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Die Granden von damals: Hans-Ulrich Greimel (l.). Johann Kaindl (2.v.l.), Hermann Breitenberger (3.v.l.), Altabt Dr. Notker Wolf (Mitte) und Altbürgermeister Adolf Wexlberger (2.v.r.) mit den Granden von heute, Landrat Karl Roth (r.), Pfarrer Simon Rapp (3.v.r.) und Herrschings Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann (4.v.l.).

Dreifachjubiläum

Eine würdige Krone

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25 Jahre Europakapelle, 180 Jahre Königsberg und 750. Ortsjubiläum - die Breitbrunner hatten viel zu feiern.

Breitbrunn – Dr. Notker Wolf, emeritierter Abtprimas und Altabt von St. Ottilien, konnte sich am Samstag noch gut an den Tag vor 25 Jahren erinnern, als er die Europakapelle auf dem Jaudesberg weihte. „Es hat gestürmt und geregnet“, und seine Predigt, dies räumt er ein, sei viel zu lang geraten. Am Samstag, zur Jubiläumsfeier strahlte die Sonne, die Grillen zirpten bei sommerlichen Temperaturen – und die Predigt hielt der Alt-abt im Rahmen. Die Kapelle nannte er eine „würdige Krone“ auf diesem Königsberg über Breitbrunn. Passender konnten die drei Jubiläen, die gefeiert wurden, nicht in einem Satz vereint werden.

Es sollte keine politische Predigt werden und doch nannte es Notker Wolf „besondere Aktualität“, die ihn dazu verleiten ließ. „Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten“, sagte er. Zuletzt sei nun auch in Italien eine Regierung gewählt worden, „die gegen unser Land gerichtet ist“. Der Altabt erinnerte an die Weihe der Kapelle vor 25 Jahren, als es hieß, die europäischen Völker mögen zu einer friedlichen Familie zusammenwachsen. „Möge ihr Andenken uns ermahnen, das Unsrige zu dieser Einigung beizusteuern.“ An Aktualität sei nichts verloren gegangen.

Gut 200 Gäste folgten Wolfs Worten nachdenklich. Sie waren am Samstag den Jaudesberg hinauf gegangen, um mit zu feiern: die Kapelle, aber ebenso den Berg, der seit 180 Jahren auch Königsberg genannt wird, und das Dorf, das mindestens 750 Jahre alt ist (wir berichteten). Belohnt wurden sie mit den besten Bedingungen für das „Dreijubiläumsfest“. Über das wunderbare Wetter und die vielen Gäste freute sich niemand mehr als Hans-Ulrich Greimel. Er hatte den Kapellenbauverein damals mit gegründet und ist bis heute sein Vorsitzender. Der Berg war nach verheerenden Stürmen kahl, als die Idee geboren wurde, eine Kapelle auf dem Hügel thronen zu lassen. Der Benediktiner Notker Wolf, der dem Verein damals beitrat und heute Ehrenmitglied ist, regte schließlich an, sie unter den Schutz der Patrone Europas zu stellen. Und die politische Gemeinde Herrsching, zu dieser Zeit stark vertreten durch vier Gemeinderäte aus Breitbrunn, hat den idyllischen Grund mit Blick über den Ammersee und auf die Alpenkette dafür 1990 von der St. Josefkongregation angepachtet.

König Ludwig I., nach dem der Jaudesberg auch als Königsberg benannt wurde, war der Erste, der sein Zelt – zur Feier seines Geburtstages – dort aufgeschlagen hatte. Die Kapelle ragt seit 25 Jahren mindestens genauso spitz empor, mittlerweile wieder von dichtem Wald umgeben. Kein Platz, der sich besser eignen konnte zu einer Biergarten-Brotzeit wie „im letzten Jahrhundert“, meinte Greimel. Das sei dem Charme dieses besonderen Ortes geschuldet. Deshalb hatte er gebeten, die Brotzeit selbst mitzubringen. Und viele der Gäste hatten ihren Korb dabei. „Man kann verstehen, warum Ludwig I. hier gefeiert hat“, fand nicht nur Greimel, der mit einem Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch für seinen Einsatz belohnt wurde.

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