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Einer nach dem anderen von den lieben Gästen fällt irgendwann einem Mord zum Opfer.

Ammerseer Bauerntheater

Es darf spekuliert werden

Herrsching - Premiere beim Ammerseer Bauerntheater. Das Ensemble bringt Agatha Christies „Und dann gab‘s keines mehr“ auf die Bühne.

„Es hat Spaß gemacht, unter deiner Regie zu sterben“, sagte Franz Czasny zu Regisseurin Hanni Göppel nach der Premiere. Er nutzte den Moment, in dem der Applaus für die gelungene Umsetzung von Agatha Christies „Und dann gab’s keines mehr“ im Andechser Hof kurz abgeflaut war. Den Vereinsvorsitzenden nämlich beförderte Göppel als Anthony Marston als ersten ins Jenseits, dirigierte ihre Schäfchen eines nach dem anderen in einen dramatisch inszenierten Tod.

Seit September wurde das Stück mit zehn Darstellern einstudiert, ihnen das letzte bisschen Bairisch abtrainiert und bis in die Zehenspitzen Englisch aufgestellt. Die neue Übersetzung von Michael Raab und Felix Bloch Erben sah mit Fährmann Fred noch einen elften Mann vor. Die kurze Rolle zu Beginn traute Göppel am Freitag Bürgermeister Christian Schiller zu, an dem bekanntlich ein Schauspieler verloren gegangen ist. Er musste lediglich einen Korb an Mr. und Mrs. Rogers (Alexander Teubner und Christel Werner) überreichen, die sich auf „Soldier Island“ auf ihre Gäste vorbereiteten.

Darunter Major Philip Lombard (Alexander Tropschug), der sich gerade lässig einen Drink einschenkte, als die restlichen Hausgäste bühnenreif erstarrten: Über Lautsprecher wurden sie des Mordes beschuldigt. Nicht nur dabei schlüpften die Darsteller in Gestik und Ausdruck gekonnt in „the British way“. „Ist Ihnen Ihre Bekleidung nicht etwas zu ... eng?“, pikierte sich etwa Emily Brent (Anett Klose) über das hautenge Kleid der flotten Sekretärin Vera Claythorne (Ulli Steer).

William Blore (Tom Thaler) war der skrupellose Polizist, der die Baskenmütze tief in die Stirn zog und die Anwesenden im Wechsel leichtfertig des Mordes bezichtigte, bevor ein Verdächtiger nach dem anderen starb: Dr. Armstrong (Peter Schneider) von der Axt erschlagen, Emily Brent vergiftet. Sir Lawrence Wargrave (Manfred Huber) wiederum wurde erschossen, General Mackenzie (Stefan Weber) erdolcht. Blutrünstig geht es bei den Herrschingern in dieser Theaterproduktion zu, während die Gäste im vollen Premierensaal dem Mörder auf die Schliche kommen. Die Spekulationen darüber, wer wem was in welchen Drink geschüttet, die Nadel in den Hals gepikst oder die Axt übergezogen hatte, füllten in den Reihen der Zuschauer die Pausen. Jeder von ihnen ein potenzieller Mörder. So viel sei verraten: Der Bürgermeister war es nicht.

„Und dann gab’s keines mehr“ ist Freitag und Samstag am 7./8., 21./22., 28./29. und am 30. April jeweils ab 20 Uhr im Andechser Hof zu sehen.     mk

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