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Die Gänse machen es s ich in der Herrschinger Bucht gemütlich, die Bucht ist als jagdrechtliche Ruhezone ausgewiesen, also haben sie hier auch nichts zu befürchten. Schlau wie sie sind, merken sie sich das.

Gänseproblematik am Ammersee

Zu viele Gänse: Fischer wünschen sich Hege-Konzept

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Die Fischer würden wegen der Vogelpopulation auf dem Ammersee gerne wieder die Jagd ausüben. Im Umweltministerium fand dazu ein Gespräch statt. Ergebnis: enttäuschend. 

Herrsching– Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hätte gern mehr erreicht. Dr. Bernhard Ernst, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Ammersee, ist auf ganzer Linie enttäuscht. Gemeinsam hatten sie einen Gesprächstermin bei Umweltministerin Ulrike Scharf. Es ging um Jagdrecht, Gänsepopulation und Zerkarien.

Wie berichtet, würden die Fischer gerne wieder die Jagd auf dem Ammersee ausüben. Diese war ihnen über viele Jahrhunderte bis 2008 überlassen. Damals wurde der Pachtvertrag in der alten Form nicht verlängert, die Jagd vom Boot aus nicht mehr erlaubt. Statt jährlich etwa 300 Enten, Gänsen und Schwänen sei die Jagdstrecke seit 2008 nun auf etwa 30 Enten und vielleicht fünf Gänse im Jahr gesunken. Genau da macht Ernst das Problem aus.

Bis zu dem Gespräch in München war der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft davon ausgegangen, dass die Pacht wieder zu vergeben sei. In dem Glauben seien Fischer von der Schlösser- und Seenverwaltung gelassen worden. Bei dem Gespräch habe er nun erfahren, dass die Pacht wieder an ortsfremde Jäger vergeben worden ist – schon im April. „Wenn das sinnvoll wäre, wäre das okay.“ Aber diese Jagdpächter seien weder ortsgebunden, noch greifbar. „Damit ist dem See überhaupt nicht geholfen“, findet der promovierte Biologe und reagiert mit blankem Unverständnis.

„Es geht nicht darum, dass sich die Fischer irgendwelche Rechte rausnehmen, sondern es geht mittlerweile um das Gemeinwohl und um Hege.“ Wenn man einen Sportplatz nicht mehr nutzen könne, weil er komplett verkotet sei, wie in Herrsching, „was soll denn noch passieren?“, fragt sich Ernst. Dem nicht genug, sei als gutachterliche Stellungnahme für das Gespräch mit der Umweltministerin und Vertretern des Finanzministeriums in München ein Gewässerentwicklungskonzept herangezogen worden, das vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim mit Fachbehörden, Gemeinden und Verbänden abgestimmt, aber laut Schiller von den Bürgermeistern der Seegemeinden nicht mitgetragen wurde. Und es enthält ein Ruhezonenkonzept, das keine Relevanz haben solle. So sei es den Fischern schriftlich versichert worden, sagt Ernst.

In diese Ruhezonen fallen alle Badebereiche, also auch die Herrschinger Bucht. Nach dem Ruhezonenkonzept darf dort nicht gejagt werden. „Ja, wenn überall sonst geschossen wird, wo gehen die Gänse dann hin?“ Ernst kann den Sinn dahinter nicht erkennen. „Ich sehe dringenden Handlungsbedarf. Die Situation wird sich noch verschärfen“.

Was man der Gemeinde Herrsching für ihr Gänseproblem bislang zugesteht, ist eine Schonzeitverkürzung um 15 Tage. Ab Samstag darf der Gemeindejäger wieder auf Gänsejagd gehen, statt erst ab August. „Das ist viel zu wenig“, weiß Schiller. „Denn wenn der Gemeindejäger ein Tier nicht gleich tötet, flüchtet es in den See. Und wenn es auf dem See ist, darf er ihm nicht nachsetzen.“ Vom Ufer auf den See zu schießen, ist nur den Seejägern vorbehalten. Schiller hofft auf ein weiteres Gespräch, das nun mit Umwelt- und Landwirtschaftsministerium gemeinsam zu diesem Thema geführt werden soll. Im Landwirtschaftsministerium ist das Jagdrecht geregelt. „Wenn See- und Gemeindejäger zusammenarbeiten, können sie vielleicht etwas bewirken.“

Ernst wünschte sich ein Gesamtkonzept für den See, ein Hegekonzept. Es gehe nicht nur um die Gänse, sondern ebenso um Möwen, die in zunehmenden Maße Boote und Stege verkoteten, und auch um Enten. Sie verursachten vermutlich die in Vergangenheit vor allem in der Herrschinger Bucht vermehrt problematische Zerkariendermatitis. Das ist der fiese Hautausschlag, über die viele Badegäste klagen. „Gänse, Möwen und Enten sind, was die Jagd, betrifft völlig unterschiedliche Herausforderungen.“

Die Zerkarienproblematik verdeutliche, so Ernst, wie komplex Hygieneprobleme sein können. So würden die für den Menschen ungefährlichen, aber dennoch sehr unangenehmen Zerkarien bei Wassertemperaturen von deutlich über 20 Grad frühestens ab Mitte Juli im Uferbereich von Wasserschnecken freigesetzt. Die Schnecken infizierten sich aber vermutlich schon in der Zeit zwischen März und Mai am Kot von Enten. Bis zu 100 Tage tragen diese Schnecken die Eier in sich. Für Ernst fügt sich damit ein Bild zusammen. „Wenn es nicht gelingt, die Enten in der entsprechenden Zeit in den Badeanlagen im Zaum zu halten, ist der Zerkariendermatitis vermutlich nicht Herr zu werden“, meint der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft. Und das Jagdkonzept schließt den bislang hauptsächlich betroffenen Badebereich in Herrsching als Jagdruhezone von der Entenjagd aus.

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