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Der alte Sprungrum im Ammersee bei Herrsching.

Im Herrschinger Seewinkel

„Sprungturmbademeisterbetrieb“: Gemeinde muss Aufsicht für Sprungturm und Badeinsel einstellen

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Die Gemeinde muss eine Aufsicht für Sprungturm und Badeinsel im Seewinkel einstellen. Das hat der Gemeinderat schweren Herzens beschlossen - unter Hinweis auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Jetzt ist schon die Rede vom „Sprungturmbademeisterbetrieb“.

Herrsching – „Wir haben ein nicht gar so glückliches Händchen mit unserem Sprungturm“, stellte Herrschings Bürgermeister Christian Schiller am Montagabend im Gemeinderat mit Bedauern fest. Nach den Wirren um Sanierung und Sprungtiefe im vergangenen Jahr holt die Gemeinde nun ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2017 ein – mit der Folge, dass die Gemeinde um eine Badeaufsicht nicht herum kommt, wenn sie Sprungturm und Badeinsel weiterhin betreiben will.

Wie bei Schaukel und Wippe auf Spielplätzen, war Schiller davon ausgegangen, dass auch Sprungturm und Badeinsel zum Allgemeingebrauch zählen: Eine regelmäßige Prüfung reicht aus, die Spielgeräte benutzen zu dürfen. Das Urteil aus dem Jahr 2017 nimmt zum großen Unverständnis der Ratsrunde nun Gemeinden für ihre Strandbäder aber auch strafrechtlich in die Pflicht. „Ich bin überrascht, wie wir unsere Kindheit überlebt haben“, sagte Schiller, nachdem SPD-Gemeinderat Uli Sigl den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag gemacht hatte, Schüler nicht nur freitags zur Demo gegen den Klimawandel zu schicken, sondern auch donnerstags gegen „unsinnige Urteile, die jeglicher Lebensqualität entbehren“.

Allem Unverständnis zum Trotz kommen die Herrschinger um eine Badeaufsicht wohl nicht herum. Das hätten alle Juristen empfohlen, die er um Rat gebeten habe, sagte Schiller. Die Mehrheit des Gemeinderates sprach sich dafür aus, um den Sprungbetrieb wenigstens zu bestimmten Zeiten aufrechtzuerhalten. Die Anstellung soll stundenweise erfolgen. Die Gemeinde bemüht sich deshalb darum, für diese Saison entsprechendes Personal einzustellen. Um als bezahlte Badeaufsicht arbeiten zu können, muss die Prüfung für das Rettungsschwimmabzeichen Silber abgelegt werden. Ab nächstem Jahr hätte Schiller diese Aufgabe gern dem Pächter des Seewinkels übertragen, hatte aber die Mehrheit des Rates gegen sich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Pächter eine Badeaufsicht erwirtschaften kann. Wir werden das bezahlen müssen“, sagte Wolfgang Schneider (SPD), der in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Sprungturmbademeisterbetrieb“ kreierte.

Dabei ist eine andere Sache noch lange nicht ausgestanden, nämlich die mit der Sprungtiefe. Derzeit stellt sie kein Problem dar, weil der Wasserstand des Ammersees hoch genug ist. Im trockenen Sommer 2018 sank der Pegel jedoch wie berichtet unter die erforderlichen 3,20 Meter. Der Sprungturm musste gesperrt werden. Damit dies in Zukunft nicht passiert, sollte der Seeboden ausgehoben werden. Das für den Ammersee zuständige Landratsamt Landsberg verlangt nun aber ein Gutachten nach dem anderen, nachdem es Ende vergangenen Jahres noch geheißen hatte, das gehe unbürokratisch über die Bühne. Inzwischen sind die Segelvereine abgesprungen, weil die Zeit bis zum Saisonstart zu knapp wird. Sie wollten sich der Aktion anschließen und die Kosten für Baustelleneinrichtung und dergleichen mit der Gemeinde teilen. „Das muss die Gemeinde nun allein tragen“, so Bauamtsleiter Guido Finster. Im Übrigen würden alle Untersuchungen laufen. Die Genehmigung liege aber noch nicht vor, so dass nun auch die Zeit bis Beginn der Badesaison knapp werde. Wenn im Sommer dann wieder Niedrigwasser herrscht, kann sich die Gemeinde die Kosten für die Badeaufsicht vielleicht ganz sparen.

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