Wenige Zuschauer mit reichlich Abstand waren beim Auftakt der Nachtandachten in St. Nikolaus dabei – mit der Qualität des Konzerts hatte das nichts zu tun.
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Wenige Zuschauer mit reichlich Abstand waren beim Auftakt der Nachtandachten in St. Nikolaus dabei – mit der Qualität des Konzerts hatte das nichts zu tun.

Konzert-Rückkehr

Berührendes Erwachen in St. Nikolaus: Auftakt der Herrschinger Nachtandachten

Mit einer Mischung aus Gospel, Pop und Jazz ist die Reihe Nachtandachten in der St.-Nikolaus-Kirche in Herrsching gestartet. Das Konzert traf den Zeitgeist punktgenau.

Herrsching – Normalerweise säßen die Zuschauer in der St.-Nikolaus-Kirche für ein Konzert dieser Qualität eng an eng. Wegen Corona blieb jedoch jede zweite Reihe frei, und die Besucher hielten untereinander Abstand – und bedankten sich bei den Akteuren der musikalischen Nachtandacht am Sonntag mit viel Applaus für ein herausragendes Konzert.

„Nach langer Durststrecke erwacht die Musik zum Leben“, hatte Pfarrerin Susanne Parche in einem Flyer für die Veranstaltung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Herrsching geschrieben. Ein wahrlich berührendes Erwachen bereiteten das virtuose Jazz-Trio und die wunderbaren Stimmen der Chorporation den Zuhörern, die in diesem einzigartigen Auftakt der Konzertreihe Nachtandachten in der St.-Nikolaus-Kirche beiwohnten.

Gospel, Pop und Jazz treffen aufeinander - äußerst stimmig

Unter Leitung von Birgit Henke trafen Gospel, Pop und Jazz aufeinander, was textlich und melodisch geradezu perfekt den Zeitgeist traf. Nicht zuletzt mit der mitreißenden Interpretation von Stings „Fragile“, Namensgeber des geplanten Open-Air-Events, das aufgrund des Regens in die Kirche verlegt worden war. Die tiefgründigen Textzeilen des Hits aus den 1980er-Jahren fanden sich in der Ansprache von Nga Mrozek wieder. „Meine Seele dürstet nach Gott, mein Innerstes fühlt sich leer an“, sinnierte die Vikarin, um anschließend eine Liedzeile zu zitieren: „Der Regen fällt und fällt wie Tränen eines Sterns.“ Sie schloss mit „how fragile we are – wie zerbrechlich sind wir doch“. Zeilen, die wie ein Spiegel die Zeiten reflektieren, in denen ein Virus die Welt und unser Leben zu beherrschen scheint.

Es war eine nachdenklich stimmende Rede in einer wohltuenden Atmosphäre, die die Musiker in der ersten Konzerthälfte geschaffen hatten. Entstanden durch Stücke wie Frank Tichelis „Earth Song“, mit dem die achtköpfige, kleine Besetzung des Chors in a cappella augenblicklich die Herzen der Zuhörer eroberte. Sopran, Alt und Tenor verwoben sich zu einem harmonischen Dreiklang – obwohl die Sänger erst seit zwei Wochen wieder proben, erzählte eine sichtlich glückliche Chorleiterin nach Konzertende. Zurückgegriffen hatte Henke aus diesem Anlass auf das bekannte Repertoire, nur eine von ihr komponierte Hommage an die Mutter war neu. Und die leise, himmlisch anmutende Melodie von „Angel“ erfüllte selbst den verstecktesten Winkel des Saals.

Dankbarkeit bei Musikern und Zuhörern

Als die Chorleiterin schließlich zur Posaune griff, brachen die Zuschauer in Applaus aus. Der Beifall galt auch den drei Studienkollegen Thomas Ganzenmüller (Kontrabass), Vitaly Burtsev (Klavier) und Daniel Scheffels (Schlagzeug), die im Zwischenteil ein beeindruckendes Instrumentalsolo vom Stapel ließen. Soli wie der Gospel „Hear me prayin’, Lord“, den die Sopranistinnen Anja Jedlitschka, Amelie und Sophia Scheffels vortrugen, gehörten zu den absoluten Höhepunkten des Abends – die höchstens Emelie Scheffels und die Band toppten, die den Saal mit „Close to you“ von Burt Bacharach in ihren Bann zogen. Nach dem Abschlusssong „Halleluja“ von Leonard Cohen verließen die Musiker die Bühne.

Zurück blieb ein spürbares Gefühl der Dankbarkeit. Das der Musiker, wieder zu musizieren – und das der Zuhörer, wieder live an so einem Ereignis teilhaben zu dürfen. Ein herrlicher Anfang einer Reihe, die am Sonntag, 5. Juli, jeweils um 20 und 21.30 Uhr mit „Singe, Seele, Gott zum Preise – Barockes Frohlocken“ in der Pfarrkirche St. Nikolaus fortgesetzt wird. Voranmeldung nötig per Mail an pfarramt.herrsching@elkb.de oder unter Telefon (0 81 52) 13 84 oder (0 81 53) 79 55.

Michèle Kirner

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