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Millionenschwere Brache mitten in Herrsching: Nach den aktuellen Werten ist dieses gemeindeeigene Grundstück am Mitterweg mehr als vier Millionen Euro wert. Die Gemeinde möchte hier bezahlbaren Wohnraum errichten. 

Wohnungsmarkt

Bezahlbarer Wohnraum für 26 Familien

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Die Gemeinde Herrsching will mitten im Ort bezahlbaren Wohnraum schaffen. Mit großer Mehrheit stimmte der Gemeinderat dem Bau von 26 Wohnungen am Mitterweg zu. Die Kosten belaufen sich nach jetzigen Berechnungen auf 7,9 Millionen Euro.

Herrsching – Ein Baugrundstück zu diesen Preisen kann sich Otto Normalverdiener kaum leisten: 1300 Euro kostet der Quadratmeter in der Ortsmitte von Herrsching. So steht es jedenfalls in den aktuellen Bodenrichtwerten, die der Gutachterausschuss des Landkreises am Montagvormittag veröffentlicht hat (wir berichteten). 26 Herrschinger Bürgern und Familien soll es dennoch in ein paar Jahren möglich sein, auf einem so teuren Grundstück bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Gemeinderat hat nämlich am Montagabend beschlossen, das gemeindeeigene Grundstück am Mitterweg genau dafür zu nutzen.

Es ist ein Sahnegrundstück: angrenzend an die katholische Kirche St. Nikolaus, gegenüber von Feuerwehr und Rathaus, 3300 Quadratmeter groß. Der Grundstückswert beträgt nach den aktuellen Zahlen knapp 4,3 Millionen Euro.

Architekt Christoph Welsch vom Büro „Werkraum a“ stellte dem Gemeinderat seine Überlegungen vor, die sich innerhalb des dort gültigen Bebauungsplans bewegen. Demnach sieht er von West (Mitterweg) nach Ost vier Häuser vor: zwei dreigeschossige mit je neun Wohnungen, ein dreigeschossiges mit sechs Wohnungen und ein zweigeschossiges Doppelhaus. Macht insgesamt 26 Einheiten mit eins bis fünf Zimmern und Wohnflächen zwischen 35 und 110 Quadratmetern. Allein zehn Wohnungen sollen nicht größer als 50 Quadratmeter werden. Die maximale Wandhöhe beträgt 8,40 Meter. Dazu sind zwei Tiefgaragen mit insgesamt 42 Stellplätzen geplant, Auch eine Kostenschätzung lieferte Welsch den Gemeinderäten. Inklusive einer kalkulierten Preissteigerung kam er auf 7,9 Millionen Euro. Die Gemeinde verspricht sich hohe Förderungen seitens des Freistaats – im Übrigen auch des hohen Grundstückspreises wegen.

Wenn es nach Bürgermeister Christian Schiller geht, sollen die Wohnungen möglichst Herrschinger Bürgern vorbehalten bleiben. „Das ist das Ziel“, sagte er. Wie das erreicht werden soll, wer Bauherr ist, wer sich um Vermietung und Verwaltung kümmert, müsse allerdings noch besprochen werden. „Da gibt es verschiedene Modelle“, sagte Schiller.

Im Gemeinderat gab es für die Pläne viel Lob. „Das freut mich sehr“, sagte Christiane Gruber von der Bürgergemeinschaft. „Wir haben das Grundstück, die Zinsen sind niedrig, der Bedarf ist vorhanden, wir müssen es tun“, sagte Jens Waltermann (FDP). Das Grundstück nicht für bezahlbaren Wohnraum zu nutzen, sei geradezu unverantwortlich. Als „gut und sehr richtig“ bezeichnete Christina Reich (CSU) die Pläne. „Wir sind es unseren Bürgern schuldig, dass wir für sie etwas tun.“, sagte sie.

„Nicht ganz so euphorisch“, äußerte sich dagegen Willi Welte (CSU). Er stelle infrage, ob dieser „sehr wertvolle Baugrund“ für bezahlbaren Wohnraum geeignet sei, sagte er. Auch dass die genannten 7,9 Millionen Euro am Ende zu halten seien, glaube er nicht. Ähnlich äußerte sich Klaus Pittrich (CSU): „Ich würde mit bezahlbarem Wohnraum eher in Außenbereiche gehen.“

Am Ende sprach sich der Gemeinderat gegen die Stimmen von Welte, Pittrich und Johannes Puntsch (FDP) für das Konzept aus und beauftragte die Verwaltung, zu den Beratungen für den Haushalt 2020 einen Finanzierungsvorschlag vorzulegen.

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