Birgit Geurden (Seminarhaus-Leiterin in Wartaweil)
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Birgit Geurden freut sich, dass es mit der Umgestaltung vorangeht.

Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil

BN-Erlebnisort nimmt Gestalt an

  • vonAndrea Gräpel
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Die ersten Maßnahmen sind umgesetzt, in diesem Jahr soll der Erlebnispark des Bund Naturschutz in Wartaweil eröffnet werden. „Aber im kleinen Rahmen“, sagt Birgit Geurden. Seit vergangenem Juni teilt sie sich die Leitung der Bildungseinrichtung am Ammersee mit Axel Schreiner. Die Vorfreude im Naturschutz- und Jugendzentrum ist gleichwohl verhalten, denn noch sind nicht alle Pläne umgesetzt. Denn auch wenn ab dem Frühsommer Tafeln zum Betreten der Anlage einladen, ist das Projekt noch lange nicht abgeschlossen.

Wartaweil – Der Bund Naturschutz will bereits seit 2015 aus seiner rund 40 000 Quadratmeter großen Fläche rund um die Villa Habersack in Wartaweil einen Erlebnisort machen. Finanziell ermöglicht durch eine Erbschaft. Das Grundstück soll in seiner Eigenart nicht verändert werden, wie ein Park aber begehbar sein, was er eigentlich schon war. „Wir haben noch nie Leute des Geländes verwiesen“, hatte Schreiner damals gesagt und sich mehr Besucher gewünscht. Die Umgestaltung kommt also auch einer Einladung gleich. Weil in diesem Zusammenhang weitere Nebengebäude errichtet und Gebäude saniert werden sollten, war eine Änderung des bestehenden Bebauungsplanes erforderlich geworden. Allein dieser Verwaltungsakt nahm Zeit in Anspruch.

Das wohl erste Kompostklo im Landreis - funktioniert mit Sägespäne statt Wasser.

Das ehemalige Fraunhofer-Institut wurde daraufhin seit 2018 energetisch und ökologisch auf dem neuesten Stand gebracht (wir berichteten). Auch der Bauwagen, der am Grillplatz steht, bedurfte einer Genehmigung. Zuletzt wurde an den Außenanlagen des neu gestalteten Seminarhauses gefeilt. Entstanden ist zum Beispiel ein Sandarium für Wildbienen und entsprechende Bepflanzung in der Umgebung. Zur Seeseite geht es terrassenförmig den Hang hinunter. Ein weiterer Zugang wurde am nördlichen Ende vom Park bereits hergestellt. Noch flattert dort eine Absperrleine im Wind, bald ist aber auch dieser Eingang zum Grundstück freigegeben. Abgesteckt ist auch schon ein Bereich für ein so genanntes Grünes Klassenzimmer. Auf Stufenbänken sollen dort nach Corona künftig 30 Personen Platz finden können.

Geplant war auch ein Toilettenanlage, bei deren Umsetzung sich die Verantwortlich viele Gedanken gemacht haben. Um den aufwendigen Bau einer Wasserleitung zu vermeiden, entschieden sie sich für zwei Komposttoiletten, von denen Birgit Geurden ganz begeistert ist. „Es riecht sogar ganz gut darin“, sagt sie lachend und erklärt warum. Das Plumpsklo werde nach der Benutzung mit Sägespäne gefüllt und reinige sich quasi selber. Eine regelmäßige Leerung ist trotzdem nötig. Da alles aus Holz ist – auch die Klobrille – sei die Benutzung aber ungleich angenehmer als ein Dixieklo, weiß Birgit Geurden und grinst. Ihr gefallen auch die Plexiglasdächer: „Wenn man abends da drinsitzt, kann man den Sternenhimmel sehen.“ Nur aktuell sind sie gesperrt – wegen Corona. Das Team in Wartaweil hatte die Toiletten erst angemietet und ein Jahr getestet, dann für gut befunden und gekauft. Was noch fehlt, ist ein Waschbecken. Das kommt an die Außenwand vom Gästehaus, das in der Nähe steht. Auf diese Weise seien auch dafür keine großen Leitungsarbeiten notwendig.

Anderes liegt dagegen noch immer in der Warteschleife: Lärmschutzwand, Aussichtsplattform, Holzbohlen-Rundweg um das den Park im Norden abschließende Biotop oder der Walderlebnispfad zum Beispiel. Die Lärmschutzwand – in einem Abstand von einem Meter zum Radweg bis zu 2,50 Meter hoch entlang der Staatsstraße geplant – war den Herrschinger Gemeinderäten bei der Antragstellung damals ein Dorn im Auge. Erst nach einem Ortstermin und der Gewissheit, dass der Abstand zum Radweg gewahrt wird, hatten sie der Planung zugestimmt. Schon aktuell ist der Radweg von der Ausfahrt im Süden nicht gut einzusehen. „Das müssen wir als nächstes verändern“, sagt Birgit Geurden, die in Herrsching lebt und selbst jeden Tag mit dem Radl zu ihrem Arbeitsplatz fährt. Die Lärmschutzwand allerdings müsse noch warten. Als Naturschützer würden sie ja keine Mauer hochziehen, sondern einen „grünen Zaun“. „Aber das kostet richtig Geld“, sagt Birgit Geurden. Deshalb freut sich sich erst mal auf die Teilöffnung im Frühjahr.

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