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Zwei, die sich verstehen: Pfarrer Simon Rapp (l.) und Johannes Wangqi Li. 

Pfarreiengemeinschaft Ammersee Ost

Der Praktikant aus dem Reich der Mitte

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In der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost gehört für die nächsten 14 Monate der chinesische Priester Johannes Wangqi Li zum Team um Pfarrer Simon Rapp.

Herrsching – „Treffen sich zwei Chinesen zwischen den Regalen beim Rewe“ – für Herrschings Pfarrer Simon Rapp war dies ein einschneidendes Erlebnis. Noch nie hatte er Chinesen vorher bewusst bei einer Unterhaltung gelauscht, denn verstanden hat er natürlich nichts. Der eine war aber auch nicht irgendein Chinese, sondern ist sein neuer Pastoralpraktikant Johannes Wangqi Li. Mit ihm war er nach einer Messe noch schnell im Supermarkt, als Li zwischen den Regalen zufällig einen Landsmann traf, diesem spontan ein „Nî hâo“ zuwarf und sich ein Gespräch entwickelte. „Ich stand mit meinem Körbchen dahinter und staunte“, gibt Rapp ganz offen zu. Diese Gelegenheit wird sich Rapp in den nächsten 14 Monaten sicher noch einmal bieten, denn so lange macht Li in der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost Station. Der ein oder andere hat den Theologen sicher schon kennen gelernt, da er Pfarrer Rapp seit Anfang November begleitet. Und weil er bereits Priester ist, hat er auch schon die ein oder andere Eucharistiefeier übernommen.

Li ist nach Diakon Pius Gregory Oduro Owusu SVD, der ab 2017 14 Monate in Herrsching ausgebildet wurde, der zweite Pastoralpraktikant unter Rapp. Li kommt aus China, Kaplan Dr. Gabriel Okoko aus Nigeria und Rapp aus dem Allgäu – „damit erfüllt sich bei uns die Weltkirche“, freut sich der leitende Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft und lacht. Li spricht wie sein Vorgänger sehr gut Deutsch. Und wie sein Vorgänger hat er auch bei den Steyler Missionaren in St. Augustin bei Bonn studiert und wurde dort Anfang 2018 zum Diakon geweiht. Danach zog es Li zurück in seine Heimat, um dort sein erstes Pastoralpraktikum zu absolvieren. Im Dezember 2018 wurde er zum Priester geweiht. Nun ist Li wieder 14 Monate in Deutschland. Insgesamt dauert seine Ausbildung fünf Jahre.

Johannes Wangqi Li ist 1988 im Süden der Provinz Hebei, 470 Kilometer südlich von Peking, geboren. Dort wie im ganzen Land mit seinen knapp 1,4 Milliarden Einwohnern sind Christen in der Minderheit. Es gibt gerade einmal 3000 katholische Priester. Im Vergleich dazu: In Deutschland mit knapp 83 Millionen Menschen gibt es rund 13 500 katholische Priester. Die Mehrheit der Chinesen bekennt sich zu keiner Religion oder wenn, dann zu Buddhismus oder Daoismus. Im Hause seiner Eltern seien Priester und Nonnen aber schon immer ein und ausgegangen, sagt Li. Das habe ihn geprägt.

Von 2008 bis 2011 besuchte der heute 31-Jährige das Priesterseminar in seiner Heimatdiözese. 2011 kam er nach Deutschland. Die Sprache habe er schnell gelernt. Li sagt dies angenehm distinguiert und wohl bedacht. „Deutschland ist meine zweite Heimat geworden“, sagt Li. Sobald die Ausbildung abgeschlossen ist, wird er aber nach China zurückkehren. Bis dahin ist noch viel Zeit. Die nächsten 13 Monate verbringt Li erstmal im Pfarrhaus in Herrsching und wird Priesterkollegen und Pfarrangestellte hin und wieder mit seinen chinesischen Kochkünsten erfreuen. Denn das ist guter Brauch im Höllriegl-Haus: Mittags wird gemeinsam gekocht und gegessen. Und mit der neuen Nationalität ändert sich freilich auch der Speisenplan. „Bei uns wird’s nie langweilig“, freut sich Rapp.

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