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Da soll es hin: Der Kreistag bleibt beim bisher geplanten Standort des Gymnasiums Herrsching und schließt einen Grundstückswechsel aus.

Klare Ansage

Gymnasium: Kreistag bleibt bei Standort

Der Kreistag hat am Montag klar gegen das Bürgerbegehren zum Gymnasiumsstandort in Herrsching bezogen, in dem er einen Standortwechsel ausschloss. Der wäre zudem immens teuer – bis zu 7,5 Millionen Euro, rechnete der Kreiskämmerer vor.

Landkreis/Herrsching – Mit überwältigender Mehrheit hat der Starnberger Kreistag am Montag eine Änderung des Gymnasiumsstandorts in Herrsching „ausdrücklich ausgeschlossen“. Damit reduzierte er die Frage des Bürgerbegehrens in gewisser Weise auf: Wollen Sie ein Gymnasium am Mühlfeld oder gar keines? Ausschlaggebend waren weniger Zeit- als vielmehr Kostengründe.

Landrat Karl Roth, der über das Begehren des CSU-Kreis- und Gemeinderats Willi Welte (fehlte entschuldigt) und des ehemaligen Herrschinger CSU-Chefs Gerhard Knülle (saß auf der Empore im Landratsamt) bekanntermaßen sauer ist, überließ es seinem Kreiskämmerer, die Fakten darzulegen. Bisher, rechnete Stefan Pilgram vor, habe der Kreis rund 1,5 Millionen Euro in ein Drittel des Grundstücks investiert und für die Erbpacht für die anderen zwei Drittel sowie für Nebenkosten. Der Bau des Kreisverkehrs am Mühlfeld und die vor wenigen Tagen gestarteten Planungen schlagen mit weiteren 1,4 Millionen Euro zu Buche. Bis Mai 2019, wenn es von den Architekten einen ersten Entwurf in Varianten geben soll, kommen noch einmal 550 000 Euro dazu.

Sollte man den Standort wechseln, müsse man wieder bei null anfangen – das brächte Pilgram zufolge eine Verzögerung von bis zu drei Jahren. Bei angenommenen Baukosten von 40 bis 60 Millionen Euro – eine genauere Schätzung gibt es in einem halben Jahr mit den Entwürfen – würde das wegen der anhaltenden Preissteigerungen im Baubereich zu Mehrkosten von bis zu 7,5 Millionen Euro allein beim Bau führen. Ein Standortwechsel würde daher zwischen zehn und 13 Millionen Euro kosten. „Als Kämmerer kann ich das nur ablehnen“, sagte Pilgram. Die Zahlen verfehlten ihre Wirkung nicht. Ferdinand Pfaffinger (Freie Wähler) ließ die Forderung seiner Fraktion nach einem Standortvergleich fallen: „Für uns ist das vom Tisch.“

Freie Wähler verzichten auf Standortvergleich

CSU-Fraktionschef Harald Schwab vermutet, man habe beim Bürgerbegehren die Rechnung ohne den Wirt gemacht – den Landkreis als Bauherren. Die Frage sei doch bei einem Erfolg des Begehrens, wer das Gymnasium dann errichte. Daher gehe es im Kern für die Herrschinger um die Frage „Gymnasium oder kein Gymnasium“. Ein „Problemgrundstück“, wie kolportiert, sei die Fläche am Mühlfeld nicht. Das hatte Pilgram deutlich gemacht, der Baugrund sei normal. Nach Ansicht von Tim Weidner (SPD) brächte das Begehren „unkalkulierbare Risiken“, und Peter Unger (Grüne) teilte nach allen Seiten aus. Manche erhofften sich wohl bei einem Standortwechsel ein großes Immobiliengeschäft mit hohen Gewinnen. Wie allerdings in Herrsching mit Leuten umgegangen werde – gemeint war der Ausschluss von Knülles Ehefrau von Übersetzungstätigkeiten (wir berichteten) –, sei „banannenrepublik-mäßig“.

Der Kreistag hatte sich eigentlich mit Anträgen von Freien Wählern und FDP zu befassen. Der der Freien Wähler hatte sich nach Pilgrams Vortrag praktisch erledigt. Dr. Oswald Gasser (FDP) bliebt jedoch bei der Forderung, zur Beschleunigung des Gymnasiums auf ein Forschungsprojekt mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zu ökologischem Bauen zu verzichten. Dafür bekam er keine Mehrheit, zumal die Stiftung erst im Januar entscheidet, ob sie das Projekt überhaupt startet. Der Kreis erhoffe sich Wissen und Fördermittel, werde den Bau aber auch ohne wie geplant vorantreiben, erklärte Roth.

Der Landrat betonte in der Sitzung mehrfach, er sehe keinen Grund, sich vom Standort Mühlfeld abzuwenden. Die Verkehrsanbindung sei kein Problem, da die allermeisten Schüler per Bus kommen werden und nur wenige per S-Bahn. Er hob hervor, dass die Schule nicht für große Erweiterungen konzipiert sei – geplant sind rund 600 Schüler, maximal kann sich Roth 800 vorstellen. Die Lage sei toll, auch wenn „die Schüler nicht die Zeit haben werden, lange aus dem Fenster zu schauen“.

Der Beschluss pro Mühlfeld fiel gegen zwei Stimmen. Bernhard Sontheim (Freie Wähler) ist gegen das Gymnasium an sich, und Johannes Puntsch (FDP) aus Herrsching befürwortet wohl den alten Standort im Norden Herrschings anstelle Mühlfeld.

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