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Eine andere Entscheidung wären ihm und seinen Gemeinderäten lieber gewesen: Bürgermeister Christian Schiller vor der Bauruine, die seit sechs Jahren im Herzen Herrschings steht. Herrsching hatte das Einvernehmen für den aktuellen Antrag versagt, das Landratsamt sprach trotzdem eine Genehmigung aus. 

Bauruine in Herrsching

Endlich geht es weiter

Herrsching - Der Rohbau an der Mühlfelder Straße gehört mittlerweile zum gewohnten Straßenbild Herrschings. Seit knapp sieben Jahren steht die Baustelle still. Kaum eine Ruine hat so lange Bestand. Zuletzt stand eine Klage der Gemeinde im Raum. Nach der Winterpause kann Bauherrin Melanie Danner aber loslegen.

Die Baustelle an der Mühlfelder Straße 22 in Herrsching schreibt Ortsgeschichte. Seit sechs Jahren geht an dem Wohn- und Geschäftshaus nichts weiter, bis zuletzt kämpfte die Gemeinde gegen eine „dreiste Unverfrorenheit“. So nannten die Gemeinderäte die Überschreitungen, die sich der Bauherr geleistet hatte. Nachdem das Landratsamt einknickte, wollte die Gemeinde alleine klagen (siehe Chronologie). Seit Montag wissen die Gemeinderäte, dass daraus nichts wird. Selbst CSU-Gemeinderat Willi Welte resignierte im Bauausschuss: „Wenn wir null Chance auf Erfolg haben, muss es wohl ein Ende haben.“

Der Name Danner ist in den sechs Jahren zu einem Begriff in Herrsching geworden. Die Ruine steht im Herzen der Ammerseegemeinde. Unübersehbar. Ging es jahrelang um die Ausnutzung des Grundstücks, blieb nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts ein Streit über Stellplätze übrig. Deren Anzahl und der Nachweis war schwierig – trotzdem genehmigte das Landratsamt den neuerlichen Bauantrag.

Seit September liegt diese Genehmigung vor. Die Gemeinde reichte Klage ein – sie zweifelt den Stellplatznachweis an und hält die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken für zu gering. „Jeder, der dort entlanggeht, wird sehen, dass das nicht funktioniert“, sagte Wolfgang Schneider (SPD). Dennoch stimmte eine 6:3-Mehrheit am Montag für die Rücknahme der Klage.

Die Anwälte der Gemeinde erkennen nämlich keine Klagebefugnis: „Zahl, Größe und Beschaffenheit der Stellplätze sind nicht Gegenstand einer bauplanungsrechtlichen Prüfung durch das Bauamt.“ Gemeinderat Welte grollte („Erst erteilt das Kreisbauamt eine Beseitigungsanordnung und jetzt spielen Abstandsflächen und Stellplätze keine Rolle mehr.“) und resignierte.

Bauherrin ist mittlerweile Melanie Danner, die Tochter des ehemaligen Bauherrn. Sie betreibt seit 1999 gleich nebenan eine Physiotherapie-Praxis und wollte mit ihren Geschäftsräumen längst in den Neubau eingezogen sein. Natürlich freute sie sich gestern. Gleichwohl kann sie nicht gleich loslegen. „Es ist Winterpause“, sagte sie gegenüber dem Starnberger Merkur.

Sobald die Temperaturen es zulassen, soll ein Gutachter kommen, der beurteilen muss, ob der Bau fortgesetzt werden kann oder aufwändige Erneuerungen notwendig sind. Ob sie die Kosten, die im Laufe der sechs Jahre entstanden sind, einklagen will, weiß sie noch nicht. Für Melanie Danner ist erst mal wichtiger, dass das Haus weitergebaut wird: „Je schneller desto besser.“

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