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„Im Grunde besteht sein Leben nur aus Handball“ - Hans Wannenmacher. Immer mit vollem Engagement betreute Jürgen Hoffmann seine Mannschaften. Noch arbeitet der 75-Jährige beim TSV Herrsching als Jugendtrainer. 

75. Geburtstag

Der Handballprofessor mit den Notizbüchern

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Er ist eine Institution im Landkreis: „Handballprofessor“ Jürgen Hoffmann feiert an diesem Montag seinen 75. Geburtstag.

Herrsching/Gilching – Am Anfang war das Wort. „Er war schon immer der Schmidi.“ Selbst Uli Sigl kann sich an nichts anderes erinnern. Der Abteilungsleiter des TSV Herrsching weiß eigentlich alles, wenn es um Handball geht. Aber woher Jürgen Hoffmann seinen Spitznamen Schmidi hat, kann er nicht sagen. Dabei ist der Gautinger, der an diesem Montag seinen 75. Geburtstag feiert, gewissermaßen eine Institution. Kein Trainer im Landkreis Starnberg hat mit seinen Teams so viele Erfolge gefeiert wie er. „Im Grunde besteht sein Leben nur aus Handball“, sagt sein langjähriger Wegbegleiter Hans Wannenmacher.

Der ehemalige Herrschinger Abteilungsleiter hat Hoffmann in den 80er Jahren vom TSV Gilching-Argelsried an den Ammersee gelotst. Wie schon in seinem Heimatverein löste der Trainer beim damaligen B-Klassisten einen Boom aus. „Er war für die Initialzündung verantwortlich“, stellt Sigl klar, dass die Erfolge von heute auf Hoffmann gründen. Mit jedem Titel und mit jedem Aufstieg webte sich um den drahtigen Coach in den ausgewaschenen Retro-Trainingsanzügen ein Mythos.

„Er war der Mann mit den Notizbüchern“, erinnert sich Armin Herle. Für den Ex-Spieler des MTSV Schwabing, der heute die Herren des TSV betreut, wurde Hoffmann zum Vorbild. „Von ihm kann man was lernen.“ Aber nicht nur er profitierte von ihm, auch Kurt Siglstetter hat dem Handball-Weisen viel zu verdanken. „Er ist vor allem ein Abwehrfuchs gewesen“, erinnert sich der ehemalige Trainer der Herrschinger Damen. Hoffmann allein auf das Verteidigen zu reduzieren, wird ihm jedoch nicht gerechnet. Michael Jaschunsky hält ihn für einen Universalgelehrten. „Er wird nicht umsonst der Professor des Handballs genannt“, sagt sein einstiger Zögling.

Man darf sich Jürgen Hoffmann ruhig wie einen jener honorigen Pauker aus dem alten Ufa-Steifen „Die Feuerzangenbowle“ vorstellen. Mit grauen Haaren, Bart, Brille und besonderen Schrullen, die naturgemäß die Fantasie der Schüler befeuern. Wie der Pennäler Hans Pfeiffer den Lehrern seine Streiche spielte, so trieben die Herrschinger Spieler ihre Scherze mit Hoffmann. Bevorzugtes Angriffsobjekt war sein Pepitahut, der mal in der Gefriertruhe landete, mal zum Blumenkübel umfunktioniert oder mit Sekt gefüllt wurde. „Er hat das immer genossen“, sagt Siglstetter. Hoffmann konnte und kann auch über sich selbst lachen.

Wer sich mit den ehemaligen Spielern des Handballlehrers unterhält, spürt nicht nur die große Wertschätzung, die sie für ihn hegen. Es ist Liebe, die sie für den ewigen Junggesellen empfinden. „Er hat uns nicht nur über das Sportliche erreicht“, schwärmt Jaschunsky, „er hat uns als Mensch erreicht.“ Es ist verwunderlich, wenn junge Menschen ihn verehren wie ihren Großvater. Obwohl er seit einem halben Jahrhundert im Nachwuchsbereich arbeitet, hängen die Jugendlichen dem geselligen und etwas kauzigen Alten an den Lippen. Nikolas Emmrich und Philipp Laumer luden ihn jüngst in ihre Studentenbude nach Erlangen ein. Hoffmann, der eine Bahncard 100 zu seinen wichtigsten und wertvollsten Errungenschaften zählt, reiste selbstverständlich an. Da sich Gespräche mit ihm leicht in die Länge ziehen können, übernachtete er bei ihnen im Schlafsack auf der Iso-Matte.

„Er versucht, auf jeden individuell einzugehen“, nennt Florian Hintz eine weitere Eigenschaft. Der 29-jährige Handballer des TSV Gilching hat von Hoffmann enorm profitiert, sowohl als Spieler als auch als Jugendtrainer. „Er war immer der Freund als Lehrmeister“, bringt er dessen Wirken auf den Punkt.

Und der Name Schmidi? „Stand mal bei ihm auf dem Trainingsanzug“, vermutet Hintz. „Ist in Prag bei einem Turnier aufgekommen“, meint Wannenmacher. „Könnte etwas mit einem Talentschmied zu tun haben“, tippt Jaschunsky. Die Wahrheit ist banal. Bei einem Turnier saßen Gilchinger und Hamburger Spieler in einem Bus zusammen. Der Busfahrer der Hanseaten hieß Schmidt und wurde von den Spielern nur Schmidi gerufen. Weil er sehr geschickt und schnell sein Fahrzeug durch die Straßen lenkte, bürgerte sich in Gilching der Name Schmidi für Hoffmann ein. Aber das ist schon eine halbe Ewigkeit her.

Stationen seines Lebens für den Handball

Jürgen Hoffmann...

... spielte seit 1960 als Kreisläufer, Rechtsaußen und Rückraum-Mitte für den TSV Gilching.

... begann in der Saison 1969/70 sein Engagement als Jugend-Trainer des TSV Gilching.

... arbeitete in seiner Laufbahn beim FC Bayern München, der HSG Würm-Mitte, dem TSV Herrsching und dem TSV Weilheim als Coach.

... agiert seit 1975 als Schiedsrichter und leitet noch heute Spiele in den unteren Klassen.

... hat insgesamt 79 Meisterschaften errungen (davon sechs als Spieler).

... wurde dreimal Bayerischer Meister, siebenmal Südbayerischer Meister, zwölfmal Oberbayerischer Meister und elfmal Münchner Meister.

... gewann als Auswahltrainer des Bayerischen Handball-Verbandes (BHV) neun Titel mit dem Team Oberbayern. 

... spielte 28-mal mit einer A- oder B-Jugend in der höchsten bayerischen Liga. 

... stieg 19-mal mit einer Herren-Mannschaft auf. 

... brachte insgesamt acht Spieler in eine Auswahl des Deutschen Handball-Bundes und 30 Jugendliche in eine Auswahl des BHV. 

... erhielt 1975 den Ehrenbrief der Gemeinde Gilching. 

... wurde 1990 mit der Verbandsnadel in Gold des BHV ausgezeichnet. 

... arbeitet auch mit 75 Jahren noch immer im Nachwuchsbereich des TSV Herrsching als Co-Trainer der C- und B-Jugend.

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