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Diese Innovation vom Ammersee kann Arbeitern an Strommasten das Leben retten

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Von: Andrea Gräpel

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Ein regionales Produkt: Darüber freuen sich (v.l.) Landrat Stefan Frey, Herrschings Bürgermeister Christian Schiller, Dr. Egon Leo Westphal, Roland Leuchtenberg, Christian Stammel und Christoph Winkelkötter.
Ein regionales Produkt: Darüber freuen sich (v.l.) Landrat Stefan Frey, Herrschings Bürgermeister Christian Schiller, Dr. Egon Leo Westphal, Roland Leuchtenberg, Christian Stammel und Christoph Winkelkötter. © Andrea Jaksch

Bayerische Handarbeit soll den Weltmarkt erobern. Am Mittwoch präsentierten „Wearable Technologies“ aus Herrsching und die Bayernwerke ihre gemeinsame Entwicklung: ein Gerät am Handgelenk, das Arbeiten an Mittelspannungsleitungen künftig sicherer macht.

Herrsching – Dr. Egon Leo Westphal, neuer Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, übergab die ersten Sensoren am Mittwoch an Bayernwerk-Mitarbeiter in Penzberg. Von dort war er direkt nach Herrsching geeilt, um die Weltneuheit vorzustellen. Im zweiten Stock eines der ältesten Gewerbegebäude in Herrsching mit großzügigem Treppenhaus hat das Joint Venture „Peek“ seinen Sitz, eine Unternehmenskooperation von Bayernwerk und den Herrschinger „Wearable Technologies“ (WT). Letztere sind spezialisiert auf tragbare Technologien, wie diesen Sensor am Handgelenk. Er erkennt elektrische Felder und hilft wie ein Abstandsmesser im Auto durch einen schrillen Ton, auf Gefahrenbereiche aufmerksam zu machen. Christian Stammel, einer der beiden Geschäftsführer von „Peek“, spricht von einem sechsten Sinn. Denn fünf Sicherheitsregeln haben Menschen, die mit Elektrizität arbeiten, quasi im Blut: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und unter Spannung stehende Teile in der Nähe abdecken.

Westphal weiß aus leidvoller Erfahrung, dass die Arbeit mit Mittelstrom gefährlich ist. Vor zwei Jahren verlor die Bayernwerk AG innerhalb von nur drei Monaten zwei hoch qualifizierte Mitarbeiter durch Stromschläge. „Man sieht nicht, hört nicht, riecht nicht, ob da noch Spannung anliegt“, sagte Westphal auch in Herrsching. Der Sensor ersetze die Sicherheitsregeln nicht, betonte Roland Leuchtenberger, der sich die Peek-Geschäftsführung als Vertreter der Bayernwerk AG mit Stammel teilt. Das Gerät – kompakt und nur etwas größer als eine Smart-Uhr – ermahne jedoch. Und es warne. Es könne Leben retten und sei so konzipiert, dass die Software ständig weiterentwickelt werden könne.

Der Peek-Sensor ist wie eine Uhr zu tragen. Die Batterie ist für Extremtemperaturen ausgerichtet.
Der Peek-Sensor ist wie eine Uhr zu tragen. Die Batterie ist für Extremtemperaturen ausgerichtet. © Sebastian Tauchnitz

Westphal erinnerte an den Erfindergeist, den die Gründer der Bayernwerk AG vor 100 Jahren in sich trugen. Dieser setze sich in dieser Entwicklung fort. „Wir versuchen, das, was wir können, mit moderner Technik zu verbinden und in die Welt zu schicken“, sagte er. Genau dies soll nun mit dem Peek-Sensor geschehen. WT als Global-Player im Bereich tragbarer Innovation stellte sich insofern als idealer Arbeitspartner heraus. Stammel erzählte, dass er gegenüber internationalen Partnern von der Region immer als „Bavarian Bay Area“ spreche, „es gibt keinen Platz in Bayern mit so viel Hightech im Umfeld“. Mit „Peek“ trägt er nun selbst aktiv dazu bei.

In den neuen Büroräumen im Herrschinger Gewerbegebiet stapeln sich die Kartons. Dort stehen 1500 Geräte trotz Bauteile-Stau schon bereit. Produziert von TQ Systems, und bis auf die Magnetfeldsensoren, die in den USA hergestellt werden, echte regionale Handarbeit, in 3D-Druck-Technik verpackt. Ende August, Anfang September sollen die ersten Geräte ausgeliefert werden. 500 davon sollen innerhalb der Bayernwerk AG Verwendung finden. Der aktuell stolze Preis von 500 Euro sei auch Zulieferschwierigkeiten geschuldet, sagte Leuchtenberg. Er hoffe aber, dass der Preis bei normalen Bedingungen niedriger ausfalle.

Am Erfolg dieser Neuheit zweifelt aber niemand, die Entwicklung sei weltweit konkurrenzlos. „Das Interesse ist groß“, wusste Westphal. „2023 wollen wir auf dem Weltmarkt signifikante Spuren hinterlassen.“ Darüber freuten sich bei der ersten Produktpräsentation nicht nur die Gesellschafter, sondern auch Landrat Stefan Frey, Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter und Bürgermeister Christian Schiller.

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