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„Es kommt auf jedes Wort an“: Vereinsvorsitzender Jens Waltermann las lieber ab, was genau er zum Bürgerbegehren sagen wollte. 

Gymnasium

„Ein Riesengewinn für Herrsching“

In Reaktion auf das Bürgerbegehren zum Gymnasiumsstandort in Herrsching luden der Förderverein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis, Gemeinde und Landkreis zu einer Informationsveranstaltung. 

Herrsching – Knapp eine Woche nach dem Start des Bürgerbegehrens zum Gymnasiumsstandort in Herrsching sind der Förderverein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis, Gemeinde und Landkreis in die Offensive gegangen. An die 200 Zuhörer ließen sich auf den neusten Stand bringen – unter ihnen Gerhard Knülle, einer der Begehren-Initiatoren. Auf Nachfrage aus dem Publikum wollte er sich zu den Beweggründen der Initiatoren allerdings nicht äußern, was viele bezeichnend fanden. Das Begehren will bekanntlich die Bauleitplanung für den Standort Mühlfeld stoppen und Gespräche über Flächen im Norden Herrschings aufnehmen.

Die verfahrene Situation zeigte auch bei dem Info-Abend Wirkung. Vereinsvorsitzender Jens Waltermann las lieber von einem Zettel ab als frei zu reden – „es kommt auf jedes Wort an“. Waltermann stellte aber auch klar: „Nazi-Vergleiche sollten wir wirklich lassen.“ Die Anspielung auf Äußerungen Knülles (wir berichteten) bekam viel Beifall. Das Ziel der Veranstaltung war klar: Herrschinger über die Auswirkungen des Bürgerbegehrens aufzuklären. Waltermann verwies auf die Zersplitterung der Flächen im Norden, für die das Begehren Verhandlungen aufnehmen will. „So zu tun, also ob das in trockenen Tüchern sei, ist falsch“, erklärte er unter Hinweis auf einige Eigentümer, die gar nicht verkaufen wollten. Zudem stelle sich die Frage, wer die Flächen kaufen soll, denn „die Gemeinde Herrsching kann sich das Gymnasium nicht leisten“. Waltermann zufolge geht es beim Bürgerbegehren tatsächlich um die Frage „Gymnasium am Mühlfeld oder keines“. 600 Schüler seien geplant, maximal 900 bei einer Erweiterung. Eine größere Schule „brauchen und wollen wir nicht“.

Ein Standortwechsel würde zehn bis 13 Millionen Euro kosten

Die stellvertretende Vorsitzende Dr. Sonja Sulzmaier, rief die Initiatoren des Begehrens auf, dieses zu stoppen und sagte: „Sie tragen das auf dem Rücken unserer Kinder und der Steuerzahler aus.“ Wie Kreiskämmerer Stefan Pilgram auch in Herrsching erklärte, würde ein Standortwechsel zwischen zehn und 13 Millionen Euro an Kosten verursachen – und wurde vom Kreistag ausdrücklich ausgeschlossen.

Bürgermeister Christian Schiller erläuterte nochmals, warum es im Norden zwischen Seefelder Straße und Gewerbegebiet nicht geklappt hat mit den Grundstückskäufen – man habe lediglich fünf Grundstücke erwerben können. Auf Grund von Gutachten wollte die Gemeinde nicht mehr als 70 Euro je Quadratmeter zahlen. Sollte das Bürgerbegehren die nötigen Unterschriften zusammenbekommen und diese im Rathaus abgeben, beginne die Sperrzeit für weitere Beschlüsse, erklärte Schiller. Das könnte sich auch vor einem Bürgerentscheid verzögernd auf den nötigen Bebauungsplan auswirken, mit dessen Erarbeitung Mitte nächsten Jahres begonnen werden kann. Sollte das Begehren auch bei einem Bürgerentscheid erfolgreich sein, darf die Gemeinde ein Jahr lang nichts für den Standort Mühlfeld tun. Landrat Karl Roth ließ offen, was der Landkreis in diesem Fall unternimmt. Roth warb für den Standort als „Glücksfall“, das Gymnasium sei „ein Riesengewinn für Herrsching“.

Deutlich mehr Befürworter des aktuellen Standorts waren anwesend

Dass deutlich mehr Befürworter des aktuellen Standorts Mühlfeld im Saal waren als Gegner, war bei fast jeder Wortmeldung zu merken. Ein Vater aus Seefeld mahnte alle Herrschinger, sie würden nicht nur für sich entscheiden. Ein Neubürger fragte, was so schlimm an einem Gymnasium in Seefeld wäre – Hechendorf war zeitweise als Standort im Gespräch. Schiller verwies auf den Standortfaktor für Zuzug und meinte scherzhaft: „Ich mache zwar mit meinem Bürgermeisterkollegen Wolfram Gum Musik, aber das Gymnasium habe ich ihm nicht gegönnt.“

Es ging aber auch um konkrete Aspekte: Wie kommen die Schüler zum Gymnasium? Die meisten per Bus, sagte Landrat Roth, und die per S-Bahn kämen, könnten die 1,1 Kilometer am See entlang laufen.

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