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Giftige Schaumkronen

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Von: Andrea Gräpel

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Deutliche Schaumbildung: Seit Monaten beobachten Anwohner im Kienbach Schaum, vor allem nach starkem Regen. Im März und Mai fanden sich keine Schadstoffe, doch nun wurde PFC nachgewiesen.
Deutliche Schaumbildung: Seit Monaten beobachten Anwohner im Kienbach Schaum, vor allem nach starkem Regen. Im März und Mai fanden sich keine Schadstoffe, doch nun wurde PFC nachgewiesen. Foto: Wasserwirtschaftsamt Weilheim © Wasserwirtschaftsamt Weilheim

Auffälliger Schaum bei Starkregen hatte Anwohnern des Kienbachs in Herrsching im Mai Sorgen gemacht. Untersuchungen ergaben zunächst kein Ergebnis – in einer neuen Probe wurde nun der krebserregende Stoff PFC festgestellt. Eine Gefahrenlage sei aktuell aber nicht erkennbar, erklärt Kreissprecher Stefan Diebl.

Herrsching – Die Ergebnisse ließen lange auf sich warten. Bereits Anfang Mai bildete sich bei Starkregen auf dem Kienbach ein verdächtiger Schaum. Nun steht fest: Er war belastet. Das Landesamt für Umwelt in Augsburg teilte dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim Ende vergangener Woche mit, dass in einer im Juni entnommenen Probe eine erhöhte Belastung mit krebserregendem PFC (Perfluorierte Kohlenwasserstoffe) vorliege. Der Grenzwert sei erheblich überschritten worden. Die Weilheimer Behörde hat am Montag das Gesundheitsamt und das Veterinäramt am Landratsamt in Starnberg verständigt. Derzeit gehen die Verantwortlichen dort von keiner akuten Gefahrenlage aus, wie Sprecher Stefan Diebl sagt. Sicherheitshalber würden jedoch heute an der Einmündung zum Ammersee weitere Proben genommen, um diese Einschätzung zu untermauern.

Wie berichtet, hatte Angelika Preisinger aus Herrsching im Mai auf starke Schaumbildung aufmerksam gemacht und darauf, dass sie als Anliegerin des Kienbachs schon lange keine Fische darin mehr gesehen habe. Das Wasserwirtschaftsamt nahm schon damals eine Probe und schickte sie an das Labor des Landesamtes für Umwelt. Der Weilheimer Abteilungsleiter Stefan Raab sprach seinerzeit von Substanzen organischen Ursprungs, konnte aber keine besonderen Auffälligkeiten ausmachen.

Anfang Juni kam es wieder zu starker Schaumbildung, Angelika Preisinger schlug erneut Alarm. Wiederum wurde eine Probe gezogen. Das Ergebnis lag dem Wasserwirtschaftsamt am Freitag vor und überraschte auch Raab: PFC. Damit hatte er nicht gerechnet.

Nach Aussage des Laborberichts ist davon auszugehen, dass die Schaumbildung durch PFC hervorgerufen wurde. Dafür spreche, dass der Schaum sehr weiß war und selbst über Nacht nur unwesentlich zusammenfiel. Da in einer Probe vom vergangenen März jedoch kein PFC gefunden worden sei, seien für die damaligen und andere Schaumbildungen andere Faktoren ursächlich, heißt es im Ergebnis weiter.

„Weder im März noch im Mai hat es Hinweise auf PFC gegeben. Wir gehen zunächst von einem Einzelergebnis aus. Die Probe wurde auch nur an einer Stelle entnommen“, sagt Stefan Diebl vom Landratsamt. Akut sei deshalb nach Einschätzung des Starnberger Gesundheitsamtes von keiner Gefahrenlage auszugehen. „Ein Ausreißer“ sei nicht ausgeschlossen. Das Gesundheitsamt werde jedoch am heutigen Mittwoch selbst nachbeproben, um sicher zu gehen und um mögliche Unsicherheiten schnell ausräumen zu können.

Auch das Wasserwirtschaftsamt werde darum gebeten, stufenweise Nachbeprobungen von der Einmündung zum Ammersee und den Bachverlauf hinauf vorzunehmen. Damit es zu keinen zeitlichen Verzögerungen kommt, würden die Proben der Starnberger Behörde sogleich beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen untersucht, erklärt Diebl.

Zeitgleich beginnt die Suche nach dem Ursprung. PFC-Belastungen können vielerlei Ursachen haben. Im Kreis Landsberg war eine Belastung am Militärflugplatz Penzing und im angrenzenden „Verlorenen Bach“ durch Löschschaum nachgewiesen worden. PFC befindet sich auch in Kälte- und Treibmitteln, wird in der Galvanik verwendet, es steckt in Brennstoffzellen, in Fotovoltaikanlagen, Farben, Lacken und auch in Reinigungsmitteln.

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