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Ein imaginäres Iglu entsteht: Eigene Erlebnisse setzen die Kursteilnehmer unter fachkundiger Anleitung von Schauspielerin Katja Lechthaler (l.) in kurze Szenen um. Was dabei heraus kommt, sehen Eltern und Freunde heute bei der Abschlussfeier.

Bauernverband

Eine Fortbildung fürs Leben

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Herrsching - 69 angehende Landwirte und Hauswirtschafterinnen entwickelten im Rahmen der berühmten BBV-Grundkurse ihre Persönlichkeit. 

Ein großer, hoher Raum im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Vollgeschriebene Zettel und Tafelwände zeugen von vergangenen Unterrichtsstunden, Sessel und Stühle stehen herum. Auf dem blauen Teppichboden sind mit Klebeband Streifen markiert. Die 69 Teilnehmer des Herrschinger Grundkurses sollen sich vorstellen, dass das die Bühne ist, auf der sie heute Abend bei ihrer Abschlussfeier spielen werden. Und zwar in Abendgarderobe – nicht in Pullis und Pantoffeln.

Zum dritten Mal coacht Katja Lechthaler einen Grundkurs im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Sie ist professionelle Schauspielerin, spielte unter anderem bei Tatort München, den Rosenheim-Cops oder auch Polizeiruf 110 mit, aber arbeitet als Theaterpädagogin auch mit Laien. „In diesem Jahr waren die Proben eine besondere Herausforderung“, sagt sie. Grund Nummer eins: „Die Proben fanden im Haus der bayerischen Landwirtschaft statt, die Aufführung wird aber zum ersten Mal in der Turnhalle der Fachhochschule gespielt.“ Grund Nummer zwei: „Zum ersten Mal spielen in diesem Jahr alle 69 Kursteilnehmer mit, in den letzten Jahren war das immer nur ein kleineres Grüppchen.“

Das Erlebte humorvoll verarbeitet

Die Jugendlichen haben die vergangenen drei Monate zusammen verbracht. Die Kurssprecher schlugen Erlebnisse vor, die man szenisch gut umsetzen könnte. Lechthaler arbeitete die Vorschläge dann aus, schrieb Texte und teilte die 69 Teilnehmer in zehn Gruppen ein. „Wir haben verarbeitet, was wir in den drei Monaten erlebt haben, alles, was lustig, kurios oder besonders schön war“, sagt Kathi Maier aus Eschelbach. Das reicht von skurrilen Hühnerrassen, über Fabrikarbeiter in Tschechien, zu bügelnden Unterhosen bis hin zu gemeinsamen Partys mit viel Augustiner Bier. Die Szenen gehen teilweise ineinander über, sodass das Publikum eine halbe Stunde lang unterhalten wird.

Katja Lechthaler strahlt, wenn eine Szene funktioniert, nickt, geht auf und ab, kneift die Augen an kniffligen Stellen zusammen und entspannt sie wieder, wenn die Stelle gemeistert ist. „Zack, zack, nochmal von vorne“, sagt eine Teilnehmerin und alle stellen sich erneut auf. Die Szene funktioniert, es gibt spontanen Applaus. Auch ein paar Teilnehmer aus Russland sind in diesem Jahr dabei. Sie haben bereits ein Praktikum in Deutschland gemacht und ein Stipendium für den Kurs erhalten, Sprachprobleme gibt es keine. Aus dem Landkreis nahmen heuer Maria Jäger aus Herrsching und Sebastian Ernst aus Dießen an dem Grundkurs teil.

Neben der Ausgelassenheit liegt auch ein bisschen Schwere über den Proben: „Das Schlimmste ist, dass wir uns danach alle wieder in ganz Bayern verteilen und auseinandergehen müssen“, sagt die Kursteilnehmerin Andrea Leidescher aus Beuerbach, die zwischen den Proben mit ihren Freunden draußen in der Sonne auf einer Bank sitzt. Kathi Maier fügt hinzu: „Das sind leider unsere letzten Tage hier, nach der Abschlussfeier ist ja der Kurs zu Ende.“

Eine Fortbildung fürs Leben

Tags darauf war es dann soweit: Der mittlerweile 122. Herrschinger Grundkurs hat am Freitag seinen Abschluss gefunden. 69 Teilnehmer waren es diesmal, 19 junge Frauen, 50 junge Männer. Ein bunter Haufen, der sich nach elf gemeinsamen Wochen gut kennen gelernt hat und zusammengewachsen ist. 

Landwirte und Hauswirtschafterinnen nutzen diesen Kurs, um das Praxisjahr vor der Meisterprüfung zu überbrücken. Aber auch fachfremde Teilnehmern gibt es. Und meistens wird eine Bildungseinrichtung des Bauernverbandes gesucht, die fern der Heimat liegt. Inklusive des Herrschinger Hauses der bayerichen Landwirtschaft gibt es zehn Möglichkeiten, etwa im entfernten Volkersberg in Franken. Maria Jäger (21) aus Herrsching und Sebastian Ernst aus Dießen aber wählten die Nähe. Die eine, Hauswirtschafterin aus Herrsching, der andere aus der Fischerdynastie Ernst in Dießen. Für beide war der Grundkurs ein große Erfahrung, die sie nicht mehr missen möchten. „Viele Freundschaften wurden geschlossen“, sagt Maria Jäger. Sie wird ab April nochmal im Haus der bayerischen Landwirtschaft arbeiten, bis sie die Fachakademie Priesdorf bei Ansbach besucht.

Während es im Herrschinger Grundkurs noch mehr um Persönlichkeitsbildung ging, wird es dort wieder fachspezifisch. Wenn sie die dreijährige Ausbildung in Franken abgeschlossen hat, ist sie Betriebswirtin für Ernährung und Versorgungsmanagement. Ihre Eltern Rosemarie und Herrmann Jäger, die den letzten landwirtschaftlichen Betrieb im Hauptort Herrsching führen, haben dann wohl noch mehr Grund stolz zu sein

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