Fühlt sich willkommen in der Pfarreiengemeinschaft: Elisabeth Schmidt hat schon im Oktober die lange unbesetzte Stelle für Kirchenmusik in Herrsching übernommen.
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Fühlt sich willkommen in der Pfarreiengemeinschaft: Elisabeth Schmidt hat schon im Oktober die lange unbesetzte Stelle für Kirchenmusik in Herrsching übernommen.

Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost

Eine glückliche Fügung

  • vonAndrea Gräpel
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Es war ein vertrautes Gefühl, als Elisabeth Schmidt im Oktober vergangenen Jahres ihre Stelle als Kirchenmusikerin in der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost antrat. Die Freude war bei ihr, die in der Pfarrei St. Nikolaus groß geworden ist, und bei Pfarrer Simon Rapp gleichermaßen groß.

Herrsching – Lange schon hatte Pfarrer Simon Rapp diese Stelle besetzen wollen, für die er so sehr gekämpft hatte. „Bei mir haben sich viele vorgestellt – auch Betrüger“, verrät er, auf den mühsamen Weg zurückblickend. Das Problem war, dass die Stelle nur für maximal 30 Stunden ausgeschrieben war. „Die, die jetzt ihr Studium abschließen, haben ein unglaubliches Niveau. Was sollte die an so eine kleine Stelle treiben?“, weiß auch Elisabeth Schmidt. Unterdessen stellten Andechs’ früherer Kirchenmusiker Anton Ludwig Pfell, Annegret Stelzenmüller und die ehrenamtliche Organistin Christa Pirsch sicher, dass die Gottesdienste von Orgelmusik begleitet wurden. Das machen sie auch heute noch, denn die neue Kirchenmusikerin Elisabeth Schmidt besetzt auf eigenen Wunsch lediglich eine halbe Stelle.

Bei der Zusammenarbeit mit Pfell schließt sich für die gebürtige Herrschingerin ein Kreis. Denn ihren C-Schein für Kirchenmusik hat sie bei dem heute 70-Jährigen gemacht, als der gerade nach Andechs gekommen war – vor mehr als 30 Jahren. „Er war der nächste ausgebildete Kirchenmusiker“, erzählt Elisabeth Schmidt. Und sie erinnert sich noch sehr gut: „Wenn man Unterricht haben wollte, musste man in seinen Chor gehen.“ Sie muss lachen bei dem Gedanken daran und welch glückliche Fügung es für sie letztlich war, denn zehn Jahre später hat sie dort ihren Mann Wolfgang kennengelernt. Er, damals noch Tenor und mittlerweile Bass, singt heute in ihrem Chor und ist genauso wie die beiden Töchter, Apollonia und Magdalena, eingespannt, wenn Elisabeth Schmidt ein Großprojekt wie „Jesus Christ Superstar“ in der Nikolauskirche oder das Hallensingen in der Nikolaushalle stemmt. Insofern habe sich auch Rapp gefreut, als sich Elisabeth Schmidt nach langer Überlegung schließlich auf die freie Stelle bewarb und mit ihr nicht nur eine Kirchenmusikerin gewonnen hat, sondern eine ganze Familie. „Der Familienchor ist vor allem in Coronazeiten ein perfektes Format“, findet Elisabeth Schmidt.

Die 55-jährige Mutter von drei Kindern ist in Herrsching bekannt als Leiterin des MLV-Chors Cantilena und als Gesangslehrerin. Ihr Abschluss des Kirchenmusik-Studiums liegt fast 30 Jahre zurück. Aber ihre Kinder sind mittlerweile groß – 21,18 und 16 Jahre alt. Also dachte sie sich: „Wenn nicht jetzt eine Volleinstellung, wann dann?“ Volleinstellung heißt jedoch, dass sie weiterhin an der Musikschule unterrichtet, die andere Hälfte als Kirchenmusikerin.

„Ich hatte nur die Sorge, dass ich das mit der Orgel nach so langer Pause wieder hinkriege.“ Gut 20 Jahre hatte sie kaum an dem Königsinstrument gespielt. Es ist eine unbegründete Sorge, wie sich nicht zuletzt rund um Weihnachten herausstellte, als Rapp viele Termine anbot, damit möglichst viele Menschen teilnehmen können, „da habe ich 25 Gottesdienste begleitet“. Es gelingt ihr auch deshalb, weil sie mit Freude dabei ist, wenngleich sie mit dem Orgelspiel, beziehungsweise dem Instrument noch ein bisschen kämpfen müsse. „Vor allem mit der in Inning, da braucht man richtig Kraft“, sagt sie lachend. Ganz anders die Herrschinger Orgel, sie sei „ein Traum“.

Wer hätte das gedacht? Denn Elisabeth Schmidt führte den Chor Cantilena schon, als er noch Kirchenchor war und dann zur Musiklehrervereinigung (MLV) wechselte. Mit Pfarrer Rapp kam es zu einer neuen Annäherung. Die beiden verstehen sich gut. Was die neue Kirchenmusikerin besonders an ihm schätze, seien seine Offenheit und seine Begeisterungsfähigkeit. Nachdem sie in der Nikolauskirche zweimal „Jesus Christ Superstar“ über sie Bühne gebracht habe, hätte der musical-begeisterte Geistliche sogleich gefragt, wann nun „Josef“ folge – ein weiteres Musical aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Sie lacht, denn tatsächlich hat sie die Noten schon bestellt.

Der Schwerpunkt ihrer Arbeit soll gleichwohl die Kirchenmusik sein. So freut sie sich auf die Johannespassion, die Pfell schon zu Karfreitag 2020, zu seinem 70. Geburtstag, mit dem Kirchenchor einstudiert hatte. „Das holt er nach, und ich helfe ihm dabei“, verspricht sie. Für die Passionszeit sind Andachten mit musikalischer Begleitung geplant. „Mehr geht leider nicht.“ Sobald wie möglich will sich Elisabeth Schmidt zudem für die Kommunionsvorbereitung einteilen lassen. Denn ihr und Pfarrer Rapps Wunsch ist es, einen Kinderchor aufzubauen. „Das Kommunionsalter ist das beste Alter, um im Kinderchor zu singen“, weiß die Stimmbildnerin. „Vielleicht lassen sich ein paar begeistern.“

Genauso wichtig ist der neuen Kirchenmusikerin die Zusammenarbeit mit den übrigen Musikern in Herrsching, mit Pfell, mit den Musikschulkollegen, vor allem auch mit den Kollegen der evangelischen Gemeinde, mit denen Elisabeth Schmidt seit Jahrzehnten ein gutes Miteinander pflegt. Auch dies beweist, welch Glücksfall sie für die Pfarreiengemeinschaft ist, sie kennt sich aus, ist gut vernetzt und muss nicht alles neu kennenlernen. Eine Kirchenmusikern von Geburt quasi, denn schon ihre Mutter hat – allerdings in der alten St. Nikolauskirche – gespielt, der Großvater war dort Mesner. Nun sitzt Elisabeth Schmidt selbst an der Orgel in der neuen Nikolauskirche – und ist irgendwie zu Hause angekommen.

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