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Das Beweisfoto im Hintergrund: Bürgermeister Schiller (v.l.), Willy Generotzky und die ESA-Missionsdirektoren Berti Meisinger und Roland Lüttgens. 

Fotoaktion

Gerst grüßt die „Space-Freunde“

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2017 wurde die Aufnahme gemacht, 2018 wurde sie ins All geschickt und jetzt ist sie zurück in Herrsching: Bürgermeister Christian Schiller freut sich über Grüße aus dem Weltall.

Herrsching – Der Hintergrund sieht aus wie ein blauer Himmel mit Wolken. Aber nur die Wolken treffen zu, für das Blau sorgt das Meer auf der Erde. Im Vordergrund ist ein Foto zu sehen mit 388 Herrschingern drauf. Denn die haben es tatsächlich doch noch ins Weltall geschafft.

„Ich habe mir schon überlegt, wo ich hinziehe, wenn es nicht klappt“, sagte Roland Lüttgens am Freitag. Er ist Missionsdirektor der ESA-Außenstelle in Oberpfaffenhofen und wohnt in Herrsching. Bürgermeister Christian Schiller kennt er aus Schulzeiten der Söhne, und gemeinsam hatten sie die Idee ausgeheckt, ein Bild mit Herrschinger Bürgern zum deutschen Astronauten Alexander Gerst ins All zu schicken.

Das Foto hatte der Fotograf Willy Generotzky im Mai 2017 aufgenommen (wir berichteten). Mit einiger Verzögerung landete es auf der ISS und – von Gerst für seine „Herrschinger Space-Freunde“ unterschrieben – schließlich auch wieder am Ammersee. Das Beweisfoto sowie das Foto mit Widmung hängen jetzt jeweils auf zwei mal vier Meter vergrößert an Plakatwänden, die Schiller auf der Maibaumwiese vorm Rathaus aufstellen ließ. Damit konnte er seine Foto-Mission für beendet erklären und das Ergebnis mit Lüttgens, dessen Kollegin Berti Brigitte Meisinger – ebenfalls ESA-Missionsdirektorin – sowie Fotograf Generotzky feiern.

Bei dieser Gelegenheit plauderten die beiden ESA-Mitarbeiter aus dem Nähkästchen. Denn beide waren hautnah dabei, als Gerst im Weltall war – sowohl 2014 als auch 2018. Und sie erzählten von dem Aufwand, der für die Reise des Fotos nötig war. Denn Farbfotografien durchlaufen wie jedes andere Teil, das auf die Internationale Raumstation ISS geschossen wird, einen Sicherheitscheck. Ganz abgesehen davon, dass diese Fracht in der Priorität natürlich am Ende jeder Liste steht.

Jede Farbe, auch die auf dem Bild, könne in der Schwerelosigkeit ausgasen, erklärte Berti Meisinger. Und wenn die Astronauten giftige Moleküle einatmen würden, gäbe es ein Problem. Deshalb war Lüttgens auch dabei, als das Fotopapier damals ausgesucht wurde. Bevor es in Turin verpackt wurde, wurde es untersucht. Versehen mit einem Okay, wurde es, sobald sich ein leeres Plätzchen in der nächsten Versorgungskapsel auftat, in die Fracht reingeschoben.

Dass die Sendungen ihr Ziel erreichen, sei nicht immer gewährleistet, sagte Meisinger. Bei biologischen oder medizinischen Experimenten müsse man dann neue schicken. Auch wenn Starts verschoben werden müssen wie aktuell in Japan. „Es gibt Zell-Experimente, die haben keine lange Lebenszeit.“ Bei dem Foto war das nicht zu befürchten, das bis zum Abschuss durch viele Hände gereicht worden war – und danach durch viele weitere mehr. Im All galt es dann, die Zeit zu finden, es ans Fenster zu halten und zu fotografieren, denn ein Astronauten-Alltag sei eng getaktet. „Es gibt kein Tag und Nacht, das passiert da oben alle 90 Minuten, es ist mehr Arbeit und Schaffen“, so Lüttgens. Ein Arbeitstag im All dauert sechseinhalb Stunden plus zweieinhalb Stunden Training. Und zurück auf der Erde muss dieses Foto noch richtig verteilt werden, denn „Astronauten machen tausende Aufnahmen. Die kommen manchmal schubweise unten an“, so Berti Meisinger.

„Faszinierend, dass das funktioniert hat“, freute sich Schiller. Generotzky sprach bei der Zahl 388 gar von Herrsching als einer Gemeinde mit der höchsten Astronauten-Dichte, so man jeden Herrschinger auf dem Bild als Astronaut betrachten könnte. „Von mir gibt es auch ein Foto mit mir und der Erde im Hintergrund“, verrät Berti Meisinger. Derart gebe es sicher viele, glaubt sie. Ihres Wissens sei dies aber das erste Foto einer Gemeinde im Weltall – vielleicht nicht weltweit, aber vermutlich europaweit.

Aussagen wie diese freuten den Bürgermeister, der stolz auf die Plakatwände vorm Rathaus verwies. „Die bleiben da sechs Wochen stehen.“ Ab diesen Samstag um 8 Uhr sind die Bilder auch unter www.herrsching.de im Internet herunterzuladen. Fertige Abzüge gibt es auch, wie vor zwei Jahren schon versprochen, beim Copyshop in Herrsching.  

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