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Hier noch vollständig: die Krippe mit Jesuskind.

Täter schlägt doppelt zu

Dieb stiehlt Christus-Figuren in Herrsching und gibt sich als Jesus aus - Pfarrer verspricht: keine Konsequenzen

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Gleich zweimal verschwinden Figuren aus der Krippe in Herrsching. Der Dieb kritzelt außerdem dreist in das Fürbittbuch. Nun lädt Pfarrer Rapp den Täter zur Beichte ein.

Herrsching – Die katholische Kirchengemeinde Herrsching vermisst zwei Kinder. Ausgerechnet an Heiligabend wurde das Jesuskind aus der Krippe gestohlen. Einen Tag nach Heiligdreikönig fehlte dann auch das Ersatzkind. Pfarrer Simon Rapp ärgert sich noch immer über diese Respektlosigkeit. Und auch Siegfried Polednik stimmt sie bis heute traurig. Der 79-jährige Herrschinger kümmert sich seit 30 Jahren um den Aufbau der Krippe. Bis diesmal sei noch nie etwas weggekommen, sagt er.

Die Krippenfiguren wurden der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus vor etwa 60 Jahren vom Künstlerehepaar Elisabeth und Hans Kreuz gestiftet. Als die neue Kirche geweiht wurde, nahm sich Polednik der Pflege und des Aufbaus vor 30 Jahren an – bis heute. Die Ministranten waren ihm nicht pfleglich genug mit den kostbaren Figuren umgegangen. Und so verwahrt er also die Krippe.

Siegfried Polednik schimpft: „Die Krippe stand immer offen. Es ist nie etwas weggekommen“

Er hat die Holzfiguren restauriert und die übrige Ausstattung gebaut. Für Siegfried Polednik ist die Krippe eine Leidenschaft wie das Fotografieren, für das er in der Ammerseegemeinde ebenso bekannt ist. Umso mehr verärgert ihn der Diebstahl. „Die Krippe stand immer offen. Es ist nie etwas weggekommen“, sagt Polednik dem Starnberger Merkur und mag es immer noch nicht glauben.

Pfarrer Rapp verspricht: Bei Beichte oder Rückgabe bleibt der Diebstahl folgenlos

Herrschings internetaffiner Pfarrer Rapp hatte den Diebstahl im Internet gepostet, nachdem die zweite Figur verschwunden war. Traurig berichtete er auch in der vergangenen Woche beim Jahresempfang der Gemeinde davon und lud zur Beichte ein – „aber bitte bringen Sie das Krippenkind mit“, sagte Rapp. Und versprach, dass der Diebstahl folgenlos bleibe, auch wenn sich der Dieb ohne Beichte vertrauensvoll an ihn oder den Kaplan wende.

Der Zettel, den Pfarrer Simon Rapp nach dem zweiten Diebstahl stattdessen angebracht hatte. Bis heute finden es die Herrschinger rücksichtslos, dass die Figur gleich zweimal gestohlen wurde.

„Original ist Original“, sagt Polednik. Das Jesuskind sei nicht ersetzbar. „Das zweite war nicht mal aus Holz. Ich habe es aber komplett eingewickelt, so dass nur der Kopf herausschaute. Es hat keiner gemerkt, dass das Ersatzkind aus Plastik war“, sagt er und muss im Nachhinein darüber lachen. Er habe die Figur irgendwann einmal geschenkt bekommen und hergenommen, denn: „Wo sollte ich so schnell ein Jesuskind herkriegen?“

Beide Figuren waren festgeklebt

Aber auch die Plastikfigur wurde aus der Krippe gestohlen, obwohl sie wie das Original in der Krippe festgeklebt war. Und wie beim ersten Diebstahl lag statt des Kindes die Laterne eines der Hirten in der Krippe.

Entdeckt wurde das fehlende Kind in beiden Fällen vom Pfarrer. Am Nachmittag des 24. Dezember war Rapp zunächst aufgefallen, dass einige Sachen nicht stimmten. „Sämtliche Opferlichter waren angezündet. Natürlich ohne Geld dafür zu zahlen“, erzählt er. Außerdem sei ins Fürbittbuch gekritzelt worden. Als er die Kirche verließ, fiel ihm schließlich beim Rausgehen auf, dass das Jesuskind fehlte.

Dreister Dieb gibt sich als Jesus und als Mann von Helene Fischer aus

Poledniks Vorschlag, die Kirche zuzusperren, wenn niemand da ist, kam für Rapp nicht in Frage. „Am 7. Januar gehe ich wieder in die Kirche. Diesmal fehlten Opferlichter“, berichtet er. Schon wieder war die Krippe leer und stattdessen eine Laterne drin. Und wieder wurde „Schwachsinn“ ins Fürbittbuch gekritzelt. „Das erste Mal stellte der Dieb sich darin als Jesus vor, das zweite Mal als Mann von Helene Fischer.“

Der Schaden des Diebstahls sei nicht zu beziffern, sagt Polednik. „Man kann das Jesuskind nicht ersetzen. Jeder Künstler hat eine eigene Handschrift.“ Hans und Elisabeth Kreuz leben nicht mehr. Zu Ehren des Herrschinger Künstlerpaar hatten Kulturverein und Gemeindearchiv erst im vergangenen Jahr eine Ausstellung zusammengestellt. Poledniks Frau Elisabeth hat wie Rapp noch die Hoffnung, dass der Dieb das Jesuskind zurückbringt. In die Krippe kann er es aber nicht mehr legen, die wurde mittlerweile abgebaut.

St. Nikolaus schon 2019 im Mittelpunkt - Polizei Herrsching gut beschäftigt

Erst vor einem halben Jahr rückte die Kirchengemeinde St. Nikolaus bereits in den Mittelpunkt. Damals fand der Fernsehgottesdienst des ZDF in Herrsching statt. Insgesamt hatte die Polizei um den Jahreswechsel viel zu tun in der Ammerseegemeinde. So fanden etwa an Silvester fünf Einbrüche statt. Die Feuerwehr musste außerdem noch nach Heiligdreikönig wegen eines brennenden Christbaums ausrücken.

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