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Der Bürgermeister mit den Buchstaben: Christian Schiller hatte zu jedem Bestandteil von „Dank“ viele Ideen, die die Arbeit der Wehr beschrieben.

Unterhaltsame Jahresversammlung

Feuerwehr Herrsching: Top-Wahlergebnis für Kommandant, Standpauke vom Kassier

Weniger und doch mehr Einsätze, ein mit einem ausgezeichneten Ergebnis wiedergewählter Kommandant, erstmals ein Blaulichttag und eine Standpauke – die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Herrsching hatte am Samstag einiges zu bieten.

Herrsching– Zahlen können ebenso eindeutig wie missverständlich sein. Und Zahlen hatte die Feuerwehr Herrsching viele zu bieten bei ihrer Jahreshauptversammlung. Eine eindeutige: Kommandant Daniel Pleyer wurde bei einer Enthaltung von allen Aktiven wiedergewählt. Die uneindeutige: Die Wehr hat rund 80 Aktive, die allerdings tatsächlich fast nie vorhanden sind. Deswegen appellierten Pleyer und Vorstand Michael Polednik einmal mehr an alle Herrschinger, sich aktiv bei der Wehr zu engagieren: „Eure Gemeinde braucht Euch.“

Weniger Einsätze - aber faktisch mehr

Die Einsatzzahl ging im Jahr 2018 zwar leicht auf 595 zurück, faktisch sei es aber ein Anstieg. Denn: 2018 gab es ausnahmsweise kein Unwetter über Herrsching, das viele Einsätze binnen kurzer Zeit brachte. Die Masse macht der First Responder aus (408), der seit 20 Jahren existiert und durch den die Feuerwehrler viele Leben retten. Dass ein Rettungswagen erst nach 20 bis 25 Minuten vor Ort sei, sagte Pleyer, sei keine Seltenheit – diese Lücke füllen die Feuerwehrler. Der First Responder ist eine freiwillige Leistung der Wehr, über die Notwendigkeit wird nicht diskutiert. Herausragendes Ereignis im vorigen Jahr war die Indienststellung der beiden neuen Löschfahrzeuge (HLF), zu der es Pleyer zufolge keine Alternative gab: „Wir müssen dem Stand der Technik die Stirn bieten“, also muss auch die Wehr auf einem aktuellen Stand sein. Herausragendes Ereignis Nummer 2: Die Wehr bekam drei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft als Gerätewarte, was sich sehr positiv auf die Arbeit auswirke.

Gruppenbild mit Spielzeug: Die Feuerwehr ehrte und beförderte nicht nur, sie beschenkte auch verdiente Ehrenamtliche.

Und die Aktiven? Zu den rund 80 gehört die Jugend mit 23. Von den erwachsenen Aktiven hätten viele aus beruflichen oder familiären Gründen nicht durchgehend Zeit. Dazu kommt das Problem, dass viele tagsüber auswärts arbeiten. Daher rief Polendnik als Schwerpunkt für 2019 die Mitgliedergewinnung aus. Der Vorstand machte auch deutlich, er würde auf Fördermitglieder verzichten, wenn es mehr Aktive würden. Um Mitglieder zu finden, organisiert die Wehr für den 2. Juni auf dem Sportplatz erstmals einen Blaulichttag mit BRK, Wasserwacht, Polizei und anderen Organisationen.

Wahlen standen an – Kommandantenwahlen. Daniel Pleyer erhielt 35 von 36 Stimmen, und die eine war eine Enthaltung. Das beeindruckte auch Bürgermeister Christian Schiller: „Ein sagenhaftes Ergebnis.“ Martin Wastian stand nicht mehr als zweiter Kommandant zur Verfügung, für ihn rückte Peter Saur nach (33 Ja, einmal Nein, zwei Enthaltungen). Er sei einer, „der nichts falsch macht“, sagte Schiller.

Kassier Erkan Pinar nennt bei seinem Bericht keine einzige Zahl

Stets ein Höhepunkt bei Jahresversammlungen ist der Bericht von Kassier Erkan Pinar, der keine einzige Zahl nennt – diese Teile des Kassenberichts kann sich jeder selbst anschauen. Pinar verpackte manche Mahnung in einer kurzweiligen Rede. So sei die Feuerwehr ein Kollektiv wie die Borg aus der Science-Fiction-Reihe Star Trek (Raumschiff Enterprise), allerdings scherten manche aus. So gehe es nicht, dass Aktive bei einem Alarm in der Kneipe blieben und andere fahren ließen. Zur Finanzlage sagte Pinar dann doch etwas: Das Spendenaufkommen sei rekordverdächtig gewesen, die Ausgabe aber auch.

Schiller klebte bei seinem Grußwort nach und nach das Wort „Danke“ ans Pult – und für jeden Buchstaben hatte er passende Schlagworte. D wie „dauerhaft dienstbereit“ oder auf Fränkisch „Däglich a dolles Deem“. A wie „aktiv“ und „auffällig“, N wie „neu“ im Bezug auf Fahrzeuge und Hauptamtliche sowie K für „kompetent, konstruktiv und kooperativ“. Das E steht bei Schiller für „Ehrenamt“ und „Engagement“. Die Wehr dankte zurück. Pleyer: Die Gemeinde habe ihre Aufgaben vorbidlich erfüllt. Herrschings Polizeichef Ernst Schilling bescheinigte der Wehr eine tolle Zusammenarbeit und unterstrich, Angriffe oder Beleidigungen gegen Ehrenamtliche dürfe man nicht dulden. Kreisbrandrat Peter Bauch nannte die Herrschinger eine „unglaubliche Feuerwehr“, dankte für die Unterstützung etwa bei den Schneeeinsätzen und die Ausrichtung des jährlichen Kommandantentages.

ike

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