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Die Balkontüre wurde in den Garten geschleudert und riss Teile des Mauerwerks mit.

Teile flogen bis zu 40 Meter

Heftige Explosion in Herrsching: Verpuffung reißt Mauerwerk mit

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Ein Mann stellt einen Karton mit Sprühdosen auf die Herdplatte, schaltet diese dabei an und verlässt die Wohnung. Die Kiste gerät in Brand, die Dosen explodieren. Wie durch ein Wunder wurde keiner verletzt.

Breitbrunn – Die Explosion war so heftig, dass sogar die Balkontüre samt Rahmen in den Garten geschleudert wurde und Teile des Mauerwerks mitriss. Sie flogen bis zu 40 Meter. Am Dienstagabend brannte es gegen 19.30 Uhr in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im 1. Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses im Bucher Weg im Herrschinger Ortsteil Breitbrunn. Ausgelöst wurde der Brand durch eine Verpuffung.

Der Bewohner, ein 25-jähriger Bauarbeiter aus Ungarn, hatte eine Kiste mit Sprühdosen auf einer Herdplatte in der Küche der Wohnung abgestellt, darunter Dosen mit Montageschaum, Rostlöser (WD-40) und weiteren Dosen mit Treibmitteln. Dabei schaltete er wohl versehentlich die Herdplatte darunter ein. Anschließend verließ der junge Mann das Haus.

Durch die Hitze der Herdplatte begann zunächst der Karton zu brennen, mehrere der Sprühdosen darin explodierten. Die Wucht der Explosion war enorm. Die dadurch entstandene Druckwelle riss nicht nur die Balkontür im Wohnzimmer der Wohnung aus der Verankerung und schleuderte sie in den Garten. Auch die Wohnungstüre wurde aus ihrer Verankerung gehoben. Die Küchenzeile befand im Eingangsbereich der Wohung.

Im Eingangsbereich der Wohnung entzündete sich eine Kiste mit Sprühdosen, die auf dem Herd standen.

Der Knall war so laut, dass andere Bewohner den Hauseigentümer verständigten, der Polizei und Feuerwehr alarmierte. Der Vermieter griff „schnell, mutig und beherzt“ ein, berichtet Florian Kleber, der als Kommandant der Breitbrunner Freiwilligen Feuerwehr den Einsatz leitete. Der Eigentümer löschte den Brand durch die aus den Angeln gehobene Wohnungstüre mit einem Feuerlöscher. „Damit hat er eine Ausbreitung und ein großeres Feuer verhindert“, erklärt Kleber. Die Feuerwehr kümmerte sich anschließend um die Nachlöscharbeiten, untersuchte unter Atemschutz die stark verqualmte Wohnung auf Glutnester und lüftete das gesamte Gebäude.

Die Wohnung ist derzeit unbewohnbar. Die Feuerwehr verschalte das in der Hauswand klaffende Loch, das die herausgesprengte Balkontür hinterließ, mit Holzplatten. Zudem sperrte sie den Bereich unter dem Balkon ab. „Wie groß die Schäden tatsächlich sind und was das für die Standsicherheit bedeutet, das müssen Spezialfirmen klären“, so Kleber.

Teile des Mauerwerks flogen bis zu 40 Meter.

Die Hausbewohner hatten sich ins Freie gerettet. Bis auf den Bewohner der Wohnung, in der sich die Explosion ereignete, konnten alle nach etwa anderthalb Stunden in ihre Wohnungen zurückkehren. Zuvor wurden sie von Mitarbeitern des Rettungsdienstes untersucht. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Insgesamt waren knapp 100 Einsatzkräfte der Feuerwehren Buch, Breitbrunn, Hechendorf, Herrsching und Inning und des Rettungsdienstes im Einsatz. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf etwa 10 000 Euro.

Den 25-jährigen Bewohner der Wohnung erwartet nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen grober Fahrlässigkeit. Der Fall geht somit nicht an die Staatsanwaltschaft, erklärt ein Sprecher der Herrschinger Polizei. Er sei zwar seit über 30 Jahren Polizist und davon mehr als 20 Jahre in Herrsching, „aber einen solchen Fall habe ich noch nicht erlebt“, so der Sprecher. Auch für Feuerwehrkommandant Kleber war es eine neue Erfahrung. Kleber: „Ich war erstaunt über das Ausmaß.“ 

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