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Frau mit sozialer Ader: Gertrud Thyssen gründete 1945 das Säuglings- und Kinderheim im Ortsteil Wartaweil.

Projekt über Gertrud Thyssen

Geschichte ein Gesicht gegeben: Herrschinger Mittelschüler erhalten Preis

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Gertrud Thyssen - ein Name, der vielen Jugendlichen an der Herrschinger Mittelschule bislang kein Begriff war. Das hat sich geändert. Im Rahmen eines bayernweiten Schulprojekts hat die Klasse 6a das Leben der Herrschingerin beleuchtet - und damit den ersten Platz belegt.

Herrsching – Stefan Stenzel ist ehrlich. Gertrud Thyssen – „diesen Namen habe ich bis vor ein paar Monaten noch nie gehört“, räumt der 32-jährige Geschichtslehrer der Herrschinger Mittelschule offen ein. Dass sich dies bei ihm und vor allen Dingen seinen Schülern drastisch geändert hat, liegt an einem Projekt des Bayerischen Kultusministeriums. Im Rahmen des Wettbewerbs „Erinnerungszeichen“ sollten sich die Schüler im Freistaat mit der Biografie einer lokalen Persönlichkeit auseinandersetzen und deren Lebenswerk möglichst anschaulich sowie kreativ schildern. Die Herrschinger Mittelschüler der Klasse 6a wählten Gertrud Thyssen – und holten mit ihrer Präsentation bayernweit den ersten Platz.

Im Ortsbild präsent ist Gertrud Thyssen mit einer nach ihr benannten Straße.

Doch wer ist denn nun diese Frau Thyssen, die niemand so recht auf dem Schirm zu haben scheint? Um diese Frage zu beantworten, besuchten die Jugendlichen das Herrschinger Gemeindearchiv, in dem sie in Vorbereitung auf das Projekt auch erstmalig auf Thyssens Name gestoßen waren. Unter der Anleitung von Archiv-Leiterin Dr. Frederike Hellerer arbeiteten sich die Schüler also schrittweise in mehreren Besuchen durch die Lebensgeschichte der bis dato unbekannten Frau. Und fanden etwa heraus, dass Thyssen das Entbindungs- Säuglings- und Kinderheim im Herrschinger Ortsteil Wartaweil 1945 gegründet und bis 1963 geleitet hatte. „Vor allem in der Nachkriegszeit ein enorm wichtiger sozialer Beitrag“, betont Lehrer Stenzel.

Alle von Anfang an Feuer und Flamme

Die Bedeutung Thyssens war auch den Schülern recht schnell bewusst. „Sie waren alle von Anfang an Feuer und Flamme für sie“, sagt Stenzel. Dadurch, dass die Jugendlichen sich das Wissen mit Ausflügen ins Archiv und auch nach Wartaweil selbst praktisch von alleine erarbeiteten, habe sich eine ganz andere Dynamik entwickelt als im üblichen Schulunterricht. „Das war schon beeindruckend, wie motiviert alle bei der Sache waren.“

Im Gemeindearchiv erzählt Leiterin Frederike Hellerer über das Leben der Herrschingerin Gertrud Thyssen.

Als die 20 Schüler in mehreren Kleingruppen verschiedene Lebensabschnitte Gertrud Thyssens ausgearbeitet hatten, packten sie ihre Unterlagen zu einer gemeinsamen Präsentation zusammen. Lehrer Stenzel drehte zudem ein kleines Erklärvideo und schickte die Materialien an das Kultusministerium. Mit Erfolg. Vor wenigen Tagen kam die Rückmeldung aus München: Die Klasse 6a der Christian-Morgenstern-Mittelschule in Herrsching belegte im Bereich der Mittelschulen den ersten Platz.

Großer Erfolg für Herrschinger Mittelschüler

Für Stenzel und seine Schüler ein Riesenerfolg. „Wir sind alle total begeistert und freuen uns unwahrscheinlich“, unterstreicht der 32-Jährige. Als er die Nachricht vom Sieg vor versammelter Klasse übermittelte, blickte er in strahlende Gesichter. „Für viele Kinder auf der Mittelschule sind solche Erfolge etwas sehr Seltenes“, gibt Stenzel zu bedenken. „Sie bekommen oft gesagt, dass sie nicht mithalten können mit den Schülern vom Gymnasium.“ Das Projekt habe das Gegenteil bewiesen. „Sie haben mit ihrer intensiven Arbeit der Geschichte von Herrsching ein Gesicht gegeben.“ Und dafür gesorgt, dass künftig zumindest ein paar mehr Leute wissen, wer diese Gertrud Thyssen ist: die Gründering des Entbindungs-Säuglings- und Kinderheim Wartaweil.

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