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An dieser Stelle am südlichen Ortseingang von Herrsching soll das Gymnasium entstehen.

Sondersitzung des Kreistages

Gymnasium Herrsching: Forschungsprojekt mit Fragezeichen

Die nach wie vor ausstehende Genehmigung für das Forschungsprojekt hemmt die Planungen für das Gymnasium Herrsching. Auch die Verkehrsführung bereitet Probleme. Immerhin gibt es einen Plan, wie die Schule und Sportanlagen angeordnet werden könnten.

Herrsching/Starnberg – Die Planungen für das Gymnasium Herrsching stecken fest. Nachdem eine vergaberechtliche Genehmigung für das Forschungsprojekt mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) nach wie nicht vorliegt, kann das vom Kreis zusammengestellte Expertenteam kaum noch sinnvoll arbeiten – andernfalls würde der Kreis gegen EU-Recht verstoßen und Förderungen riskieren. Deswegen erfuhren Kreisräte und Herrschinger Gemeinderäte bei einer gemeinsamen Sondersitzung am Freitagabend in Starnberg zwar, dass es schon Skizzen gibt, doch blieben die unter Verschluss. Es gibt aber auch Fortschritte – und Bedenken.

Erster Schritt zum Gymnasium ist die Verkehrsanbindung. Dafür soll die heutige Einmündung der Straße aus Richtung Wartaweil vor dem Schloss Mühlfeld in die Straße aus Richtung Andechs in einen Kreisverkehr umgebaut werden. Das Staatliche Bauamt Weilheim hat zwar nichts dagegen, sieht aber keine Veranlassung, sich an den Kosten zu beteiligen – das kreiseigene Gymnasium sei der einzige Grund für den Umbau. Dazu soll es noch weitere Gespräche geben.

Bei der Prüfung der Busmöglichkeiten und der Gehwege kam der Kreis zu dem Ergebnis, dass die gesamte Staatsstraße entlang des Grundstücks auf mehr als 250 Meter auszubauen ist. Ein Grund dafür: Unter der Schule soll eine Tiefgarage entstehen, die Einfahrt ist etwas knifflig. Zudem muss eine Möglichkeit geschaffen werden, dass Schüler sicher über die viel befahrene Straße kommen. Dafür ist eine Überquerung mit Mittelinsel eingezeichnet – mehr derzeit nicht. „Es ist noch gar nichts festgelegt“, erklärte Verkehrsmanagerin Susanne Münster. Bei den Herrschinger Gemeinderäten kamen da Zweifel auf. „Ich finde das gefährlich“, meinte Gemeinderätin Rita Mulert (Grüne). Eine Ampel oder eine Brücke wären doch viel besser. Und Vizebürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann verwies darauf, dass Herrsching seit Jahrzehnten mit der schlechten Anbindung der Realschule gestraft sei.

Während Landrat Karl Roth eine Ampel als gesetzt ansieht, wollte Münster keine Zusagen machen. Kreiskämmerer Stefan Pilgram erklärte, Über- oder Unterführungen habe man geprüft, sei jedoch an fehlenden Flächen und der fehlenden Bereitschaft von Anliegern gescheitert, Flächen abzutreten. Roth geht zudem davon aus, dass die meisten der 600 bis 800 Schüler mit dem Bus kommen werden. Ein Zugang für Fußgänger über die Panoramastraße oberhalb des Schulgeländes ist ausgeschlossen – es gibt Zusagen an die Anwohner, keine Erschließung des Grundstücks von Osten zu planen. Pilgrams Zeitplan sieht vor, im nächsten Jahr den Kreisel bauen zu lassen. Die Staatsstraße soll später ausgebaut werden. Kostenpunkt: bis zu 1,5 Millionen Euro.

