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Fleisch- und Wurstwaren produzieren konnten Metzgerlehrlinge, wie hier (v.l.) Georg Friedl und die französischen Austausch-Azubis Samuel Lefalher und Alexandre Lanuel, in Hans Kneissls Metzgerei direkt vor Ort lernen. Nun musste der Betrieb schließen. 

Geschäft in Herrsching schließt

Fleischproduktion in Metzgerei unerwünscht

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Acht Jahre lang hat Hans Kneissl in seiner Metzgerei Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung verkauft. Nun muss er schließen, weil sein Mietvertrag gekündigt wurde. Den Kündigungsgrund kann Kneissl nicht nachvollziehen.

Herrsching – „Es war wie eine Beerdigung. Es sind Tränen geflossen und nicht wenige“ – so beschreiben Hans Kneissl (51) und seine Partnerin Evelyn aus Herrsching die letzten beiden Öffnungstage ihrer Metzgerei. Seit vergangenem Samstagabend sind die Türen der Metzgerei Kneissl an der Herrschinger Bahnhofstraße geschlossen.

Das liegt nicht etwa an zu wenig Kunden. Ganz im Gegenteil, wie Hans Kneissl deutlich macht. „Ich habe den Betrieb erfolgreich geführt“, sagt der Metzger. Seine Kunden seien geschockt, traurig und entsetzt gewesen, als sie von der geplanten Schließung erfahren hätten. Hans Kneissl jedoch war nicht überrascht, als er einige Monate zuvor, Ende Januar, den Grund für die Geschäftsaufgabe in seinem Briefkasten fand: Sein Mietverhältnis wurde gekündigt.

Die Vermieter fühlen sich Kneissl zufolge in ihrer Ruhe gestört

Die Begründung der Vermieter für den Rauswurf: „Sie fühlen sich in ihrer Ruhe gestört“, sagt Kneissl. Nachvollziehen kann er diese Argumentation nicht. Er habe bei den anderen vier Parteien, die in dem Gebäude wohnen, nachgefragt. „Keiner hatte Probleme mit dem Produktionslärm“, sagt der 51-Jährige. „Auch die Anwohner in Nachbargebäuden haben sich nicht beschwert.“

Zwar räumt der Metzger ein, dass sowohl durch die Fleisch- und Wurstproduktion vor Ort als auch den Lieferverkehr, der mit dem Betrieb einer Metzgerei einhergeht, ein Geräuschpegel entsteht. Dass er eine Metzgerei mit eigener Produktion in den Räumen an der Bahnhofstraße betreiben wird, sei aber von Anfang an abgeklärt und vertraglich vereinbart gewesen.

Er habe nur zu den vereinbarten Zeiten produziert, sagt Kneissl

„Es war sogar eine Bedingung für das Mietverhältnis, dass ich das Geschäft erfolgreich als Metzgerei betreibe“, sagt Hans Kneissl. „2011 habe ich den Laden übernommen, renoviert und die leisesten Produktionsmaschinen gekauft, die es am Markt gab.“ An die vereinbarten Produktionszeiten habe er sich gehalten. „Wir haben alles unternommen, um die Lärm- und Geruchsbelästigung so gering wie möglich zu halten“, sagt er. „Für eine Metzgerei mit unserer Kundenfrequenz waren wir leise.“

Auch eine Lüftungsanlage habe der 51-Jährige eingebaut. So wurden Gerüche, die beim Räuchern und Braten entstehen, über das Dach abgeleitet. Dennoch hätten sich die Vermieter über die Jahre immer mehr über Geräusche und Gerüche beschwert. Sie wollen sich auf Nachfrage des Starnberger Merkur jedoch nicht äußern. Seit vergangener Woche stehen die Produktionsmaschinen nun still. Bis Ende Oktober hat Hans Kneissl Zeit, die Metzgerei auszuräumen. „Sie sind die Vermieter, es ist und bleibt ihr Gebäude, und wenn sie auf meine Arbeit als Metzger keinen Wert legen, dann ist das so“, sagt der 51-Jährige.

Die Kunden verstehen nicht, warum die Metzgerei schließen muss

Seine Kunden hätten auf die Schließung allerdings mit Unverständnis reagiert. „Weil alle wissen, dass danach wieder eine Metzgerei kommt“, erklärt Hans Kneissl. „Der angedachte Nachfolger nutzt die Räume aber nicht zur Wurstproduktion.“ Stattdessen würden Wurst und Fleisch künftig extern an einem Bauernhof hergestellt. Wer der neue Pächter ist, will er nicht verraten.

Er habe aber bereits Ende 2018 aus dem Kollegenkreis davon erfahren, dass seine Vermieter einen Nachfolger für ihn gesucht und gefunden hätten. Ende Dezember habe ein persönliches Gespräch mit den Vermietern stattgefunden, einen Monat später kam die schriftliche Kündigung. Wie es für ihn weitergeht, darüber hat sich Hans Kneissl noch keine Gedanken gemacht. „Meine vier Mitarbeiter hatten keine Probleme, eine neue Stelle zu bekommen“, sagt der Herrschinger. „Denn im Metzger-Handwerk herrscht nicht mehr nur Mitarbeitermangel, wir befinden uns in der Mitarbeiterkatastrophe.“

Viele seiner Kunden hoffen Hans Kneissl zufolge, dass er eine neue Metzgerei in Herrsching eröffnet. Doch der 51-Jährige will erst einmal den Abschluss seines alten Geschäfts gut über die Bühne bringen. „Und dann schau ma moi, wie es in Bayern so schön heißt“, sagt er und schmunzelt.

Für viele Handwerker ist es schwierig, Personal zu finden. Auch für einen Metzgerei-Chef aus dem niederbayerischen Vilsbiburg. Er macht es jetzt ganz anders.

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