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Begnadete Hände: Stefan Schneider produziert nur, was auch schmeckt.

Schokosphäre

Confiseur von ganzem Herzen

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Breitbrunn – Der Welt nur scheinbar entrückt, versteckt in der Kirchstraße 11 in Breitbrunn, hat sich Stefan Schneider eine kleine Schokosphäre erschaffen, die schon lange kein Geheimtipp mehr ist. Ein Himmel auf Erden für Liebhaber feiner Schokolade.

Stefan Schneider ist 54 Jahre alt und ein in sich ruhender Genießer. Das wurde ihm von seinen Eltern in die Wiege gelegt. Im zarten Alter von zehn Jahren haben sie ihn das erste Mal in ein Drei-Sterne-Restaurant mitgenommen. Das habe ihn geprägt. „Mit mir essen zu gehen, ist nicht ganz einfach“, gesteht er. Dabei ist es egal, wie rot und rund etwa eine Tomate aussieht, „der Geschmack steht im Vordergrund“. So hält er es auch in der „SchokoSphäre“. Dort macht er genau das, was er am meisten liebt.

„Ich bin in einer Backstube aufgewachsen“, sagt Schneider. Gelernt hat er Konditor. Als solchen zog es ihn erst nach Frankreich. Die Franzosen gelten als Lebenskünstler. Ihre Lebensart faszinierte auch Schneider – die Küche, die Confiserien. Wieder in Deutschland, wollte er bald zurück, landete aber stattdessen in Altperlach und wurde Produktentwickler bei „Kraft-Food“. In dem Konzern vereinen sich Produktnamen wie Suchard, Jacobs, Kraft und viele mehr. „18 Jahre habe ich in der Produktentwicklung gearbeitet“, erzählt der Konditormeister. „Und irgendwann waren die Firmenziele nicht mehr meine Ziele.“ Als die Lebensmittelabteilung nach England abwanderte und er die Option bekam mitzugehen, entschied er sich dagegen. „Ich nahm die Abfindung und schaute mich um.“ Längst hatte er sich auf Schokolade und Confiserie spezialisiert, aber in Altperlach war es nicht mehr das, was Schneider unter guter Schokolade verstand.

Und dann ging alles ganz schnell. Schon seit seiner Kindheit verbrachte er viel Zeit in Buch und Breitbrunn, daher kannte er auch die kleine Bäckerei an der Kirchstraße und ihre Eigentümerin. Die hatte das Ladenlokal nach dem frühen Tod ihres Mannes an eine Bäckereikette vermietet, aber die Filiale sollte schließen. „Ich musste mich gleich entscheiden“, erinnert sich Schneider, andernfalls hätten Backstube und Laden zu einer Wohnung ausgebaut werden sollen.

Im Juli 2012 feierte er Eröffnung in seiner SchokoSphäre. Mit neuem Ladencafé und Backstube. Die hat ihren Namen durchaus noch verdient, denn Semmeln, Croissants und Brezn bietet Schneider weiter an. „Das hat sich das Dorf gewünscht.“ Ein Satz, aus dem die Liebe zum Ort unüberhörbar mitklingt. Darum hatte er auch zugeschlagen, als die Filiale schließen musste. „Das Gesamtkonzept stimmte, hier fühlt man sich wohl.“ Ein Ort, wo Schneider seine Leidenschaft leben kann.

Frankreich spiegelt sich im Charme der Ladeneinrichtung wieder. Hier ist nichts von der Stange, „alles gebraucht“, sagt der Chocolatier voller Stolz. Hier kann er Qualität produzieren, so wie er sie versteht.

Zu Hochzeiten wie Weihnachten und Ostern rennen ihm die Kunden mittlerweile die Türen ein. „Das war am Anfang nicht so.“ Denn Werbung hat er nie gemacht. Heute kann es passieren, dass ihm die Schokolade ausgeht, bislang aber erst einmal, vergangenes Weihnachten. „Da gab es Pralinen quasi tagesfrisch“, sagt Schneider. 2000 Stück wanderten an einem Tag über den Ladentisch. Schneider staunt heute selbst noch. Normalerweise wird so viel produziert, dass die Pralinen spätestens nach einer Woche aus dem Haus sind.

Erst seit kurzer Zeit steht der Chocolatier nicht mehr allein in seiner Backstube. Mittlerweile hat er zwei festangestellte Mitarbeiter und eine Aushilfe. „Anders geht es nicht mehr“, auch wenn es zurzeit gerade ruhig ist. Immer wieder tröpfeln Breitbrunner in das charmante Cafè oder Kunden, die sich mit Pralinen eindecken. 30 bis 40 Sorten bietet Schneider in seiner SchokoSphäre an – ganz selten auch Schokoladenkunst. Die 60 Jahre alten Weißblechformen dafür stehen im Café dekorativ im Regal, neben Kakaobohnen und anderen Zutaten. „Die Elefantenform ist meine absolute Lieblingsform“, verrät er und erklärt, wie fragil sie ist, auch wenn sie groß ist. „Der Rüssel bricht immer ab. Manchmal ein Bein. Das muss ich dann ankleben.“ Den Aufwand betreibt er nur maximal dreimal im Jahr. „Ich finde, man muss Lust haben reinzubeißen, auch wenn es ein Elefant oder Hase ist.“ Da darf das Kunstwerk weder zu groß sein noch zu realistisch aussehen. Wichtig ist: Es muss schmecken.

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