Hauptproblem im Moment ist die ausstehende Erlaubnis, vom Vergaberecht abweichen zu dürfen. Beim Forschungsprojekt mit der DBU sollen alternative Baustoffe untersucht werden und Möglichkeiten, die Schule möglichst technikfrei – ohne aufwändige und energiefressende Lüftung beispielsweise – zu bauen. Dafür hat der Kreis bereits diverse Experten aus Deutschland und Österreich verpflichtet. Wenn sie die Ideen auch umsetzen sollen, müsste der Kreis auf herkömmliche Ausschreibungen, teils europaweit, verzichten dürfen. Die Regierung von Oberbayern hat diese Genehmigung bisher nicht erteilt. Der Landrat hat bereits den Innenminister und einen Fachanwalt eingeschaltet; Gründe, die Erlaubnis zu verweigern, gibt es nach Einschätzung des Landkreises nicht. „Wenn wir die Erlaubnis nicht bekommen, gilt das EU-Recht“, sagte Pilgram – dann wären viele Ausschreibungen nötig, und ob dann die gewünschten Experten des bisherigen Teams den Zuschlag erhalten würden, ist fraglich. Für diesen Fall gibt es zwei Optionen: eine normale Ausschreibung oder einen Architektenwettbewerb. Beides dauert mehr als ein halbes Jahr und hat diverse Haken. Diese offene Frage verhinderte, dass bei der Sondersitzung Details bereits existierender Planungen genannt wurden. Die DBU hat erkennen lassen, bei einer Verweigerung der Genehmigung nichts zu fördern.

Dafür gibt es bereits erste Überlegungen, wie die Schul- und Sportanlagen auf dem rund 44 000 Quadratmeter großen Areal angeordnet werden. Viel Auswahl gibt es aber nicht. Die Schule muss rund 70 Meter von der Straße entfernt sein, sonst stört der Verkehrslärm. Auch, weil man ja eine technikarme Schule bauen will und deswegen die Fenster zu öffnen sein sollen. Zugleich darf die Schule wegen des Lärms, den sie verursacht, nicht zu nah an den Wohnhäusern stehen. Architekt Markus Thurnher will daher die Schule als Gebäude von 85 mal 85 Meter mit zwei bis drei Geschossen – je nach Größe der Schule – im Nordosten ansiedeln und mit einer Tiefgarage versehen. Letztere kostet rund 900 000 Euro extra. Die Sportanlagen sollen parallel zur Staatsstraße errichtet werden. Die Bushaltestellen sind derzeit nahe der Haupteinfahrt über den Kreisel situiert. Es soll für Schüler, die zu Fuß kommen, einen zweiten Eingang geben – jenen, an dem das Mittelinsel-Problem besteht. Wegen des ansteigenden Geländes wäre von der Panoramastraße nur ein Geschoss zu sehen. Die Tiefgarage für Lehrer soll 60 bis 80 Plätze haben; weitere Parkplätze auf dem Gelände sind derzeit nicht vorgesehen. Es handelt sich aber um Vorüberlegungen, mehr nicht.

Wegen der offenen Vergabefrage wollte Stefan Pilgram weder einen Kostenrahmen noch einen Zeitplan nennen. Das wäre, sagte er, nicht seriös. Albert Luppart (Freie Wähler) merkte etwas bissig an, es sei ja nicht das Thema, ob es 40 oder 50 Millionen Euro seien. Bei den Freien Wähler gibt es nach wie vor Vorbehalte gegen die Schule, auch wenn nur Bernhard Sontheim am Ende dagegen stimmte, auf Basis der Vorstudie weiter zu planen. Der Kreistag votierte ebenfalls dafür, bei Ausfall des Forschungsprojektes den normalen Vergabeweg zu gehen und keinen Wettbewerb auszurichten. Ein Antrag von Peter Unger (Grüne), die Schule bis ins Detail auf Inklusion auszurichten, wird in die weiteren Überlegungen einfließen.

Kreiskämmerer Pilgram plädierte einmal mehr dafür, nicht zu kleinlich zu sein beim ersten kreiseigenen Schulbau dieser Art: „Jetzt bauen wir einmal ein Gymnasium, dann bauen wir es auch gescheit.“

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