Die blaue Narrenkappe hat Pfarrer Ulrich Haberl schon seit 15 Jahren im Schrank.
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Die blaue Narrenkappe hat Pfarrer Ulrich Haberl schon seit 15 Jahren im Schrank.

Evangelisch in Herrsching

Der Narr hält dem Virus stand

  • vonAndrea Gräpel
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Es ging um Rechts, um Trump und um Mutti Merkel, von der Pandemie allerdings war in der jüngsten Narrenpredigt Pfarrer Ulrich Haberls noch nicht die Rede. Seit September ist der 59-Jährige nun Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Herrsching. Und seit Fasching 2020 ist viel Geschehen – vor allem der Ausbruch der Pandemie. Trotzdem will Haberl an der für ihn lieb gewordenen Tradition festhalten, auch heuer eine Narrenpredigt zu halten.

Herrsching - Seit 20 Jahren schon formuliert Haberl Narrenpredigten, die er an Faschingssonntagen der Gemeinde vorträgt. Begonnen hat er damit in Feldmoching, weitergeführt hat er die Tradition in München-Neuhausen – dort bereits ausgestattet mit einer blauen Narrenkappe, die ihm eine Feldmochingerin zum Abschied geschenkt hatte. Die Münchner feierten mit ihm, verkleidet wie er, und sie füllten die Kirche an diesen Tagen mehr als an gewöhnlichen Sonntagen. „Es war ein Feiertag, mit viel Applaus und Zwischenrufen. Das alles geht jetzt natürlich nicht.“

Es wäre nun Haberls erster Fasching in Herrsching, würde er nicht ausfallen. Die blaue Narrenkappe liegt griffbereit. Haberl hat hin- und herüberlegt, ob mit der Absage des Faschings auch die Narrenpredigt ausfallen muss. „Ich habe kurz überlegt, ob der Zeitpunkt passt“, räumt der Pfarrer ein. „Dann sagte ich mir, man muss auch lachen dürfen. Gerade in dieser Zeit.“ In einem Mix aus Büttenrede und Predigt will er sich deshalb auch in diesem Jahr durch Fragen des Glaubens, der Politik und ganz alltäglicher Lebensnöte reimen, Alberei und Tiefsinn eine ganz eigene Liaison eingehen lassen. „Mein Ehrgeiz ist es, immer die christliche Botschaft durchklingen zu lassen“, sagt der Pfarrer.

In Herrsching ist es eine Premiere, es ist die erste Narrenpredigt Haberls in der neuen Kirchengemeinde. „Es ist ein seltsames Gefühl“, gesteht er, „ich kenne alle nur hinter der Maske“. Das Ereignis, zu dem diese Predigten in München geworden waren, müsste sich in Herrsching erst noch entwickeln. „Ich erwarte beim ersten Mal nicht allzu viel“, sagt der Pfarrer deshalb und hofft doch, auch die Herrschinger begeistern zu können.

Das Thema der Narrenpredigt steht noch nicht fest. „Entweder Pandemie oder auch gar nicht. Ich bin noch unentschlossen.“ Es habe ihm gut gefallen, als seine Amtskollegin Susanne Parche vor Kurzem in Wörthsee eine Predigt gehalten habe, ohne die Wörter Pandemie oder Corona auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. „Und wenn sie nah dran war, hat sie’s heiter umgangen. Wunderbar.“ Er selbst mache es sich mittlerweile zum Spiel, nachdem er das Radio angeschaltet habe, die Zeit zu nehmen, bis das erste Mal Corona oder Pandemie erwähnt werde. „Es ist innerhalb weniger Sekunden“, sagt er und meint, es habe etwas „Erschlagendes“. Deshalb überlegt er, auch seine anstehende Narrenpredigt vom Virus zu befreien.

„Man muss auch über ernste Dinge lachen können“, sagt Haberl. Die Narrenpredigt sei ein „tolles Format“, das Heitere mit Tiefsinn zusammenzubringen. Die Gemeindeglieder in Herrsching, Inning und Hechendorf, denen Haberl am Faschingssonntag, 14. Februar, erstmals als Narr mit blauer Kappe erscheint, will er langsam an seine Tradition heranführen. „Es ist eine ganz neue Form. Sie müssen sich erst daran gewöhnen.“ Er werde darum auch nicht als Narr einziehen, sondern die Kappe stülpt erst über den „Pfarrerschädel“ stülpen, wenn er auf der Kanzel steht. Vielleicht, sinniert der Pfarrer, ist dieser, sein Anfang in der Pandemie genau der richtige Zeitpunkt dafür.

Dreimal wird Haberl am Faschingssonntag seine Narrenpredigt halten – ab 9.30 Uhr in der Herrschinger Erlöserkirche, ab 11.15 Uhr in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Inning und ab 18 Uhr in St. Michael in Hechendof. In allen drei Fällen ist zwingend eine Anmeldung erforderlich. Diese ist möglich in den Pfarrbüros in Herrsching, z (0 81 52) 13 84, oder Wörthsee, z (0 81 53) 79 55. Wer eine Idee davon bekommen möchte, wie sich eine Narrenpredigt Haberls gestaltet, kann die früheren im Predigtarchiv der Kirchengemeinde Neuhausen (evnn.de) nachlesen.

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