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Ziemlich belastbar, und das mit nur 22 Jahren: Carina Feyrer ist seit etwa drei Jahren Leiterin der BRK-Bereitschaft Herrsching.

Ehrenamt

Anderen helfen – das ist ihr Ding

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Wenn sich Carina Feyrer etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht sie es durch – konsequent und mit Leidenschaft. So füllt sie als erste Frau an der Spitze die Leitung der BRK-Bereitschaft in Herrsching aus, so hat sie soeben ihre fünfjährige Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen und so ist sie seit drei Jahren Eigentümerin eines Pferdes. Dies alles mit 22 Jahren.

Herrsching – Carina Feyrer war zehn Jahre alt, als sie der Jugendgruppe der BRK-Bereitschaft Herrsching beigetreten ist, in der Hoffnung, gleich mithelfen zu dürfen. Darauf musste sie allerdings fünf Jahre warten, denn erst mit 15 Jahren dürfen Jugendliche die Ausbildung zum Sanitäter absolvieren. „Ich habe darauf regelrecht hingefiebert“, erinnert sie sich. Denn schon als Grundschülerin wusste sie, dass das BRK ihr Ding ist. „Bei jedem Ferienprogramm war ich dabei, und wenn die dreimal Erste Hilfe angeboten haben, war’s gerade recht, dann war ich dreimal da.“ Woher sie diese Leidenschaft hat, kann sie sich nicht erklären. „Es ist einfach so.“

Ob im Zirkuszelt, bei Sportveranstaltungen, Volksfesten, Seemärkten oder das nächste Mal beim Streetfood-Festival an diesem Wochenende – ohne die Bereitschaften kommt kein Großereignis aus. „Und mit dem neuen Sicherheitskonzept in Herrsching ist es noch mal mehr geworden“, erzählt die 22-Jährige. Denn mittlerweile muss die Bereitschaft auch einen Tag der offenen Tür im Kindergarten absichern. Gruppen wie die Herrschinger sind aber auch zur Stelle, wenn bei Notfällen und Katastrophen sachkundige Rettungs- und Versorgungsmaßnahmen erforderlich sind – über die Gemeindegrenzen hinaus. Nach dem Amoklauf im OEZ in München vor zwei Jahren zum Beispiel waren die Herrschinger auch dabei. „Pflasterkleben ist aber eigentlich die Nummer 1 von dem, was wir tun“, räumt sie ganz offen ein.

Schon damals war sie Chefin der Herrschinger Bereitschaft. Denn als sich niemand anderes fand, zögerte sie nicht lange und bot sich für den Posten bereits im Alter von nur 19 Jahren an. Damals hatte sie ihren Wunschberuf als Operationstechnische Assistentin sausen lassen müssen, weil sie einen Bandscheibenvorfall hatte. „16 Stunden am OP-Tisch stehen – das ging dann leider nicht mehr“, sagt Carina Feyrer.

Kurz darauf entschied sie sich für die Ausbildung zur Erzieherin. „Vergangene Woche habe ich mein Zeugnis bekommen“, sagt sie so nebenbei und lässt ganz unerwähnt, dass sie nicht nur ihre Prüfungen parallel zur neuen Aufgabe meistern musste, sondern seit drei Jahren auch der Freiwilligen Feuerwehr Herrsching angehört. „Da kommt man schon mal an seine Grenzen“, gesteht sie, „aber es hat geklappt.“ Dies auch dank ihrer Stellvertreterin Nicole Scheibenpflug, dank der Hilfestellung von Melanie Walter, Bereitschaftsleiterin in Seefeld, und von der BRK-Kreisbereitschaft.

Weil sie anderen Menschen helfen möchte, ist Carina Feyrer seit ihrem 18. Lebensjahr auch in der Stammzellen-Datenbank registriert. Und im Februar kam tatsächlich ein Anruf. Sie fuhr nach Stuttgart ins Entnahmezentrum und spendete. Gerade erst hat sie den Anruf bekommen, dass sie dem Menschen damit tatsächlich das Leben retten konnte. Nachrichten wie diese machen für sie all die Mühen wett und bringen ihre blauen Augen zum Strahlen.

Bei all dem ehrenamtlichen und beruflichen Engagement hat sie – ebenfalls seit drei Jahren – zudem ihr Pferd zu betreuen. „Das habe ich mir in Spanien gekauft“, sagt sie und zuckt leicht mit den Schultern. „Ich wollte die Verantwortung übernehmen“ – also tat sie dies. Von Kindesbeinen an reitet sie und hatte auch schon mal eine Reitbeteiligung. Als sie im Urlaub in Spanien dann erfuhr, dass unter anderem der 15-jährige Wallach Alvaro verkauft werden soll, fackelte sie nicht lang. Jetzt steht der rassige Spanier in einem Stall in Ellwang. Ja, und auch das Pferd braucht ihre Aufmerksamkeit. Genauso wie der Herr Papa, den sie gern zur einden oder anderen Oldtimer-Rallye mit seinem Lagonda LM 452 aus dem Jahr 1936 begleitet. Aber offensichtlich bekommt sie alles prima unter einen Hut.

„Breitschaft, Pferd, Feuerwehr“, antwortet Carina Feyrer, wenn man sie nach ihren Leidenschaften fragt. Sie fügt aber sogleich hinzu, dass dies deshalb nicht in dieser Reihenfolge sein muss. Wichtig ist nur eins: Dass es immer ihr Ding ist.

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