An dieser Stelle könnte ein Kraftwerk entstehen: Josef Birner hat das Grundstück schon lange gesichert. Seit 2020 wird er bei seinem Projekt durch seine Tochter Sophie unterstützt.
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An dieser Stelle könnte ein Kraftwerk entstehen: Josef Birner hat das Grundstück schon lange gesichert. Seit 2020 wird er bei seinem Projekt durch seine Tochter Sophie unterstützt.

Crowdfunding-Projekt

Geothermie salonfähig machen

  • vonAndrea Gräpel
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Das kategorische Nein zur Tiefengeothermie des Gemeinderats Inning (wir berichteten) hat das Team von „Geothermie Ammersee“ hart getroffen.

Herrsching – Hinter der Herrschinger Gesellschaft steht Josef Birner, der sich nach fast neun Jahren nun gemeinsam mit einem Ingenieur und einem Risikomanager ein zweites Mal anschickt, in Herrsching Geothermie zu fördern. Die Gesellschaft selbst besteht bereits seit 2010. Mit im Boot ist diesmal seine Tochter Sophie Birner (32), die als Marketingexpertin in Wien und München Erfahrung sammelte und nun wieder an den Ammersee zurückgekehrt ist, um das Thema „salonfähig“ zu machen. Im vergangenen Jahr haben sie das Projekt also neu aufgestellt, das den 65-jährigen Josef Birner schon zwei Jahrzehnte umtreibt.

Erst im November hat „Geothermie Ammersee“ vom Wirtschaftsministerium erneut eine Erlaubnis zum Aufsuchen von Tiefengeothermie erhalten. Erzeugt werden könnte nicht nur Wärme, sondern auch Strom. Schon im August war der Antrag gestellt worden, der durch das Ministerium auch den Gemeinden bekannt gemacht wurde, bevor der Zuschlag erteilt werde, erklärt Sophie Birner. Entsprechend erstaunt sei sie gewesen, weshalb Innings Bürgermeister Walter Bleimaier sich in einer Gemeinderatssitzung Ende des Jahres beschwert hatte, nicht informiert gewesen zu sein. „Das war ja viel früher schon bekannt“, sagt sie.

Das Nein aus Inning kam zu einem Zeitpunkt, als sich das Team gerade bereit machte, an die Kommunen heranzutreten. An sämtliche Kommunen im 200 Quadratkilometer großen Gebiet, dessen Eckpunkte durch Inning, Starnberg, Tutzing und Fischen markiert werden. Es ist genau der Bereich, in dem auch die Trinkwasserversorgung Vierseenland zu Hause ist. Deren Vorstand hegt große Bedenken. Größte Sorge von Maximilian Bleimaier und seinem Kollegen Thomas Tinnes ist es, dass bei der Bohrung Schichten vermischt würden und das Grundwasser dadurch möglicherweise sogar radioaktiv verunreinigt würde, weil der Zerfall von Uran und Thorium im Erdinnern die Wärme erzeuge.

Sophie Birner hofft, diese Bedenken bei einem in der kommenden Woche terminierten Gespräch beim Trinkwasserversorger entkräften zu können. „Unser Aufsuchungsgebiet liegt im sogenannten Markt Schwabener oder Münchner Verwurf. Alle Projekte, die dort liegen, sind fündig geworden“, sagt sie. Die Bohrungen in Bernried zum Beispiel seien vermutlich deshalb nicht erfolgreich gewesen, weil der Bereich nördlich von Weilheim nicht in diese Zone reiche. In Herrsching stünden die Chancen dagegen „sehr gut“. Chemikalien für sogenanntes Fracking müssten nicht zum Einsatz kommen, seien auch in Bayern verboten. „Und dass sich Schichten vermischen, ist ausgeschlossen“, sagt sie und spricht von einem in sich geschlossenen System beim Bohren, das sicher sei. Sophie Birner nennt das Fünfseenland „schönstes Fleckchen Erde“. Sie sei selbst dort groß geworden und gerade erst zurückgekehrt, „das wollen wir sicher nicht gefährden“.

Mit Details zu ihrem Vorhaben wollte das Team um Vater und Tochter Birner erst jede betroffene Gemeinde im Claim, Trinkwasserversorgung und Landrat „abholen“, bevor es im Anschluss an die Finanzierung gehen soll. Dann grätschte mittendrin Inning dazwischen. „Das macht die Arbeit nicht leichter“, sagt die Marketingexpertin. Die Gesellschaft Geothermie Ammersee will sich nicht entmutigen lassen, will auch mit patentierten Verfahren zur Energienutzung mittels flüssiger Luft und zum Pumpensystem überzeugen, die Josef Birner entwickelt hat. Dazu ist es vielleicht interessant zu wissen, dass er bis 1995 im Bereich Verfahrenstechnik bei BASF gearbeitet hat, bevor er sich mit seiner Frau auf Ferienvermietung konzentrierte.

„Wir stehen noch ganz am Anfang“, so Sophie Birner. Trotzdem habe die Gesellschaft schon international Aufmerksamkeit erregt, sagt sie. Über die Internetseite und ihren Auftritt in den sozialen Medien, in dem auch ein Erklärstück als Reaktion auf die Gemeinderatsitzung in Inning gepostet wurde, habe es bereits viele Anfragen gegeben. „Bekundungen von Interessenten, die sich bei Start des Crowdfundingprojektes beteiligen möchten, ergeben schon jetzt einen sechsstelligen Investitionsbetrag.“ Ziel sei aber, zuerst Kommunen und Bürger aus der Region mit ins Boot zu holen. Dazu bedient sich das junge Team des Instruments Crowdfunding, einer Finanzierungsform durch viele Einzelpersonen, Unternehmen und/oder auch Kommunen. „Da sind wir noch in der Planung“, sagt die 32-Jährige. Erst sollen die Gemeinden hinter dem Projekt stehen.

Was schon existiert, ist ein Grundstück, auf dem ein Kraftwerk entstehen könnte. Josef Birner hatte für eine Fläche neben dem ehemaligen Produktionsgebäude der Heine-Opto-Technik an der Seefelder Straße in Herrsching schon vor neun Jahren einen genehmigten Bauvorbescheid. Damals hatte er eine Aufsuchungserlaubnis für einen Bereich zwischen Frieding und Vorderfischen. Die Pläne ruhten, als die Diskussion über den Bau eines Gymnasiums an dieser Stelle geführt wurde. Einem neuerlichen Antrag sollte nichts entgegenstehen, meint Sophie Birner, schließlich sei ein Geothermiekraftwerk privilegiert. Auch die Gemeinde hatte damals keine Bedenken.

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