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Die wilden Gänse nehmen das Ufer der Herrschinger Bucht zurzeit wieder mächtig in Beschlag und vergraulen so manchen Sommerfrischler. 

Gänseplage am Ammersee

Gänse machen sich am Ammersee breit

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Am Herrschinger Seeufer machen sich die Gänse breit. Es sind gefühlt so viele wie noch nie. Ihr Dreck ist überall.

Herrsching – „Bei 180 hab’ ich aufgehört zu zählen“, berichtete Uli Sigl seinen Ratskollegen am Montag. Im Herrschinger Gemeinderat ging es einmal mehr um die Gänseproblematik am See. „Es sind so viele wie noch nie“, meint Sigl. Die sommerlichen Temperaturen, die heuer schon im Mai einsetzten, machen das Problem akut. Die Liegewiesen sind verkotet. Und die Wassertemperaturen sind mittlerweile so hoch, dass damit auch die Zerkarien auftauchen könnten. Jene Larven, die so lästige Ausschläge auf der Haut hinterlassen. Bislang gab es zumindest im Rathaus Herrsching darüber noch keine Beschwerden.

Dr. Andreas König, Wildbiologe an der Technischen Universität Weihenstephan, hat seine eigene Theorie, als der Starnberger Merkur bei ihm nachfragt. Die Population der Gänse habe auch mit dem Sozialverhalten der Menschen zu tun. Es komme immer wieder vor, dass die Tiere gefüttert würden. Attraktiv ist die Herrschinger Bucht für Gänse auch deshalb, weil sie eine geringe Wassertiefe hat. So wie am Starnberger See in Kempfenhausen. „Überall dort halten sich viele Tiere auf.“ Mit Jagen werde man der Plage nicht Herr, weiß König, der selbst Jäger ist. „Man kann nicht mit allen Mitteln alles erreichen“, sagt der Wissenschaftler. Man brauche ein Konzept. Sein Institut habe dies bereits an anderen Seen praktiziert, daher weiß er: „Man kann das ganz gut lenken.“ Mit Jägern und Dämmzäunen und ähnlichem.

Die Gemeinde Herrsching hat wie in den Jahren zuvor eine Schonzeitverkürzung beantragt, erwiderte Bürgermeister Christian Schiller auf die Anmerkung Sigls. Normalerweise gilt die Schonzeit bis August. In den vergangenen Jahren waren die Vögel bereits Mitte Juli zum Abschuss freigegeben worden.

Das Zerkarienproblem hat mit der Gans aber möglicherweise wenig zu tun. Zerkarien sind die Larven von Saugwürmern, die über die Haut der Beine in Gänse und Enten eindringen und mit dem Kot ausgeschieden werden. Grundsätzlich sei es unwahrscheinlich, dass diese Larven von den Gänsen ins Wasser gelangen, sagt König. Dies hatte er gegenüber dem Veterinäramt Landsberg schon im vergangenen Jahr erklärt, als die Meldungen über Ausschläge an Badenden ihren Höhepunkt erreicht hatten (wir berichteten). Vielmehr müssten es Enten sein, die die Zerkarien ins Wasser bringen, denn Gänse schlafen und rasten zwar auf dem Wasser, aber sie fressen an Land, dort werde auch „abgekotet“. So nennt es der Wissenschaftler und vergleicht den Vorgang mit einem Durchlauferhitzer, „sie fressen und scheißen alle paar Minuten – überall, aber nicht im Wasser“. Enten dagegen koten ins Wasser. König meint daher, dass eher die Ente den Auslöser für die Pusteln liefert.

Einzige Ausnahme, dass eine Gans im Wasser abkote, sei während der Mauser. „Die geht gerade zu Ende“, so König. Obwohl die Wassertemperatur erreicht ist, ab der sich Zerkarien entwickeln (etwa 20 Grad), wurden aber noch keine Ausschläge gemeldet.

Das Problem der vollgekoteten Liegewiesen ist damit nicht gelöst. Und dies ist zurzeit „unsäglich“, fand auch Willi Welte am Montag. König ist überzeugt, dass das mit einem Konzept und Duldungsräumen zumindest eingedämmt werden könnte.

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