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Ende gut, alles gut: Am Sonntagabend waren Reiterin Christina Kühn und „Mercedes“ im Stall von Heinrich Grenzebach wieder vereint.

Pferd eingesunken - Großeinsatz der Feuerwehr

Die dramatische Rettung von „Mercedes“: Jetzt sprechen die Beteiligten

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Aschering - Eine junge Reiterin erlebte am Samstag bei Seewiesen den Horror ihres Lebens: Bei einem Ausritt versank ihr Pferd im Moor. Die Folge: Ein Großeinsatz der Feuerwehren Pöcking, Aschering und Herrsching. Die gute Nachricht: Reiterin und Stute „Mercedes“ sind wohlauf.

Das Gebiet rund um das Max-Planck-Institut in Seewiesen bei Pöcking ist wunderschön, ein Paradies für Wanderer und Reiter. Aber es steckt auch voller Tücken. „Früher hieß es in Aschering, dass dort die Menschen zum Sterben hingegangen sind“, erzählt Landwirt Heinrich Grenzebach. Denn inmitten der Idylle liegen ein Moor und größere sumpfige Abschnitte.

Auf Grenzebachs Hof steht seit einem halben Jahr die temperamentvolle Fuchsstute „Mercedes“, elf Jahre alt. Warum Besitzerin Christina Kühn und ihr Pferd am Samstagnachmittag etwa 200 Meter vom Max-Planck-Institut entfernt auf Abwege gerieten und das Pferd einsank, kann sich Grenzebach nicht ganz erklären. Christina Kühn ist am Tag nach der Rettungsaktion noch völlig benommen vom Geschehen.

Irgendwie gerieten Ross und Reiterin jedenfalls zu tief in den Sumpf. „Da war eine Sackgasse“, erinnert sich die 33-Jährige. Das Pferd sei jedoch weitermarschiert, dann aber eingesunken und gefallen, habe sich aufgerappelt, um dann wieder umzudrehen und an tiefster Stelle schließlich einzusinken. Zum Glück konnte Christina Kühn noch Heinrich Grenzebach anrufen, bevor das Handy im Matsch unter das Pferd geriet. „Das war alles ganz furchtbar, ich habe gedacht, mein Pferd bricht sich alle Knochen“, berichtet die Reiterin.

Auch Grenzebach (53) erlebte schlimme Minuten: „Sie konnte am Telefon gar nicht genau sagen, wo sie ist.“ Schließlich habe er sich mit der jungen Frau am Max-Planck-Institut getroffen und sei von dort aus zu der Lichtung gehastet, an der das Pferd bis zum Bauch im Sumpf steckte. In Panik habe das Tier immer wieder versucht, sich zu befreien. „Es war schon sehr erschöpft, und die Kälte ist natürlich ein Problem“, sagt Grenzebach. Sofort verständigte er die Feuerwehren Pöcking und Aschering. Diese sahen sich vor eine besondere Aufgabe gestellt: „Wir mussten wirklich überlegen, wie wir da rangehen“, berichtet Einsatzleiter Alexander Grögeder von der FFW Pöcking.

Da die Feuerwehr Herrsching über ein Pferderettungsgeschirr und Platten für den Wegebau verfügt, wurde sie hinzugerufen. Denn die Lichtung war weitläufig und auch für die Einsatzkräfte schwer zugänglich, das Pferd befand sich an die 30 Meter vom rettenden Waldrand entfernt. Überall war der Boden aufgeweicht.

Sehr schnell war auch klar: Ein Tierarzt muss her. Bis dieser kam, konzentrierten sich die Rettungskräfte darauf, das Tier irgendwie warmzuhalten und zu beruhigen. Um seinen Leib verlegten sie behutsam Feuerwehrschläuche, um ein weiteres Absinken zu verhindern. Bis zu 40 Rettungskräfte befanden sich schließlich vor Ort. „Wir haben gemeinsam überlegt und dann die Idee entwickelt, das Pferd auf die Plane zu bringen“, erzählt Grögeder.

Die Reiterin konnte die Aktion gar nicht mitansehen. Grenzebach erklärt: „Ich habe auch nicht gewusst, ob das gut geht. Oder ob wir das Pferd womöglich erschießen müssen, weil es zu geschwächt ist.“ Auch Grögeder war zwischendurch unsicher, was den Zustand von „Mercedes“ anging. „Die Tierärzte haben uns dann aber versichert, dass sie bei Kräften ist. Da dachte ich: Das klappt.“

Retter ziehen Pferd aus dem Schlamm

„Mercedes“ wurde sediert und über einen Tropf mit Flüssigkeit versorgt. Nachdem sie ihren Rumpf in einem letzten Anlauf leicht nach oben aus dem Sumpf herausgearbeitet hatte, drückten sie mehrere Feuerwehrmänner auf die Seite. Wärmefolien hielten das Tier warm. Als Plane diente ein zweckentfremdeter mobiler Löschwasserbehälter.

Mehr als 20 Mann trugen die etwa 500 Kilogramm schwere Pferdedame schließlich aus der Gefahrenzone hinaus auf festen Boden. Dort verpasste der Tierarzt der Stute einen Wachmacher, und leicht benommen torkelte „Mercedes“ schließlich in einen bereitstehenden Pferdehänger, der sie nach Starnberg in die Tierklinik brachte.

Am Sonntagabend kehrte „Mercedes“ wohlbehalten in ihre Box in Aschering zurück. Christina Kühn tun indessen alle Knochen weh von dem Manöver im Sumpf bei Aschering. „Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten“, sagt sie. Und sie wollte es sich nicht nemen lassen, Feuerwehr, Max-Planck-Institut und Tierklinik ausdrücklich Dank zu sagen: „Überall waren auf einmal Engel, die uns geholfen haben. Das war wunderbar.“

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