Gymnasium Herrsching
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Will die Gemeinde bestimmte Ausstattungen für Sportanlagen am Gymnasium? Mit dieser Frage wird sich demnächst der Gemeinderat befassen. Die Sportanlagen kann die Gemeinde mitnutzen.

Gymnasium Herrsching

„Wir haben viele Vorteile“

Die absehbare Kostensteigerung beim Gymnasium Herrsching auf nun mindestens 87 Millionen Euro löst bei Herrschings Bürgermeister Christian Schiller zwar keine Begeisterung aus, für Zweifel am Vorhaben sorgt das aber nicht.

Herrsching –„Wir haben viele Vorteile durch den Neubau“, sagt Schiller. Deswegen rechnet er nicht damit, dass der Gemeinderat bei seiner Sitzung am 26. Oktober den Schulneubau in Frage stellen wird. Gleiches gilt für den Kreistag, der am Vormittag desselben Tages über das Vorhaben beraten will (wir berichteten). Herrsching übernimmt zehn Prozent der Kosten, in der Summe nach den neuen Zahlen sieben bis acht Millionen Euro. Der Gemeinderat muss noch entscheiden, ob er bestimmte Ausstattungselemente will oder nicht.

Schiller hatte bei der gemeinsamen Sitzung von Kreis- und Kreis-Bauausschuss am Donnerstag angekündigt, einige Punkte seinem Gemeinderat vorzulegen. Es geht dabei etwa um eine Flutlichtanlage für das Rasenspielfeld (rund 57 000 Euro), eine Induktionsanlage für die Sporthalle, die Hörbehinderten das Mithören ermöglicht (etwa 35 000 Euro) oder eine Anzeigetafel für die Sporthalle (etwa 12 000 Euro). Auch eine Beschallungsanlage (etwa 90 000 Euro) für die Halle hatten die Projektsteuerer des Landkreises als „für den Schulsport nicht erforderlich“ eingestuft. Vorteile solcher Einbauten hätten Gemeinde und Vereine. Schiller: „Der Gemeinderat muss entscheiden, ob es ihm das wert ist.“

Dem Rathauschef hatte die Diskussion in den Kreisgremien nicht durchgehend gefallen. Es sei, sagte er am Freitag, bei manchem der Eindruck entstanden, der Bedarf für das Gymnasium sei nicht erwiesen. Richtig sei, dass es eine aktualisierte Schulentwicklungsplanung für den Landkreis geben werde, wohl im Frühjahr nächsten Jahres. Nach seiner Einschätzung gehe es für das Gymnasium Herrsching dann um die Frage, ob dreizügig (drei Klassen pro Jahrgang, zirka 600 Schüler) oder sofort vierzügig gebaut werden müsse.

Dass der westlichen Landkreis neben Gilching ein weiteres Gymnasium benötige, sei schon seit zehn Jahren erwiesen. Zudem: Schülerzahl-Prognosen aus der Zeit vor zehn Jahren seien inzwischen teils um fast ein Drittel übertroffen worden. Und noch ein Argument hält Schiller Zweiflern entgegen: Viele Gymnasiasten aus dem westlichen Landkreis besuchten derzeit Schulen in anderen Landkreisen – wofür der Kreis auch bezahlt, wie Landrat Stefan Frey in der Sitzung hervorhob –, jedoch werden speziell im Kreis Fürstenfeldbruck wegen des neuen Münchner Wohngebiets Freiham die Plätze knapper. Billiger werde der Gymnasiumbau auch nicht, wenn man ihn einige Jahre verschiebt.

Dass die Gemeinde Herrsching wegen ihres Anteils von zehn Prozent angesichts der höheren Kosten in Schwierigkeiten kommt, erwartet Schiller nicht. Man habe viel Zeit, um das Geld an den Kreis zu zahlen – bis zu 30 Jahre, denn auf diese Zeitspanne will auch der Landkreis seinen Anteil refinanzieren, den er zum allergrößten Teil per Kredite aufbringen muss.

Nichts mit den Kosten zu tun hat die Verschiebung des ursprünglich für dieses Jahr geplanten Kanal- und des Ausbaus der Staatsstraße 2067 zwischen Gymnasium und Panoramastraße (Mühlfelder Straße). Wegen neuer Baugrunduntersuchungen habe sich weiterer Klärungsbedarf ergeben, sagte Kreiskämmerer Stefan Pilgram in der Sitzung. Deswegen habe man dieses Projekt auf Frühjahr 2021 verschoben.

Wie berichtet, wurden zum Schutz des Biotops der Gebäudeteil um mehr als einen Meter verschoben, der Pausenhof neu angeordnet und Zufahrten verändert. Einige Gutachten, etwa zu Entwässerungsfragen, liegen aber noch nicht vor. Der Bebauungsplan soll im November erneut ausgelegt werden – was an Einwendungen kommt, ist offen. Möglich ist daher, dass es noch weitere Änderungen geben muss. Das wisse man wohl erst im Frühjahr. Der bisher angestrebte Eröffnungstermin Herbst 2023 scheint kaum haltbar.

Nächste Woche treffen sich Landkreisvertreter mit Vertretern des Kultusministeriums wegen des Herrschinger Gymnasiums. Dann dürfte es auch um die Förderung gehen. Der Landkreis baut modern nach dem Lernhaus-System, was in Förderrichtlinien aber so nicht vorkommt. Die Mehrkosten muss er selbst tragen. Kreisrätin Martina Neubauer (Grüne) forderte Frey auf, mit dem Freistaat über höhere Fördersummen für Herrsching zu reden – das hatte der Landrat aber sowieso vor.

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