damals, bedauerte aber, dass es nicht angenommen werde, „sie brauchen eine Einladung“. Das Grundstück soll in seiner Eigenart unverändert bleiben. Schreiner nannte es damals schon Naturerlebnisort. Beteiligt an der Vorplanung waren Landesbeirat und Landesvorstand des Bund Naturschutz, die Geschäftsleitung, Schreiner selbst und auch der Kreisverband sowie ein Landschaftsplaner. Und da die Pläne schon frühzeitig im Mitgliedermagazin kommuniziert worden waren, waren quasi auch alle Mitglieder beteiligt. Vom Seeweg daus sollen mehrere Wege auf das Gelände führen und Natur erlebbar machen. Der Konzeptplan sieht aber auch bauliche Veränderungen vor, etwa den Neubau eines Toilettenhauses mit zirka 90 Quadratmeter umbautem Raum. Auch eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand entlang der Straße ist vorgesehen und die Seeterrasse vor dem alten Verwaltungsgebäude soll befestigt und abgestuft werden. In der Summe machten all diese Veränderungen eine Änderung des bestehenden Bebauungsplanes erforderlich, heißt es in der Beurteilung durch die Verwaltung. Während im Rathaus jedoch keine Bedenken dagegen bestehen, hat Welte „schon seine Probleme“, in diesem Bereich und setzte damit zur Verkehrung der Positionen an. „Das ist ein ziemlich sensibler Bereich, das sollten wir uns vorher erläutern lassen und anschauen“, fand er. „Vom Tisch könnte ich heut’ nicht zustimmen.“ Er beantragte deshalb eine Ortsbesichtigung und den Antrag vorerst zurückzustellen. „Da müssen wir uns Zeit nehmen“, warf Schiller angesichts der Größe des Geländes ein. Wie erwähnt, sind es rund 40 000 Quadratmeter, die der Bund Naturschutz am südlichen Ammersee besitzt. Sowohl Schreiner als auch Projektleiter Peter Heller, die der Sitzung beiwohnten, hatten gegen diesen Besuch nichts einzuwenden. Heller betonte: „Es geht uns um die Öffnung für die Öffentlichkeit“, wie um zu betonen, dass dies doch im Sinne der Gemeinde sein muss.

Der Antrag wurde also zurückgestellt, damit die Ausschuss-Mitglieder sich zunächst einen Eindruck vor Ort verschaffen können.

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