+
Blick von der Seestraße auf die noch unbebaute Klosterwiese Richtung Norden.

Klosterwiese

„Verdichtung darf kein Allzweckmittel sein“

  • schließen

Eine Breitbrunner Architekturstudentin hat sich des Reizthemas Bebauung Klosterwiese in einer Wahlfacharbeit  angenommen.

Breitbrunn – Die Frage ist, ob eine objektive Betrachtung des Themas Klosterwiese Breitbrunn überhaupt möglich ist. Seit Beginn der Planungen liegen sich Anlieger und Gemeinde in den Haaren – mit ihren jeweils ureigenen Interessen. Auch Karoline Heene ist an der Seestraße aufgewachsen, die direkt an die Klosterwiese grenzt. Aktuell ist die 24-Jährige Studentin im Masterstudiengang Architektur in Zürich. In einer Wahlfacharbeit hat sie das Thema aufbereitet und schließt eine Bebauung in ihrer städtebaulichen Betrachtung nicht aus, aber sie würde es anders machen. „Verdichtung darf kein Allzweckmittel sein“, sagt sie.

Viele Anwohner von See- und Seeblickstraße haben sich 2013 im Verein Lebenswertes Breitbrunn zusammengeschlossen, als eine Bebauung der gesamten 32 000 Quadratmeter großen Fläche spruchreif wurde. Seitdem fürchten die Nachbarn um ihren Frieden, sprechen von einem Ghetto, das entstehen könnte, und auch von Betrug in Zusammenhang mit Fehlinformationen. Es sind besonders die gegensätzlichen Sichtweisen, die diese Diskussion leidenschaftlich werden ließen. Auf der einen Seite die Nachbarn, die in dem Glauben lebten, ihre Alpen- und Seesicht sei unverbaubar. Sie sprechen in Zusammenhang mit der Klosterwiese von einem Naturjuwel, die für andere nur eine landwirtschaftliche Fläche ist – mitten im Ort und rundum bebaut.

Erst 2011 hatte die St. Josefkongregation des Klosters Ursberg als Eigentümerin die Bebauung einer 8000 Quadratmeter großen Fläche für das eigene Personal beantragt. Daraus entwickelte sich im Anschluss ein Gesamtkonzept inklusive eines Einheimischenmodells, das nach den neuesten Bodenwertgutachten möglicherweise trotzdem unerschwinglich bleibt. Ungeachtet dessen gibt es seit 2016 eine Planung, die acht Doppelhäuser und sechs Einfamilienhäuser und drei Mehrspänner im Einheimischenmodell vorsieht sowie die Gebäude, die das Kloster für sich beansprucht (wir berichteten).

Der Verein Lebenswertes Breitbrunn greift die Arbeit der jungen Breitbrunnerin nun auf und ist der Meinung, dass die Arbeit eindrucksvoll zeige, dass Alternativvorschläge nötig seien. Der Gemeinde Herrsching liegt das Ergebnis ebenfalls vor. Es habe aber keinen Einfluss auf das Verfahren, betonte Bauamtsleiter Guido Finster am Rande einer Bauausschusssitzung. Erst vor einer Woche stand die Beteiligung der Behörden zur notwendigen Flächennutzungsplanänderung auf der Tagesordnung. Die Klosterwiese ist darin bislang als weiße, planungsbedürftige Fläche ausgewiesen. „Ein innenliegender Außenbereich“, sagt Herrschings Bauamtmitarbeiterin Melanie Faude. „Man hätte sie auch als Grünfläche ausweisen können.“ Insofern hat man mit einer Bebauung rechnen können, findet die Rathausmitarbeiterin. Noch dazu, weil alles rund um bebaut sei. Der geänderte Flächennutzungsplanentwurf wird in Kürze ein weiteres Mal öffentlich ausgelegt. Tritt dieser in Kraft, ist die Wiese Bauland.

Die junge Studentin hat die aktuelle Planung simuliert und ähnliche Bedenken festgemacht wie der Verein Lebenswertes Breitbrunn: insbesondere fehlen ihr Sichtachsen und Bürgerbeteiligung. In ihren Alternativen verändert insbesondere die Erschließung die Situation, Häuser sind abgerückt von der Straße, es bilden sich keine Ensemble, die den Blick versperren. Im Ergebnis ihrer Arbeit steht eine Lösung mit privaten Stichstraßen und die Bitte, Bauträgerprojekte zu vermeiden und unterschiedliche Architekturen zuzulassen, so wie sie in der umgebenden Bebauung üblich seien. „Breitbrunn ist kein Einzelfall“, weiß Karoline Heene. Und am Ende steht eine Frage: „Wie kann innerörtliche Verdichtung lokale Qualitäten aufnehmen, integrieren und schaffen?“

Bürgermeister Christian Schiller wiederholte immer wieder, dass die Bürgerbeteiligung gegeben war und im Zuge der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfs ist, die Ende Dezember endete. 20 Rechtsanwälte haben dazu Schriftsätze abgegeben. Die Wahlfacharbeit erfolgte unabhängig davon.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Seeuferstraße geräumt und wieder frei
Schwere Unwetter haben am Freitagabend im Landkreis Starnberg mehrere Verletzte gefordert. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.
Seeuferstraße geräumt und wieder frei
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Die Wachstation der Starnberger Wasserwacht in Kempfenhausen ist unter der Woche meistens verwaist. Das lockt zunehmend mehr ungebetene Gäste an, die sich nicht selten …
Wie die Helfer und Retter ihre Basis sichern
Eine Glatze wie ein Pulverfass
Die Nähe zum Flughafen Oberpfaffenhofen bringt nicht nur Lärm, sie birgt auch Gefahren - möglicherweise explosiv. Darum werden neue Baugebiete gut untersucht.
Eine Glatze wie ein Pulverfass
Leidenschaft wird zum Beruf
Die Liebe zum Garten ist im Laufe der Jahre bei Jana Schmaderer gewachsen, jetzt ist sie eine von zwei Gartenbäuerinnen im Landkreis Starnberg.
Leidenschaft wird zum Beruf

Kommentare