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Üben für die Einsatzfahrt: Jens Hartung(am Steuer) sowie Ausbilder Reiner Greif, Markus Reichart, Sebastian Auhuber, Daniel Rothfuß, Alexander Wollleschak und Lukas Bergmann (v.l.) am Simulator. 

Feuerwehr

Mehr als nur ein Sonderrecht

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Wie verhalte ich mich bei einer Einsatzfahrt? Feuerwehrleute konnten das jetzt am Fahrsimulator üben.

Herrsching – In Hausen ist die Hölle los: Dauernd passieren Unfälle oder es brennt. Andauernd fahren Feuerwehrautos mit Martinshorn und Blaulicht durch den Ort. Allerdings nicht im realen Leben, denn dieses Hausen existiert nur auf dem Computer – einem Fahrsimulator für Feuerwehrleute. Ehrenamtliche konnten diese Woche in Herrsching Einsatzfahrten üben, und die Ausbilder sparten nicht mit Kritik.

Sebastian Auhuber von der Feuerwehr Herrsching, Jens Hartung und Daniel Rothfuß aus Gilching, Kreisbrandrat Markus Reichart aus Höhenrain, Alexander Wollleschak von der Wehr Weßling und Lukas Bergmann aus Oberpfaffenhofen waren sechs von drei Dutzend Feuerwehrlern, die sich in den Simulator wagten. Organisiert vom Landesfeuerwehrverband und umgesetzt von der Versicherungskammer Bayern und dem Innenministerium, hilft die Schulung, Unfälle auf Einsatzfahrten zu vermeiden. 75 Prozent alle Unfälle mit Rettungsfahrzeugen passieren während der Fahrt zu einem Notfall, und in zwei Dritteln der Fälle hätten die Fahrer die Unfälle vermeiden können. Bei einer Einsatzfahrt besteht ein viermal höheres Risiko für einen tödlichen Unfall und ein 17-faches Risiko eines Unfalls mit hohem Sachschaden. Reiner Greif, Ausbilder an der Feuerwehrschule Regensburg, macht allen Ehrenamtlichen unmissverständlich klar: „Nur weil wir in einem roten Auto sitzen, sind wir nicht erhabener.“

Mit Martinshorn und Blaulicht

Mit Martinshorn und Blaulicht – und nur mit beidem – sind Feuerwehrfahrzeuge von der Straßenverkehrsordnung befreit, haben aber keinen Freibrief – und die Fahrer eine hohe Verantwortung. So dürfen die Maschinisten am Steuer nur in Schrittgeschwindigkeit in Kreuzungen einfahren, haben Richter entschieden. Das Sonder- und Wegerecht dürfe man auch nicht erzwingen. Schneller fahren dürfen sie, aber auch nicht zu schnell: Im Ort mit 80 km/h gilt unter Umständen als grob fahrlässig – würde ein Fahrer einem 30 Meter entfernten Fußgänger erkennen, ergäbe sich aus Reaktions- und Bremsweg noch ein Aufprall, der einem Sturz aus acht Metern Höhe entspricht. Anschnallen ist übrigens auch in Feuerwehrfahrzeugen Pflicht.

Häufig merkten Maschinisten gar nicht, dass die Einsatzfahrt sie überfordere, sagt der 56-jährige Experte. Schlafmangel kostet Aufmerksamkeit bei Nachteinsätzen, oder die Gedanken kreisen schon um den Einsatz. Dann wird der durch das Adrenalin erweiterte Wahrnehmungsbereich zum Tunnelblick, und der kann gefährlich sein. Auch im Landkreis, wie Kreisbrandrat Markus Reichart erklärt: Es sei schon mal ein Löschfahrzeug an einem Lkw hängen geblieben, und erst vor wenigen Wochen machte eine Autofahrerin die Feuerwehr für einen Schaden verantwortlich, der beim Ausweichen für ein Einsatzfahrzeug entstanden war. Der Feuerwehrler am Steuer hatte davon gar nichts mitbekommen.

Unvernünftig wie im echten Leben

Der Simulator – große Bildschirme und ein Fahrersitz mit Lenkrad – soll den Aktiven aufzeigen, wo die Grenzen liegen. Deswegen sind Autofahrer und Fußgänger im Computer ebenso unvernünftig wie im echten Leben: Sie machen nicht Platz, bilden keine Rettungsgassen oder laufen trotz herannahendem Feuerwehrauto auf die Straße. Das Martinshorn, so raten Greif und Florian Ramsl von der Versicherungskammer, sollte dauerhaft eingeschaltet sein, auch wenn es nervt und manchmal Anwohner auf die Palme bringt. Nur dann wird das Herannahen eines Löschfahrzeugs für alle angekündigt, auch wenn es noch nicht zu sehen ist.

Der Simulator ist ein Baustein im Konzept der Kreisbrandinspektion, Maschinisten auszubilden. Kreisbrandmeister Anton Graf, Ausbildungsleiter für den Kreis, hat für diese Runde Simulator vor allem die Fahrer der kleineren Fahrzeuge im Blick und die Fahrer der First Responder. Für die großen Löschfahrzeuge organisiert die Inspektion regelmäßig Fahrsicherheitstrainings in Augsburg, bei denen die Fahrer mit ihren eigenen Lkw üben. Viele Wehren, sagt Reichart, veranstalteten eigene Sicherheitstrainings. Der Simulator helfe, taktisches Fahren zu üben: Überhole ich oder nicht? Fahre ich auf die Gegenspur oder ist das Risiko zu hoch? Greif: „Die Gegenspur ist die gefährlichste Spur.“ Oder: Bemerkt der Autofahrer an der Einmündung das Rettungsfahrzeug oder nicht?

Auch der Kreisbrandrat hat viel gelernt

Markus Reichart hat bei dem Training viel gelernt – auch wenn er in mehr als 25 Jahren Ehrenamt tausende Einsatzfahrten absolviert hat. Die Sensibilisierung sei wichtig, beispielsweise bei der Gefahrenerkennung. Die Geschwindigkeit müsse man „mehr im Blick haben“, so sein Fazit. Deswegen sei eine Simulatorfahrt für Junge lehrreich und für Erfahrene eine wichtige Auffrischung.

Vorsicht trotz Eile hat für alle Rettungsdienste elementare Bedeutung. Denn: Kommt es zu einem Unfall, muss die Feuerwehr stoppen – sonst wäre es Unfallflucht. Das könnte schwerwiegende Folgen haben, und die will niemand.

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