+
Das Thema traf ins Schwarze: Fromuth Heene (l.) hatte Polizeichef Eric h Schilling und Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig zum Thema Sicherheit geladen.

CSU-Stammtischgespräch

Realität und Wahrnehmung

  • schließen

„Sind wir jetzt alle ein bisschen narrisch?“, fragte Dr. Georg Strasser ungläubig in die Runde, zu der CSU und Frauenunion Herrsching eingeladen hatten. Es ging um das Thema Sicherheit.

Herrsching – Sicherheit ist ein Thema, das offensichtlich auf großes Interesse stößt. Rund 60 Besucher machten diesen „Stammtisch“ zu einer ausgesprochen großen Runde. Es ging um „gefühlte“ gestiegene Ängste und Fakten, die eigentlich dagegen sprechen.

Internet, Medien und Soziale Netzwerke lassen Anschläge, wie sie in Frankreich, Berlin oder Ansbach geschahen, ganz nah erscheinen. Auch in Herrsching sei weiter von einer erhöhten Gefahr auszugehen, sagte Erich Schilling, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Inspektion in der Ammerseegemeinde. Ihn hatte Herrschings Unionschefin Fromuth Heene genauso eingeladen wie die CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig.

Um seine Einschätzung der aktuellen Sicherheitslage gebeten worden war Schilling von Gemeinderat Willi Welte. Seit einem Jahr müssen bei allen Veranstaltungen erhöhte Sicherheitsvorkehrungen – Taschenkontrollen oder Sicherheitsdienste – getroffen werden. Das ist vielfach auch eine Kostenfrage und für Vereine eine zusätzliche Belastung. Nachdem alle Veranstaltungen friedlich verliefen, fragte Welte, ob man die Vorgaben der Polizei nicht lockern könnte. Schilling schüttelte den Kopf. So lange bayernweit von einer erhöhten Gefahr auszugehen sei, „und das ist die Grundlage für die Maßnahmen“, so lange bleibe alles, wie es ist. „Nur weil eine Zeitlang nichts passiert ist, hat sich nichts geändert“, so Schilling. Gleichwohl hob er nicht nur die Ammerseegemeinde, sondern den gesamten Landkreis als ein „sehr sicheres“ Pflaster hervor.

Trotzdem gibt es eine „gefühlte Unsicherheit“, wusste Ute Eiling-Hütig: „Wir bekommen durch die mediale Präsenz mit, dass man in alltäglichen Situationen betroffen sein kann.“ Und auch in Herrsching kursieren Meldungen über tätliche Übergriffe – etwa auf Frauen. „Das ist bei uns aber nur in geringem Maß bekannt“, sagte Polizeichef Schilling. Angelika Knülle brachte diese Meldungen in Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle. Wobei Schilling einräumte, „dass die Zahl der Fälle zu Beginn höher war. Es ist aber besser geworden“. Anfangs habe es in der Tat mehr Probleme gegeben, weil verschiedene Kulturen – auch innerhalb der Asyl-Unterkünfte – aufeinandertrafen. „Das hat sich über die Zeit aber sehr positiv entwickelt.“ Die Herrschinger Unterkünfte zählten zu den ruhigsten im Dienstbereich. In diesem Zusammenhang sprach er ein Lob an die Helferkreise aus.

Die Meldungen sexueller Übergriffe kursieren dennoch hartnäckig und wurden auch am Donnerstag immer wieder angedeutet, aber nicht deutlich ausgesprochen. „Das tritt immer mal wieder auf. Aber nicht nur von Ausländern, auch von Deutschen“, so Schilling. Er verwies darauf, dass er nur von dem sprechen könne, was bei der Polizei am Ende angezeigt werde. „Wenn wir nichts wissen, können wir nicht ermitteln.“ Auch Gastgeberin Fromuth Heene machte an diesem Abend die Erfahrung, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, was öffentlich erzählt und was nur kolportiert wird. Mehrfach sei sie im Vorfeld angesprochen worden, auch von Menschen, die am Stammtisch teilnahmen, sich aber nicht zu Wort meldeten. „Insgesamt war es zurückhaltend“, fand sie.

Strasser zog am Ende den Schluss, dass das Unsicherheitsgefühl zunehme, obwohl Fakten dagegen sprächen. „Aber wie korrigieren wir das?“, fragte er sich. Fromuth Heenes Antwort klang pragmatisch: „Wir schauen auf die Fakten.“ Sie hatte sich mit der Einladung eine Versachlichung des Themas erhofft, „ich glaube, das ist uns auch gelungen“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kiechle: „Bildung ist kein Verlustgeschäft“
Ein frischer Wind in der Politik, eine große Authentizität als Persönlichkeit: Dies war der Eindruck, den Bayerns Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Marion …
Kiechle: „Bildung ist kein Verlustgeschäft“
30-jährige Erfolgsgeschichte
Seit 30 Jahren ist Kempfenhausen ein wichtiger Anlaufpunkt für Menschen, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind. 1988 eröffnete dort die Marianne-Strauß-Klinik für …
30-jährige Erfolgsgeschichte
Literarischer Herbst: Das ist geboten
Für die Veranstaltungsreihe „Literarischer Herbst“ haben Elisabeth Carr und Dr. Gerd Holzheimer wieder besondere Orte ausfindig gemacht. Das sind die Veranstaltungen und …
Literarischer Herbst: Das ist geboten
Ein „Kulturschiff“ für Starnberg
Die Stadt Starnberg will Kulturschaffende im nächsten Jahr mit insgesamt 133 550 Euro unterstützen. Der Kulturausschuss hat die Mittel freigegeben, das letzte Wort haben …
Ein „Kulturschiff“ für Starnberg

Kommentare