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Mit Bürgersolardächern fing die Energiegenossenschaft an.

Energiegenossenschaft Fünfseenland

Gemeinschaftliches Modell überzeugt

  • vonAndrea Gräpel
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Bei der Energiegenossenschaft Fünfseenland wird niemand reich. „Darum geht es auch gar nicht“, sagt Gerd Mulert, seit neun Jahren Vorstand des gemeinschaftlichen Unternehmens. Vor allem gehe es den Mitgliedern um die ideelle Unterstützung zur Umsetzung der Energiewende. Dafür konnte nun das 500. Mitglied gewonnen werden, ein Hausbesitzer aus Pöcking.

Herrsching – Die Energiegenossenschaft hat sich 2011 aus der Arbeit der Agenda-Gruppen im Landkreis und des Vereins Energiewende gegründet. Mulert erinnert sich noch gut an den Kraftakt, der es vorher war, Bürgersolaranlagen auf Bauhof und Schule in Herrsching zu verwirklichen. „Jeder hat sein Laienwissen eingebracht.“ Das sei sehr zeitaufwändig gewesen. „Wir wussten, wenn wir in dem Tempo weiterarbeiten, schaffen wir die Energiewende nie.“ Als der Kreistag 2005 den Beschluss fasste, bis 2035 energieautark zu sein, sei dies eine Initialzündung gewesen. Und mit Interesse verfolgten die Mitstreiter aus dem Fünfseenland, wie zeitgleich in der ganzen Republik Bürgergenossenschaften aus dem Boden schossen.

„Das wollten wir auch“, sagt Mulert. Der heute 62-Jährige übernahm damals die Aufgabe, sich bei der VR Bank über das genossenschaftliche Modell zu informieren. Und siehe da, es gab dort ebenfalls Gedankenspiele, in die Energiewende zu investieren. „Da passte das eine und das andere“, so Mulert. Die VR Bank stellte einen Experten, der zusammen mit den Laien einen Businessplan entwarf, und der heutige Vorstandsvorsitzende Thomas Vogl habe gemeint, „das machen wir nicht klein, das machen wir groß“. Zur Gründungsversammlung nach Andechs kamen also rund 200 Interessierte, 120 trugen sich sofort als Mitglied ein. Seither werden sie fortlaufend geführt.

Mitglieder sind nicht nur Privatpersonen, sondern der Landkreis ebenso, auch die Gemeinde Weßling war sofort dabei. Nummer 1 ist aber der damalige Vorsitzende des Energiewendevereins, Hans Knape, Nummer 2 Mulerts Ansprechpartner bei der VR Bank, Christian Müllner, und Nummer 3 Mulert selbst. Die Mitgliederzahl wächst kontinuierlich, freut sich Mulert, der auch Gründungsvorstand der Genossenschaft ist.

Anfangs hatte das gemeinschaftliche Unternehmen ein Büro bei der AWA, seit 2013 gibt es die Geschäftsstelle an der Seestraße in Herrsching. „Unser Ziel ist es, Kapital zu erhalten und neu zu investieren“, erklärt Mulert. Die Dividende der Anteilseigner sei eher gering. Jedes Mitglied habe aber dafür auch die Möglichkeit, Projekte mitzufinanzieren, indem es Geld als verzinstes Darlehen zur Verfügung stellt. Wie begehrt dieses Modell ist, zeigt das Nahwärmenetz in Seefeld. Gerade erst erfolgte der Spatenstich, „schon Pfingstmontag hatten wir für 600 000 Euro Zusagen, aktuell sind wir bei 800 000 Euro“. Dem Pöckinger Hausbesitzer hat dieses genossenschaftliche Prinzip offenbar genauso überzeugt, so dass er die 500 noch vorm zehnten Jubiläum der e.G. voll machen konnte.

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