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Das ist eine der Planungsvarianten für das neue Gymnasium in Herrsching, wie sie dem Starnberger Kreistag vor vier Wochen vorgestellt wurden. 

Mittlerweile sprechen sich sechs Politiker gegen den Standort aus

Gymnasium im Mühlfeld: Zahl der Gegner im Gemeinderat wächst

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In der jüngsten Sitzung des Herrschinger Gemeinderats haben sich zwei weitere Gemeinderäte gegen den Standort Mühlfeld für das neue Gymnasium ausgesprochen. Dennoch fasste das Gremium den nächsten Beschluss zur Realisierung des Projekts.

Herrsching – Die Gemeinde Herrsching muss die Voraussetzungen schaffen, damit der Landkreis das geplante Gymnasium im Mühlfeld bauen kann. Dazu gehört, dass der Flächennutzungsplan geändert werden muss. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend führte dies erneut zu einer Grundsatzdiskussion über den Standort. Dabei wurde deutlich: Mittlerweile sind es sechs von 24 Gemeinderäten, die ihre Bedenken gegen den Schulbau im Mühlfeld haben.

Bürgermeister Christian Schiller hätte den Beschluss zur Flächennutzungsplanänderung sicher gern schnell vom Tisch gehabt. „Eine Formalie“, sagte er. Denn um das Gymnasium bauen zu können, müssen Biotop- und Grünflächen sowie Baumbestand künftig als „Gemeinbedarfsfläche Schule“ ausgewiesen werden. „Logisch“, dass Willi Welte (CSU) als Mitinitiator des Bürgerbegehrens gegen den Standort und für einen Schulbau an der Seefelder Straße dazu etwas sagen wollte.

Unerwartet kam ein Einwand aber von Alfred Ploetz (FDP), der vor den Kosten von mittlerweile geschätzten 78 Millionen Euro zurückschreckte. „Mich wundert, dass das alles auch durchgewunken wird“, sagte er und bezog sich auf die Abstimmung im Kreistag vor vier Wochen. Am Ende seien es 100 Millionen Euro, von denen die Gemeinde zehn Prozent zahlen müsse, plus Kreisumlage, sagte Ploetz. Unverständlich sei ihm auch, dass der Landkreis sogar für das 12 000 Quadratmeter große Biotop 70 Euro pro Quadratmeter gezahlt habe.

Hatte Ploetz bislang den Standort im Mühlfeld unterstützt, erinnerte er nun an die Argumente der Standort-Gegner und warnte vor der „Enge des Grundstücks“, Entwässerungsproblemen und verkehrssicherer Zuwegung für die Schüler. Ploetz: „An der Seefelder Straße könnte man höher und günstiger bauen.“ Er stellte deshalb den Antrag, ein neutrales Baubüro zu beauftragen, das noch einmal die beiden Standorte miteinander vergleichen soll. „Da gibt es nichts zu lachen“, sagte er, weil Schiller seiner Argumentation grinsend folgte.

Der Bürgermeister entschuldigte dies mit der Historie. „Die Entscheidung ist vor fünf Jahren gefallen. Allen Gemeinderäten wurden alle Antworten der Anlieger der Seefelder Straße vorgelegt“, sagte Schiller und verwies auf die gescheiterten Grundstücksverhandlungen am dortigen Standort. „Dieses Thema ist abgehakt.“ Anderslautende Informationen über Verkaufsabsichten der dortigen Grundstückseigentümer nannte er eine Behauptung.

„Ich würde mich freuen, wenn wir heute die Voraussetzungen für den Bau des Gymnasiums schaffen“, lenkte Christiane Gruber (BGH) ein. Ihr hatte Welte zuvor seine Verwunderung ausgedrückt: „Frau Gruber, die um jeden Baum kämpft ... “ Nun solle ein Biotop umgewandelt werden und weder sie noch die Grünen protestierten, sagte Welte. „Aber es gibt ja noch eine Gerichtsverhandlung“, erinnerte er.

Wie berichtet, haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens Klage gegen die vom Gemeinderat festgestellte Unzulässigkeit ihres Begehrens eingereicht. „Sollte das Erfolg haben, dann vergeben wir weiter Aufträge und das Geld ist zum Fenster rausgeschmissen“, warnte Welte vor voreiligen Schritten.

Unterstützung erhielt er von Johannes Puntsch (FDP): „Wir werden uns in Mühlfeld keinen Cent sparen können“, sagte er. Puntsch und Welte haben gemeinsam in einem Schreiben an alle 60 Kreisräte noch mal versucht, eine Kehrtwende einzuleiten. „Kein einziger hat reagiert“, hatte Welte bereits vor Beginn der Sitzung bedauert.

Anke Rasmussen (Grüne) war es, die am Ende der Diskussion schloss, dass es keine Alternative gebe. „Wir unterstützen das, auch wenn dafür ein paar Bäume gefällt werden“, sagte sie – und befand sie sich damit in der Mehrheit. Die Zahl der Gegner im Gemeinderat ist allerdings auf sechs angewachsen. Mit Puntsch und Welte stimmten nun auch Ploetz und Ludwig Darchinger (CSU) gegen die Änderung des Flächennutzungsplans, die weiteren Kritiker Klaus Pittrich und Hermann Jäger (beide CSU) fehlten entschuldigt.

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