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Einen Grund zum Feiern: (v.l.) die Vorstandsfrauen Ursel Wrede und Liesel Baumann, der st ellvertretende Landrat Tim Weidner sowie die Fachberaterinnen Claudia Sroka und Cordula Trapp. 

Verein Frauen helfen Frauen

Die Jeanne d’Arcs vom Ammersee

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In einer Garage fing alles an, seinen 30. Geburtstag feierte der Verein „Frauen helfen Frauen“ nun im Herrschinger Kurparkschlösschen. Dabei schwang auch Wehmut mit: Denn leider, so lässt sich in diesem Fall wohl sagen, wird der Verein nach wie vor gebraucht.

Herrsching – In der Garage der Familie Schief in Herrsching gründete im März 1989 eine Gruppe von 25 Herrschinger Frauen den Verein „Frauen helfen Frauen Starnberg“. Damit öffneten sie eine Tür für misshandelte und gedemütigte Frauen, selbst wenn es nur eine Garagentür war, wie in der Jubiläumszeitung nachzulesen ist. Seither haben die Herrschinger Frauen sehr viel bewegt. Ein guter Grund, um bei einer kleinen Feier im Kurparkschlösschen die Jahre Revue passieren zu lassen – zusammen mit zahlreichen Unterstützerinnen sowie Vertretern der Politik.

„Die Frauen brachten damals Bewegung in den Landkreis Starnberg“, erinnerte sich Gleichstellungsbeauftragte Sophie von Wiedersperg. Die Stadt München habe damals den Landkreis aufgefordert, selbst etwas für Frauen zu tun, die Bedrohung und Gewalt ausgesetzt seien. Sie dankte den Gründerinnen für deren Hartnäckigkeit. „Das Thema sexuelle Gewalt hätte ich ohne eure Hilfe nicht nach außen transportieren können.“ Mit Entsetzen lese sie heute Protokolle damaliger Sitzungen. „Da wurde ernsthaft diskutiert, ob man die Frauen dabei unterstützten soll, andere zu überreden, ihre Männer zu verlassen.“ Aus Wut hätten die Kreistagsfrauen parteiübergreifend dafür gesorgt, dass der Landkreis Starnberg den Verein unterstütze. Es brauche ihn heute nach wie vor. Sie sei sehr froh, dass sich mit Ursel Wrede und Liesel Baumann zwei Frauen gefunden hätten, die als geschäftsführende Vorstandsmitglieder den Verein vor dessen Ende bewahrt hätten. „Ich habe das Zittern und Bangen erlebt.“ Tatsächlich stand die Zukunft des Vereins vor zwei Jahren auf der Kippe, Wrede und Baumann aber übernahmen beherzt die Verantwortung.

Engagiert führten die beiden auch durch den Nachmittag, erinnerten an Weggefährtinnen wie Mitgründerin Traudl Wischnewski, die vor sieben Jahren verstorben ist, und dankten für ihre Unterstützung. Der stellvertretende Landrat Tim Weidner sprach dem Verein im Namen des Landkreises seinen Respekt aus. Die Zahlen seien immer noch erschreckend. „Jede vierte Frau ist in ihrem Leben Gewalt ausgesetzt“, sagte er. Über das Thema werde nach wie vor nicht gerne gesprochen. „Aus Scham und aus Angst.“ Auch Bürgermeister Christian Schiller fand die Umstände ernüchternd: „Es ist beschämend, dass man heuer noch einen Verein braucht, der sich um Frauen in Notlagen kümmern muss.“

Nach all dem Lob passte es gut, dass das A-cappella-Ensemble „Die Kussinen“ die Herrschinger Frauen in einem eigens gedichteten Lied als „die Jeanne d’Arcs vom Ammersee“ bezeichneten. Das Schlusswort übernahm die langjährige ehemalige Vorsitzende Verena Spitzer. Sie zitierte aus dem dyspotischen Roman „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood. Diese beschreibt eine unfreie Welt, in der die Frauen einem starren Regelsystem unterworfen sind. „Unsere Rechte sind schneller weg, als wir denken“, mahnte Spitzer. „Deswegen machen wir einfach weiter.“

Der Verein ist unter z (0 81 52) 57 20 erreichbar, das bundesweite Hilfstelefons unter 0 80 00 / 11 60 16.

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